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Die Diadochenkämpfe der Deutschen Bank

, Bernd Ziesemer

Das Führungspersonal des größten deutschen Kreditinstituts wechselt mittlerweile schneller als die Trainer beim HSV. Von Bernd Ziesemer

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Nun also Peter Hazlewood. Der oberste Geldwäschejäger der Deutschen Bank (offizieller Titel: Global Head of Anti-Financial Crime) muss nach nur sechs Monaten Dienstzeit wieder gehen. Sein Vorgänger Ulrich Göres amtierte auch nur ein gutes Jahr, sein Vorvorgänger Andreas Born aber mehr als drei Jahrzehnte. Das kleine Beispiel zeigt, was beim größten deutschen Kreditinstitut los ist. Früher war eine Führungsaufgabe in der Bank eine Lebensstellung. Heute wechseln die obersten Manager schneller als die Trainer beim angeschlagenen Bundesligaverein HSV. In den letzten zwei Jahren mussten sich Dutzende von Führungskräften der Deutschen Bank einen neuen Job suchen. Man kann das als Zeichen eines erwünschten Kulturwandels nehmen, für den Bruch mit der unglückseligen Ära Anshu Jains. Doch das erklärt nur einen Teil des personalpolitischen Gerangels.

Die elf Mitglieder des Vorstands sind im Durchschnitt noch keine zwei Jahre im Amt. Als Senior des Gremiums bringt es Risiko-Chef Stuart Lewis auf vier Jahre und sieben Monate Dienstzeit. Ein gutes Viertel der Vorstandsmitglieder ist erst seit wenigen Monaten dabei. Und alle, aber auch alle neuen Vorstände brachten in den letzten zwei Jahren in der Management-Ebene unter ihnen eigene Leute in die Schlüsselpositionen.

Früher mussten neue Vorstände mehr oder weniger mit dem vorhandenen Personal in ihrer Abteilung auskommen. Nur wenige Positionen wurden neu besetzt. Wenn es einmal gar nicht anders ging, rotierten Manager zwischen verschiedenen Jobs im Haus. Externe Besetzungen für Spitzenämter waren die Ausnahme. Das alles änderte sich vor 15 Jahren grundsätzlich: Neu eingestellte Investmentbanker brachten über Nacht ganze Teams von ihrem alten Arbeitgeber mit und schworen ihre Seilschaften ganz auf sich selbst und nicht auf die Bank als Ganzes ein.

Es fehlt an Kontinuität und Nachhaltigkeit

Seitdem toben in der Deutschen Bank die Diadochenkämpfe. Daran hat sich auch unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden John Cryan nichts geändert. Jeder Wechsel in einem Vorstandsamt führt zu einer Kette von Personalentscheidungen im jeweiligen Bereich. Manche Abteilungen müssen sich völlig neu erfinden – und niemand weiß am Anfang noch, wie man eigentlich das Licht im Büro ausschaltet. Positiv kann man sagen: Dadurch kommt neue Luft in die Bank. Negativ aber fällt auf: Es fehlt mittlerweile in vielen Bereichen der Deutschen Bank an Kontinuität und Nachhaltigkeit. Die Folgen spüren nicht nur die einfachen Mitarbeiter und unteren Manager des Kreditinstituts in aller Welt, sondern vor allem auch die Kunden.

Der ganze Bereich Recht und Regulierung, zum dem auch Hazlewoods Abteilung gehört, kann als Musterbeispiel dafür gelten. Seit die Französin Sylvie Matherat dort als Vorstandsfrau arbeitet, bleibt kein Stein auf dem anderen. Renommierte und mit viel Trara zur Deutschen Bank geholte Experten wie Daniela Weber-Rey oder Nadine Faruque nahmen nach ihrem Amtsantritt ihren Hut. So notwendig der Wandel gerade in Sachen Compliance und Geldwäschebekämpfung bei der Deutschen Bank nach der Prozesslawine und den Milliardenstrafen der letzten Jahre auch sein mag: Man fragt sich mittlerweile schon, ob im Endeffekt wirklich bessere Leute in die Frankfurter Bankentürme einziehen oder vielleicht einfach nur willigere Gefolgsleute der jeweiligen Vorstände.


Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


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