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Das wahre Risiko für deutsche Anleger

, Timo Pache

Nicht allein die lockere Geldpolitik der Notenbanken gefährdet das Vermögen der Deutschen. Das schaffen Anleger schon selbst, zum Beispiel durch leichtsinnige Investitionen ins angeblich so sichere Betongold. Von Timo Pache

Hausbau © plainpicture
Die eigenen vier Wände haben den Ruf einer sicheren Anlage

Das Verhältnis der Deutschen zum Geld hat etwas Tragisches. Wie sie ihre Ersparnisse auch anlegen, irgendwie machen sie es immer falsch. Vor 20 Jahren glaubten alle auf einmal an Aktien und waren plötzlich irre reich. Bis 2001 die Kurse fielen. Seither fassen die Deutschen Aktien nicht mehr an.

Und nun also Immobilien. Ausgerechnet die Bundesbank warnt vor dem Kauf überteuerter Wohnungen in deutschen Großstädten wie Berlin, München, Hamburg oder Düsseldorf. Um bis zu 25 Prozent hätten die Immobilienpreise hier in den vergangenen drei Jahren angezogen, ein Anstieg, der sich"fundamental nur noch schwer rechtfertigen" lasse, schreiben die Bundesbank-Ökonomen in ihrem jüngsten Monatsbericht. Fundamental bedeutet hier, dass die Wachstumsaussichten für Deutschlands Wirtschaft und Bevölkerung in den kommenden 20 oder 30 Jahren eher verhalten sind. Irgendwann werden für all die schicken teuren Wohnungen in Düsseldorf und München die Käufer ausgehen.

Zwar haben die Notenbanker auch eine gute Nachricht. Anders als in den USA oder in Spanien sind die Immobilienkäufe hierzulande nicht kreditgetrieben. Es gibt (noch) keine Kreditblase, die zum Zusammenbruch von Banken führen könnte, sollten die Preise irgendwann wieder fallen, Eigentümer ihre Darlehen nicht mehr bezahlen und die Banken reihenweise auf faulen Sicherheiten sitzen.

Deutliche Warnung der Bundesbank

© Trevor Good
Timo Pache

Dafür ist die Botschaft für die Eigentümer beunruhigender. Denn die bezahlen ihre neuen Wohnungen meist mit ihrem eigenen Geld, ihrem lange angesparten Vermögen. Viele schichten ihre Anlagen sogar um aus klassischen Staatsanleihen, die keine Zinsen mehr abwerfen, in "Betongold". Weil das angeblich so sicher ist und im Preis immer steigt - zumindest ein bisschen. "Die Auffassung, dass sich durch Immobilieneigentum der Wert des Vermögens am besten sichern lasse, war für viele Haushalte sicherlich ein Argument, den Immobilienerwerb in Erwägung zu ziehen", heißt es im Monatsbericht.

Doch genau hinter diese Behauptung jedes Maklers setzen die Ökonomen nun ein großes Fragezeichen. Ihre Warnung ist deutlich: Wer aktuell in deutschen Großstädten eine Wohnung kauft, geht inzwischen ein beträchtliches Risiko ein, in einigen Jahren nicht mehr das Geld wieder zu sehen, das er heute dafür bezahlen muss. Immobilienkäufern drohe in deutschen Metropolen ein "empfindlicher Vermögensverlust".

Es gibt keine sichere Flucht aus den niedrigen Zinsen und der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken - das ist die eigentliche Botschaft der Bundesbank. Wer aus Angst vor Inflation sein Geld in Immobilien steckt, handelt heute nicht mehr vorsichtig, sondern leichtsinnig. Und dass diese Warnung ausgerechnet vom größten verbliebenen Kritiker der lockeren Geldpolitik kommt, macht sie nur noch glaubwürdiger.

Mehr zum Thema: Deutsche sparen sich Altersvorsorge


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