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Gemischte Bilanz der Dax-Konzerne

, Bernd Ziesemer

Viele Dax-30-Konzerne sind 2016 nicht richtig vorangekommen. Die Probleme ziehen sich länger hin als erwartet. Von Bernd Ziesemer

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


Vor einem Jahr habe ich mich in dieser Kolumne mit den Herausforderungen für einige große deutsche Unternehmen beschäftigt. Zeit für eine Bilanz: Wie sind die Konzerne in den letzten zwölf Monaten vorangekommen? Die Antwort darauf fällt sehr gemischt aus.

Die Deutsche Bank wollte 2016 endlich ihre zahlreichen Prozessrisiken in den Griff bekommen. Doch die Verhandlungen mit den zuständigen Behörden ziehen und ziehen sich. Vorstandschef John Cryan muss sich 2017 weiter um das Thema kümmern. Immerhin hat sich sein Aktienkurs, der ins Bodenlose gefallen war, inzwischen gefangen. Ähnlich bei VW: Auch dort arbeiten nach wie vor Hunderte von teuren Juristen an der Aufklärung des Skandals um manipulierte Dieselmotoren. Die Öffentlichkeit wartet immer noch auf den mehrfach angekündigten und doch immer wieder verschobenen Abschlussbericht. Und auch die Umrüstung der betroffenen Fahrzeuge dauert mindestens noch das ganze nächste Jahr.

Für einige andere Konzerne war 2016 strategisch gesehen ebenfalls ein verlorenes Jahr. Das gilt beispielsweise für die Lufthansa, wo Vorstandschef Carsten Spohr nach wie vor um ein funktionierendes Konzept für seine Billigmarke Eurowings ringt. Schon vor einem Jahr schrieben wir, Spohr habe sich mit den Gewerkschaften völlig verkämpft und taumele von einem Streik in den nächsten. Auch das geht, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, 2017 so weiter.

RWE steht besser da als Eon

Ein schlimmes Jahr hat auch der größte deutsche Chemiekonzern BASF hinter sich. Neue Weichenstellungen für das schwierige Asiengeschäft? Fehlanzeige. Ein Rezept gegen die starke Abhängigkeit vom Erdölpreis? Nicht vorhanden. Zwölf lange Monate zeigte sich das Management des Konzerns nicht in der Lage, die größte Einzelinvestition aller Zeiten – die TDI-Anlage im Stammwerk Ludwigshafen – endlich ins Laufen zu bringen. Zahlreiche kleinere Unfälle und ein größerer Unfall auf dem Werksgelände kosteten dem Konzern viel Vertrauen.

Nicht viel vorangekommen sind 2016 auch die beiden angeschlagenen Energieriesen Eon und RWE. Beide müssen nach ihrer Aufspaltung erst noch zeigen, dass ihre neuen Geschäftsmodelle nachhaltig Wert schaffen. Immerhin kann man bei RWE sagen: Strategisch steht der kleinere der beiden großen Energiekonzerne jetzt besser da als sein größerer Konkurrent. Eon zeigt sich umgekehrt durch zahllose Abschreibungen und finanzielle Lasten deutlich geschwächt. Für Vorstandschef Johannes Teyssen gilt: Entweder liefert er 2017 endlich – oder die Aufsichtsräte des Konzerns sollten sich nach einem Nachfolger umschauen.

Siemens und Bayer sind die Gewinner

Also alles in allem eine schwache Bilanz für die Dax-30-Konzerne? Keineswegs. Einige Unternehmen, die wir vor einem Jahr noch als Wackelkandidaten sahen, entwickelten sich unter dem Strich sehr gut. Das gilt zum Beispiel für Siemens, wo 2016 Umsätze und Gewinne einen Sprung nach vorn machten.

Auch Bayer geht unter seinem neuen Chef Werner Baumann bisher einen guten Weg: Die Übernahmeschlacht um Monsanto lief bisher fehlerlos, das Stammgeschäft von Bayer entwickelt sich gleichzeitig solide weiter und die abgespaltene Tochter Covestro macht sich nicht schlecht. Wenn es Baumann 2017 gelingt, auch noch mit den Kartellbehörden in Europa und den USA zu guten Deals zu kommen, kann man Bayer jetzt schon als großen Gewinner des nächsten Jahres ausrufen. Wiedervorlage meiner Prognose in zwölf Monaten an dieser Stelle.

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