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Ahnungsloser EZB-Rat

, Melvyn Krauss

Der Euro ist der sichere Hafen nervöser Investoren. Solange die Notenbanker das nicht verstehen, ist Europas Wirtschaft ein Spielball verrückter Rohstoffmärkte. Von Melvyn Krauss

EZB-Rat © ECB / Flickr.com
Der EZB-Rat tagt

Melvyn Krauss ist emeretierter Professor für Volkswirtschaft an der  New York UniversityMelvyn Krauss ist emeritierter Professor für Volkswirtschaft an der New York University. Er schreibt für Capital in unregelmäßigen Abständen über Geldpolitik und die EZB


Der Euro ist zu einem Fieberthermometer für die Sorgen auf den weltweiten Finanzmärkten geworden. Für den Versuch Europas, das Wachstum anzukurbeln und gleichzeitig Inflation zu verhindern, ist das fatal.

Wenn an den Märkten die Furcht umgeht und die Risikobereitschaft der Investoren sinkt, wird der Euro stärker nachgefragt. Lässt die Angst hingegen nach, nimmt auch das Interesse am Euro ab. Das wirkt sich entscheidend auf die Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) aus.

Am Fall China lässt sich das deutlich zeigen. Angesichts der Schwäche der chinesischen Wirtschaft ist die Risikobereitschaft auf den globalen Finanzmärkten gering. Der Euro bleibt deshalb hoch im Kurs. Für eine wirtschaftliche Erholung in der Eurozone aber wäre ein schwächerer Eurokurs wichtig.

Starker Euro, schwache Wirtschaft

Für diesen Währungseffekt gibt es einen einfachen Grund: Spekulative Geschäfte, wie sie zum Beispiel beim Erdöl vorkommen, werden oft auf Kredit in Euro abgewickelt. Soll das Risiko im Portfolio wie jetzt verringert werden, müssen die entsprechenden Positionen auch wieder in Euro umgewandelt werden, damit der Kredit zurückgezahlt werden kann. Das Ergebnis: Der Euro steigt, obwohl die Wirtschaft in der Eurozone weiter schwächelt.

Es wäre ziemlich einfach, dieses Problem zu beheben. Die EZB müsste nur den Leitzins noch einmal deutlich senken, von jetzt minus 0,3 Prozent etwa auf minus 0,4 oder minus 0,45 Prozent. Das würde reichen, um den Auftrieb des Euro zu bremsen.

Ahnungsloser EZB-Rat

Dafür aber müssten die Mitglieder des EZB-Rats, also des obersten Gremiums der Europäischen Zentralbank, verstehen, was es für den Außenwert der Währung bedeutet, dass der Euro mittlerweile eine zentrale Rolle bei der Finanzierung spekulativer Anlagen spielt. Und sie müssten etwas unternehmen, um die daraus folgenden Konsequenzen einzudämmen. Das wichtigste Führungsgremium der Notenbank aber hat das Problem offenkundig nicht durchschaut und trifft daher laufend falsche Entscheidungen.

So reicht der monetäre Impuls der EZB für die Eurozone bei weitem nicht aus, um die Wechselkurseffekte der zunehmenden Risikoabneigung auf den Finanzmärkten auszugleichen. Die EZB-Sitzung im vergangenen Dezember machte dies mehr als deutlich. Das dürftige und enttäuschende Programm, das die Bank zur Stimulierung der Eurozone verabschiedete, stieß an den Devisenmärkten auf breite Ablehnung. Die EZB-Führung hatte die Lage völlig falsch eingeschätzt.

Hinzu kam, dass die Bank sich auch in anderer Hinsicht verrannt hatte - mit Blick auf die erwartete Zinsabhebung der US-Zentralbank. Die EZB-Führung glaubte, der Euro werde schon nachgeben, wenn die Fed den Leitzins anhebt. Ein stärkeres Wachstumsprogramm hätte sich damit erübrigt, so dachte man, da die Amerikaner diese Aufgabe übernehmen würden.

Der Euro als Belastung für die Wirtschaft

Doch es geschah etwas ganz anderes. Der Zinsanhebung der Fed hatte einen stärkeren und nicht einen schwächeren Euro zur Folge. Der Grund war, dass die Märkte sich noch risikoscheuer zeigten, weil in der allgemeinen Wahrnehmung nun die ohnehin schwächelnden Schwellenländer erst recht unter Druck geraten werden und damit eine Phase weltweiter Stagnation droht.

Ganz ähnlich war der Effekt nach der Veröffentlichung der überraschend guten Zahlen vom US-Arbeitsmarkt im Januar. In diesem Fall gab der Euro nur kurz nach. Der Effekt wurde aber aber schnell durch schlechte Daten aus China wieder zunichte gemacht.

Das Problem für Europa ist klar. Solange die Risikobereitschaft auf den globalen Finanzmärkten gering ist, bleibt auch der Euro eine Belastung für die Wirtschaft in der Eurozone. Sein Kurs ist dann einfach zu hoch, als dass es einen Schub für die heimischen Unternehmen geben könnte.

Der EZB-Rat hat die Wahl: Entweder er berücksichtigt in seiner Geldpolitik die Rolle, die der Euro bei der Finanzierung spekulativer Anlagen spielt – oder er liefert die europäische Wirtschaft einfach den dramatischen Stimmungsschwankungen auf den Finanzmärkten aus. Für die EZB-Sitzung am 21. Januar bedeutet das: Eine besonnene Politik erfordert einen stärkeren Impuls durch die Geldpolitik.

Foto: ECB /Flickr.com (CC BY-NC-ND 2.0)


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