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  • Gastkommentar

Afrikas Fluch und Segen

, Helmut Reisen

Die Wachstumsaussichten für Afrika sind gut - trotz aller Krisen in Teilen des Kontinents. Allerdings muss der Rohstoffreichtum auch für Jobs, Steuereinnahmen und Investitionen genutzt werden.

© imago/Gallo Images
Arbeiter im Nissan-Werk in Südafrika

Der African Economic Outlook (AEO) gibt einen optimistischen Ausblick für Afrikas Wirtschaft. Im Gegensatz zur weitverbreiteten These des Ressourcenfluchs werden im AEO gerade die Rohstoffsektoren Landwirtschaft, Bergbau und Energie als Hoffnungsfaktoren für Wachstum und Entwicklung des Kontinents angeführt.

Der AEO, der jährlich von OECD Development Centre, der Afrikanischen Entwicklungsbank und zwei Uno-Organisationen erstellt wird, prognostiziert für Afrika ein inflationsbereinigtes Wachstum von 4,8 Prozent für 2013, das sich 2014 auf 5,3 Prozent beschleunigen wird. Diese Wachstumsraten liegen knapp über dem für 2012 gemessenen Wert von 4,2 Prozent. Damit ist Afrika neben Asien ein Wachstumspol in einer von Krisen gezeichneten Weltwirtschaft geblieben, wenngleich insbesondere der Norden und auch der Süden des Kontinents von politischen Umwälzungen und Protesten erschüttert werden.

Die Prognose sollte nicht wortwörtlich genommen werden angesichts der Beteiligung von vier internationalen Organisationen.  Der Zwang zum Optimismus ist bei ihnen tief verwurzelt. Wachstum alleine hat ohnehin nur ungenügend zur Reduktion der verbreiteten Armut und Unterbeschäftigung beigetragen. Vielfach hat sich die Ungleichheit erhöht, in einigen Staaten hat sich sogar das Gesundheits- und Ausbildungsniveau verschlechtert.

Die Autoren des AEO 2013 fordern deshalb, das Tempo der wirtschaftlichen Modernisierung zu beschleunigen und sicherzustellen, dass breitere Bevölkerungskreise vom Aufschwung profitieren als bislang. Sie orten die natürlichen Ressourcen des Kontinents als potenzielle, bislang nicht ausgeschöpfte Quelle für neue Jobs, höhere Steuereinnahmen und Investitionen. Vier Voraussetzungen müssen dafür laut AEO erfüllt werden:

  • Auf der Angebotsseite sind bessere Transportwege, adäquate Ausbildungsinhalte und höhere Wettbewerbsintensität erforderlich. Damit soll der Marktzugang für bislang ausgeschlossene Akteure, etwa in der Landwirtschaft, die innerafrikanische Integration und die Ausfuhr nach China, Brasilien und andere wichtige Schwellenländer erleichtert werden.
  • Zweitens verlangen die Rohstoffsektoren nach besserer Bodenbewirtschaftung und  Bodenordnung, ausgewogenen und effizienten Steuersystemen und Anreizen für größere Streuung und Verarbeitungstiefe. Produktivitätssteigerungen in der afrikanischen Landwirtschaft  sind nur bei mehr Düngung, neuen Saaten und geringeren Transportkosten denkbar.
  • Drittens sollte das Ausbildungsangebot besser auf aktuelle und potenzielle Jobs im Rohstoffsektor ausgerichtet sein als bisher, um die Erträge aus natürlichen Ressourcen und  dem Bergbau breiter auf die Bevölkerung zu verteilen.
  • Schließlich empfiehlt der AEO eine aktive Wirtschafts- und Industriepolitik, indem Entwicklungskorridore und Cluster entlang der Energie-, Transport und Kommunikationsstränge gefördert werden.

Nach zehn Jahren verbesserter Makrostabilität,  gesünderen Staatsfinanzen  und blühendem Außenhandel hat das höhere Wachstum die afrikanischen Regierungen mit mehr Autonomie ausgestattet, die eigenen Entwicklungspfade zu bestimmen und diese aktiv zu gestalten. Diese nicht zuletzt durch China und andere Schwellenländer neugewonnene Politikautonomie kann in der Tat den Optimismus des AEO 2013 rechtfertigen, auch wenn sich oft dunklere Schlagzeilen zu Afrika in den Vordergrund drängen. 

Helmut Reisen ist Experte für Schwellenländer, Entwicklungsfinanzierung und Währungspolitik. Er war Forschungsdirektor des OECD-Entwicklungszentrums und ist Titularprofessor an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel und Associate Fellow beim Deutschen Institut für Entwicklungspolitik.

Foto: © imago/Gallo Images


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