Das größte Problem sind wieder mal die Nachbarn. "Das ist doch bloß ein Hausbesetzer", pestet Leigh Lowrie in die Fernsehkameras. Die Äuglein zornig, die Lippen zu einem missgünstigen Lächeln verzogen: Ganz klar, der Neue da drüben, der gehört hier nicht hin. Als bessere Gegend gilt der Waterfront Drive in der Gemeinde Flower Mound bei Dallas. Gut 250.000 Dollar zahlt man hier für ein Häuschen, viele Anwohner ächzen unter ihren Hypotheken. Nur nicht Kenneth Robinson in Hausnummer 2205. Er kam mit 16 Dollar aus.
Seit Mitte Juni lebt Robinson bereits in dem Anwesen mit üppigem Garten. 330.000 Dollar hätte er wohl aufbringen müssen, um das Haus auf normalem Wege zu erwerben. Der bullige Mann mit der Glatze will aber ein Schlupfloch in der Gesetzgebung entdeckt haben, das ihm den Schnäppchenpreis ermöglichte.
"Adverse Possession" heißt die Regelung, die im 19. Jahrhundert eingeführt wurde, um verlassene Häuser in Texas vor dem Verfall zu schützen. Wer ein unbewohntes Gebäude für sich in Beschlag nimmt, muss danach lediglich ein offizielles Schriftstück einreichen und sich verpflichten, das Haus für eine bestimmte Zeit in Schuss zu halten. Danach kann der neue Bewohner die Eigentumsrechte beantragen.
Für 16 Dollar Bearbeitungsgebühr hat Robinson ein Formular beim Gericht von Devon County eingereicht und darf nun legal in dem Haus wohnen - davon ist er jedenfalls überzeugt. Sollte er recht behalten, es wäre ein spektakuläres Schnäppchen - und wohl nicht das letzte Mal, dass ein obskures Gesetz aus Zeiten von Wyatt Earp in Texas zur Anwendung kommt.
"Das ist kein ganz üblicher Vorgang", gibt Kenneth Robinson im Lokalsender KHOU zu, "aber es ist auch keine unbekannte Sache. Es weiß halt nur nicht jeder davon."









