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24.11.2011
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Foto: ddp

Verzweifelte Nachwuchssuche

Banken jagen Akademiker

von Michael Iwa

Den klassischen Weg vom Schalter in die Chefetage beschreiten nur noch wenige. Schneller geht es direkt von der Hochschule. Der Fach- und Führungskräftemangel der Geldhäuser eröffnet Möglichkeiten.

Patric Gerhardt hatte sein Ziel schon lange vor Augen. "Schon in der achten Klasse war mir klar, dass ich zur Bank will", sagt der 30-Jährige. Inzwischen ist er dort angekommen, wo er hin wollte: Junior Spezialist Treasury Analyse steht auf seiner Visitenkarte der Postbank. Der Weg bis dahin war lang: Abitur, Banklehre, Bankkaufmann, das sind die ersten Stationen. Doch schon während seiner Ausbildung merkt er, dass ihm das nicht genügt: "Ich wollte mein Wissen verbreitern und mich für die Zukunft absichern." Deshalb entschließt er sich für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen - neben dem Beruf. "Ich wollte meine gute Anstellung nicht riskieren", sagt Gerhardt.

Früher waren solche Karrierepfade typisch. In Zukunft aber werden Banker, die hinter dem Schalter angefangen haben, rar: Akademisierung heißt der große Trend. "Der klassische Weg über eine Lehre ist nicht mehr Erfolg versprechend für einen Aufstieg", erklärt Thorsten Knobbe von der Karriereberatung TK Leaderspoint, die auf Banken und Versicherungen spezialisiert ist. "Ein Hochschulabschluss ist heute Pflicht." Imageverluste der Geldhäuser durch die Finanzkrise trieben diese Entwicklung an, sagt Knobbe: "Akademische Titel suggerieren Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit."

Grundsätzlich sind die Einstiegschancen in der Branche gut. "Die Anzahl offener Stellen bei Banken ist dieses Jahr zum ersten Mal wieder auf Vorkrisenniveau gestiegen", sagt Dirk Rudolph, der diesen Arbeitsmarkt bei der Frankfurt School of Finance and Management regelmäßig untersucht. Dass sich der erfreuliche Jobtrend fortsetzen wird, zeigt die Studie "Jobtrends 2011" des Staufenbiel-Instituts: Danach wird der Bedarf an Wirtschaftsabsolventen bei Banken und Versicherungen deutlich stärker steigen als in anderen Branchen. Jobs locken jedoch nicht überall gleichermaßen. Daniela Schmidt, Inhaberin der Personalberatung DS Connection, beobachtet, dass große Institute vereinzelt durch Stellenabbau Schlagzeilen machen. "Regionalbanken dagegen bauen qualifiziertes Personal auf."

Gesucht sind nicht allein Absolventen von Wirtschaftsstudiengängen. Wenn etwa Dorothee Pfeuffer, Leiterin Personalmarketing bei der Commerzbank, nach Produktentwicklern und Risikoanalysten sucht, lautet ihre Präferenz: "Mathe ist cool, Physik ist cool." Aber auch für Absolventen aller anderer Fachrichtungen ist ihr Haus offen.

Talentsuche im Hörsaal

Diese Aussage gilt branchenweit: Geisteswissenschaftler, Informatiker und Naturwissenschaftler sind heute in der Finanzwelt gefragt, weil es nicht mehr reicht, Bankprodukte zu verkaufen und interne Zahlen wälzen zu können. Die Unternehmen müssen sich heute auch mit so diversen Themen wie Hackerangriffen, erneuerbaren Energien oder mobilem Internet befassen. Das erfordert den Einsatz von Fachwissen auf breiter Front: "Es ist immer wichtig, neue Produkte, Innovationen oder Sachverhalte zu verstehen", beschreibt Ulrich Nießen, Personalvorstand der Axa, die Aufgabe, "wir versuchen, Entwicklungen bereits frühzeitig zu erkennen und vorwegzunehmen."

Um diesen Bedarf zu kommunizieren, haben die Unternehmen ihre Rekrutierungsstrategie geändert: Ersten Kontakt zu den Jobkandidaten nehmen sie heute schon während des Studiums auf. "Wir pflegen sehr enge Verbindungen zu 37 Zielhochschulen", sagt beispielsweise Commerzbank-Personalerin Pfeuffer. Sie geht an die Hochschulen, um ihre Bank als Arbeitgeber vorzustellen. Auch Praxisprojekte führen die Studenten ins Unternehmen ein.

Enge Verbindungen zur Hochschule sind inzwischen Standard in der Rekrutierung. Neben der Deutschen Bank, Allianz oder Axa ist auch die HypoVereinsbank an der Alma Mater aktiv. "Klassische Stellenausschreibungen über die Massenmedien wirken immer seltener", begründet Max Lehmann, Leiter Talent Center des bayerischen Instituts, den neuen Weg in den Arbeitsmarkt. Der Weg seines Unternehmens: "Wir haben Hochschulen identifiziert, die eine hohe Talentdichte aufweisen." Mit diesen wurden Kooperationen begonnen oder intensiviert.


Was die Leser sagen

nuetzi
04.12.2011 | 18:09
Banken jagen...........

So etwas habe ich selber einmal erlebt !
Nicht bei einer Bank aber das ist ja egal.
Es geht doch um " junge Akademiker direkt von der Schule ".
Eine Katastrophe für mich und auch für die Firma.Diese Leute fungieren, ohne Praxiserfahrung,als Vorgesetzte und führen sich dem entsprechend auf.Da gibt es nur eines : So richtig auflaufen lassen......... und weg sind sie.

(Kommentare 1-1 von 1)

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