Schlagfertigkeit ist nichts anderes als sehr hohe Flexibilität im Denken - und damit auch beim Sprechen, ist Martina Cyriax, Rhetoriktrainerin und Psycholinguistin aus Hamburg überzeugt. "Voraussetzung ist die Fähigkeit zu assoziieren. Wenn die Gedanken wirbeln und sich miteinander verknüpfen und man das Gemisch dann auch noch schnell in Sprache umsetzen kann, das nennt man Schlagfertigkeit."
Üblicherweise erfolgt das Denken jedoch meist in Satz- oder Eindrucksfetzen, manchmal geradezu außersprachlich. Das heißt, die Schwierigkeit besteht darin, den oft wenig durchdachten gedanklichen Impuls in klare, prägnante Sprache umzusetzen. Nur wenige haben diese Gabe von Natur aus - aber das kann man üben, ist die Trainerin überzeugt.
Was würde ich wem sagen?
Gar nicht so abwegig ist nach Meinung von Cyriax, schon vorher Gedankenspiele anzustellen: Wenn ich den Kollegen Meier treffe und der wieder einen Spruch loslässt, wie könnte ich reagieren? "Denn wichtig ist, überhaupt erst einmal zu reagieren - egal in welcher Form. Es kann durchaus helfen, eine Spöttelei zunächst mit lautem Lachen zu beantworten. Oder auf eine ironische Kritik die Augenbrauen hochzuziehen und hörbar auszuatmen, um deutlich zu machen: Ganz so sehe ich das nicht.' Dieser Moment gibt zudem Zeit zu überlegen, was könnte ich erwidern. Aber vor allem: Dass ich reagiere, zeigt, ich kann mit der Situation umgehen. Wer nichts tut, wirkt allenfalls stoffelig."
In ihren Seminaren geht Cyriax durchaus häufig wiederkehrende Situationen mit den Teilnehmern durch. Ihre Strategie dabei: analysieren der Szene, die Botschaften des Gesprächspartners abwehren, problemorientiertes Auflösen der Situation, Humor und Ironie dabei nicht vergessen. "Ich sehe Schlagfertigkeit eher als Fähigkeit zu kontern, als Replikfähigkeit. Natürlich wollen alle witzig sein, aber nur wenige haben das Humorgen wirklich intus. Alle anderen müssen sich das erarbeiten. Viel einfacher kann man lernen, mit ein bisschen Drive zu kontern."
Der Spiegel als Trainingspartner
Ein einfacher Tipp: Mehr reden - und zwar laut. Vor dem Spiegel, vor Freunden, vor dem Partner kann man viele Bemerkungen, die man so gerne mal den ewig krittelnden Kollegen mitgeben würde, testen. Gerade das Lautsprachliche hilft. Denn: Nichts ist peinlicher, als eine Replik, die man verhaspelt, vernuschelt oder vor lauter Aufregung drei Mal ansetzen muss.
Zurückhaltende Menschen gelten in der Regel nicht als besonders schlagfertig - eben weil sie wenig sagen, verweist Cyriax auf Alltagserfahrungen. Hier komme möglicherweise die Ungeübtheit beim Umsetzen der eigenen Gedanken in klare, prägnante Sätze zum Ausdruck.
Was steckt dahinter?
Hintergrund für den Wunsch nach mehr Schlagfertigkeit ist häufig, dass man sich über Kommentare anderer ärgert und diese nicht so witzig nimmt, wie der Gesprächspartner. Die Bemerkung wird so als Angriff, als kränkender Vorwurf begriffen. Dann gilt es zu analysieren, was ist das für eine Aussage? Ist es eine unterschwellige Belehrung, eine Provokation, eine Killerphrase oder gar eine Beleidigung?
"Diese Kommunikationssünden' muss man erkennen - und herausfinden: Warum nervt mich das so? Erinnert der Spruch mich an etwas anderes? Gibt es da einen schwelenden Konflikt, den ich nicht wahrhaben will? Hat man den Grund erkannt, kann man an der Einstellung dazu arbeiten. Das hilft, in solchen Situationen lockerer zu bleiben und eine passende Antwort zu finden." Interessant dabei sei, dass man häufig nur bei einer bestimmten Person den Wunsch habe, schlagfertiger zu sein, verweist die Linguistin auf den psychologischen Hintergrund.










