06.08.2010
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Im Vergleich zu den USA ist es für deutsche Reiche finanziell deutlich unattraktiver, im großen Stil zu spenden
Im Vergleich zu den USA ist es für deutsche Reiche finanziell deutlich unattraktiver, im großen Stil zu spenden
Foto: Fotolia

Nach US-Spendeninitiative

Deutsche Superreiche behalten ihre Milliarden

von Elke Spanner, Jörn Petring

Unternehmer mit Hunderten Millionen auf dem Konto lässt der Vorstoß von 40 US-Milliardären kalt, den Löwenanteil ihres Vermögens zu spenden. Allerdings stecken hierzulande viele ihr Geld in Stiftungen. Und: Großzügige Spenden werden von der Gesetzeslage erschwert.

Eine milliardenschwere Spenderallianz wie die amerikanische The Giving Pledge wird es in Deutschland voraussichtlich nicht geben. Hiesige Superreiche wollten sich dazu entweder überhaupt nicht äußern oder reagierten zumeist zurückhaltend auf das Versprechen von 40 US-Milliardären, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden.

Es existiere doch eine lange Tradition vieler europäischer Familienunternehmen, einen Teil des Geldes zu spenden, hieß es etwa beim Otto-Konzern. Insofern gebe es bereits eine Ähnlichkeit zu der US-Aktion. Der Unternehmer Klaus-Michael Kühne hatte bereits früher erklärt, sein Vermögen zu mehr als 90 Prozent der gemeinnützigen Kühne-Stiftung zu vermachen. Damit erfülle er "eine wesentlich höhere Quote, als diejenigen, die sich derzeit rühmen, auf die Hälfte ihres Vermögens zu verzichten", so ein Sprecher. "Ich finde es toll, dass viele Amerikaner große Teile ihres Vermögens spenden wollen", sagte dagegen SAP-Gründer Dietmar Hopp.

Experten halten die Rahmenbedingungen in den USA für nicht vergleichbar mit anderen Ländern. "In Deutschland würde so eine Initiative wohl nicht funktionieren", sagte Georg von Schnurbein, Leiter des Zentrums für Philanthropie und Stiftungswesen an der Uni Basel. Wer in den USA seinen Reichtum zur Schau stelle und davon etwas abgebe, sei gesellschaftlich angesehen, so Jens Uwe Böttcher von der Uni Bremen. In Deutschland sei das Gegenteil der Fall: "Wenn gespendet oder gestiftet wird, dann passiert das oft im Verborgenen." Grund sei der ausgeprägte Sozialneid. SAP-Mitgründer Hopp sieht es genauso: "Bei uns beginnt dann immer schnell eine Neiddebatte."

Zwar spielen kulturelle Unterschiede eine wichtige Rolle. Doch im Vergleich zu den USA ist es für deutsche Reiche auch finanziell deutlich unattraktiver, im großen Stil zu spenden. "Der Staat gibt einem nie mehr durch eine Steuerersparnis zurück, als man selbst gespendet hat", sagte Claus Lemaitre, Geschäftsführer der Fidia Steuerberatungsgesellschaft.

In Deutschland wie in den USA werden Spenden nur vom Einkommen abgezogen, auf das wiederum Steuern gezahlt werden muss. Man erwirbt also einen Steuervorteil - der Betrag, der zuvor verschenkt worden ist, ist aber weg. Wegen großzügiger Grenzen bei der Absetzbarkeit lohnt es sich für Spitzenverdiener in den USA indes deutlich mehr, Geld oder Unternehmensanteile zu verschenken. In Deutschland kann man dem Fiskus zwar die komplette Spende melden. Angerechnet werden können die aber maximal bis zu einer Höhe von 20 Prozent des Jahreseinkommens oder vier Promille des Jahresumsatzes eines Unternehmens. Anders in den USA: Da darf zwar nur die Hälfte der Spende geltend gemacht werden - sie kann aber bis zur Hälfte des gesamten Einkommens ausmachen. "Vor allem wenn es um Millionenbeträge geht, sind die USA attraktiver", sagt Stephan Strothenke, Experte für internationales Steuerrecht bei HLB Stückmann.

Hinzu kommt: Viele Firmengründer in den USA haben ihre Unternehmen in Aktiengesellschaften verwandelt. Steigen sie aus dem Unternehmen aus, müssen die Anteile irgendwo angelegt werden. In Deutschland lassen gerade die reichen Gründer ihr Kapital in der Firma, die oft als GmbH geführt wird. "Die großen Vermögen liegen hierzulande in den Unternehmen", so ein Insider. Wolle ein Firmengründer die Hälfte seines Vermögens spenden, bedeute das im Extremfall, dass er sein Unternehmen zerschlagen müsse.

Gefunden bei
www.ftd.de

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