22.06.2010
Der Wohlstand in Ländern wie China und Indien wächst deutlich schneller als erwartet.
Der Wohlstand in Ländern wie China und Indien wächst deutlich schneller als erwartet.
Foto: Fotolia

Millionäre in Boomregion

Asiaten übertrumpfen Europäer

von Speicher-Utsch Sarah

Reiche in Asien sind erstmals vermögender als ihre Kollegen in Europa. Bei der Anzahl der Millionäre rückten die Asiaten ebenfalls an Europa heran. Ob dieser Trend weiter geht, hängt jedoch von den Aktienmärkten ab.

Asiatische Millionäre haben zum ersten Mal mehr Geld als Reiche in Europa. Ein Vermögen von 9,7 Bill. Dollar hielten Millionäre aus der Region Asien-Pazifik Ende 2009. In Europa waren es nur 9,5 Bill. Dollar, ergab die jährliche Umfrage von Merrill Lynch und Capgemini unter Reichen, deren liquides Vermögen mehr als 1 Millionen Dollar beträgt. Bei der Anzahl der Millionäre schlossen die Asiaten mit insgesamt 3 Millionen erstmals zu den Europäern auf.

Damit wächst der Wohlstand in Ländern wie China und Indien deutlich schneller als erwartet. Auch an Nordamerika, wo nach wie vor die meisten Reichen mit dem höchsten Vermögen leben, rückt Asien mittlerweile nahe heran. Der "World Wealth Report" war letztes Jahr davon ausgegangen, dass die Asiaten die Nordamerikaner erst 2013 überholen werde. Das könnte nun schon früher passieren - wenn die Region weiter so schnell wächst wie im vergangenen Jahr.

Das Potenzial haben auch schon Privatbanken erkannt. Der Schweizer Vermögensverwalter Julius Bär etwa hat nach eigenen Angaben in nur fünf Jahren rund 20 Milliarden Franken an asiatischen Geldern eingesammelt.

Doch ob die Reichen Asiens noch reicher werden, hängt entscheidend von der Entwicklung der Aktienmärkte ab. Denn Asien ist viel stärker als andere Kontinente davon abhängig. "Die Marktkapitalisierung in dieser Region liegt ungefähr elf mal so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt", begründet Klaus-Georg Meyer von Capgemini dies. In anderen Regionen betrage der Börsenwert von notierten Unternehmen im Schnitt lediglich 0,8 Prozent des BIP.

Laut der Studie haben etwa die Aktienmärkte in Hong Kong 2009 rund 74 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: In Deutschland, wo sich der Zahl der Millionäre um 6,5 Prozent auf 861.500 erhöht hat, kam der Leitindex Dax nur auf ein Plus von knapp 23 Prozent.

Auch wenn die Asiaten - angeführt von den Chinesen und Indern - rasant aufholen: Wie auch schon 2008 kommen immer noch mehr als die Hälfte aller Millionäre aus den USA, Japan und Deutschland.

Asien pirscht aber nicht nur bei der Anzahl und dem Vermögen von Millionären vor. Auch als bevorzugte Anlageregion für Reiche wird der Kontinent immer beliebter. Capgemini und Merrill Lynch gehen davon aus, dass spätestens 2011 Vermögende dort mehr Geld anlegen werden als in Europa.

Keine Entwarnung für Banken und Vermögensverwalter

Denn: Die Reichen der Welt haben nicht nur den Vermögenseinbruch von rund einem Fünftel im Jahr 2008 mit einem Anstieg auf 39 Bill. Dollar wieder wett gemacht. Sie sind auch risikofreudiger geworden. Die Umfrage ergab, dass sie in 2011 rund 35 Prozent ihres Vermögens in Aktien anlegen wollen. Zum Vergleich: 2008 waren es nur 25 Prozent, ein Jahr später 29 Prozent.

Bei der Vermögensstruktur überrascht, dass die Millionäre 2008 und 2009 nur rund 30 Prozent ihres Vermögens in festverzinsliche Papiere investiert haben und das auch zunächst so bleiben soll. Damit steckt zwar deutlich mehr Geld in sicheren Anlagen als noch vor der Finanzmarktkrise. Aber der Aktienanteil wird den Anleihenteil 2011 wieder übersteigen. Immobilieninvestments haben indes in der Gunst der Reichen gelitten. Am konservativsten haben ihr Geld 2009 Japaner und Lateinamerikaner angelegt. In Nordamerika fanden sich hingegen die risikofreudigsten Reichen.

Auch wenn Millionäre insgesamt wieder gieriger geworden sind und ihren Vermögensverlust aus 2008 wett gemacht haben: Für die Vermögensverwalter und Banken bedeutet das keine Entwarnung. "Vermögende Kunden kümmern sich seit der Finanzmarktkrise mehr um ihr Geld und schauen sich auch die Gebühren näher an", sagte Meyer von Capgemini. Besonders das Risikomanagement sei in den Fokus dieser Kundschaft gerückt.

Während Banken also unter schrumpfenden Margen und kritischeren Kunden leiden, kann sich die Luxusgüterindustrie, die 2008 stark litt, wieder freuen: Die Reichen gaben im letzten Jahr wieder mehr Geld für Autos, Boote, Privatjets, Juwelen, teuren Wein und Antiquitäten aus - sogar mehr als vor der Krise im Jahr 2006.


Quelle: ftd.de
© 2010 capital.de

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