23.06.2010
 CAPITAL-SERIE Yes, she can!

25 Frauen und 1 Mann: Karrieretipps von Führungsfrauen, Interview mit Daniela Weber-Rey, eine neue Studie - brauchen wir die auch? Diskutieren Sie mit.


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BBDO-Chef Andrew Robertson mit Hubert-Burda-Managerin Stephanie Czerny (m.) und Schaupielerin Maria Furtwängler.
BBDO-Chef Andrew Robertson mit Hubert-Burda-Managerin Stephanie Czerny (m.) und Schaupielerin Maria Furtwängler.
Foto: Getty

Mentoren

Die Frauenversteher

von Katja Marjan

Jahrzehntelang mussten sich Frauen in der deutschen Wirtschaft Führungspositionen erkämpfen. Neuerdings stoßen sie immer öfter auf Männer, die sie bei ihrem Aufstieg aktiv unterstützen. Die Förderer haben verstanden: Mehr Frauen sind gut fürs Unternehmen.

Andrew Robertson ist ein Kerl wie aus dem Katalog. Stets braun gebrannt und gut gelaunt. Unter dem Maßhemd zeichnen sich dezent Bauchmuskeln ab. Ein Körper voller Adrenalin und Testosteron. Wie er da so steht, die Arme vor der Brust verschränkt, auf den Fußspitzen wippend und von giggelnden Frauen umringt, auf einer Konferenz in München vergangene Woche - das perfekte Klischee eines Machos.

Der Eindruck trügt. Der Chef der Werbeagentur BBDO hat eine Metamorphose zum Frauenversteher durchgemacht. Notgedrungen, denn die Medienkrise verlangte nach neuen Wegen. Seitdem beschäftigt sich der 49-Jährige mit dem, wie er selbst sagt, "komplexen Wesen des weiblichen Geschlechts". Seine Erkenntnisse klingen wie aus einem drittklassigen Paar-Ratgeber: "Männer steuern geradewegs auf ein Ziel los, Frauen gehen auf Erkundungstour", "Männer sind passiver, Frauen aktiver - sie ist kreativ, während er sich lieber berieseln lässt" oder "Männer leben gern in einer Fantasiewelt, Frauen lieber in der Realität".

Doch diese Beobachtungen sollten Unternehmen dazu bringen zu handeln, und zwar rasch: "Frauen blicken anders auf die Welt", sagt Robertson, "wenn wir sie als Kundin erreichen wollen, müssen wir sie in den Entscheidungsprozess einbeziehen." Der Agenturchef hat bereits reagiert. In der BBDO-Zentrale in New York sind 55 Prozent der Belegschaft weiblich. Die Länderchefs in Australien, Malaysia, Russland, China, Frankreich und in den Niederlanden - allesamt Frauen.

Gefunden bei
www.ftd.de

Das Jahrzehnt der Frauen hat begonnen. Nicht nur als Konsumentin sind sie gefragt, sondern auch als Entscheiderin und Managerin. Das weibliche Geschlecht wird zum gigantischen Wirtschaftsfaktor. Der Grund: Weltweit gibt es immer mehr Uni-Absolventinnen, deren Einkommen stetig steigen. 5000 Milliarden Dollar mehr als heute werden Frauen in den kommenden fünf Jahren verdienen, schätzt die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Das ist mehr als das prognostizierte Wirtschaftswachstum von China und Indien zusammen.

Frauen sind der Markt der Zukunft. Und nicht nur das: Studien belegen, dass Unternehmen erfolgreicher arbeiten, wenn mehr Frauen an der Spitze stehen. Die kalifornische Pepperdine-Universität hat untersucht, wie 215 Unternehmen aus der Fortune-500-Rangliste über einen Zeitraum von 19 Jahren abschnitten. Das Ergebnis: Die Firmen mit der höchsten Bereitschaft, Frauen im Management zu unterstützen, waren im Industrievergleich bis zu 69 Prozent erfolgreicher. Das gilt auch im Finanzsektor. Eine Langzeitstudie des Finanzdienstleisters Bloomberg zeigt deutlich, dass von Frauen gesteuerte Fonds zum Teil doppelt so gut abschnitten wie die ihrer männlichen Kollegen.

Auch in eher konservativen Kreisen setzt sich diese Erkenntnis langsam durch. Georg Graf Waldersee, Managing Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, erwägt sogar - als letztes Mittel - eine Frauenquote einzuführen. Denn er hat Nachwuchssorgen: "Bei uns fangen genauso viel Frauen an wie Männer. Doch oben kommen sie nicht an." Er hält die Lage für dramatisch: "Wenn wir so weitermachen, dann haben wir in fünf Jahren ein echtes Problem." Denn Frauen seien dafür bekannt, gründlicher zu sein, genauer hinzugucken. Alles Eigenschaften, die ein Wirtschaftsprüfer gut gebrauchen kann - und die die Kunden auch verlangen.


Was die Leser sagen

Baumgardt
06.07.2010 | 12:46
Der Artikel klingt fast so...

... als mussten/müssten Männer noch nie um Positionen kämpfen.
Sieht die Realität nicht eher so aus, dass Frauen durch Quoten und gezielte Förderungen (Stipendien, Netzwerke, öffentliche und private Förderprogramme) signifikant mehr Unterstützung bei ihrer Karriereplanung erhalten als Männer? Oder welchen Aufschrei würde es bei der Einführung eines Stipendiums für Männer geben?

(Kommentare 1-1 von 1)

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