Empfehlen Als E-Mail verschicken Facebook Twitter XING Drucken
22.11.2011
Personalberaterin Ursula König
Personalberaterin Ursula König
Foto: Marco Urban

Managernachwuchs

"Starre Hierarchien sind unerwünscht"

von Annette Rueß

Heads-Personalberaterin Ursula König sprach am Rande des Junge-Elite-Gipfels am Montag in Berlin mit Capital.de über die Vorstellungen und Werte der jungen Wirtschaftselite.

Ursula König ist Gründerin und Managing Partner der Personalberatung Heads in München. Die Psychologin ist auf die Besetzung von Führungspositionen im Handel und bei Dienstleistungsunternehmen spezialisiert.

Frau König, Sie sind seit Jahren in der Personalberatung tätig und haben zahlreiche Führungspositionen besetzt. Wie unterscheidet sich der heutige Nachwuchs von den vorherigen Generationen?

Diese Generation weiß, was sie wert ist, und verhandelt äußerst selbstbewusst ihre Interessen. Leider kann dieses Selbstbewusstsein auch schon mal bis zur Selbstüberschätzung mutieren. So ist es mir beispielsweise in jüngster Zeit häufiger passiert, dass Kandidaten zwei Angebote parallel bis zum Vertrag durch verhandeln und den Unternehmen dabei harte Zugeständnisse abgerungen haben. Erst in letzter Minute sagten sie einem Unternehmen ab. Das ist schlechter Stil - und gab es in dieser Form früher nicht.

Harte Zeiten für Personalchefs, goldene Zeiten für den Topnachwuchs: Macht sich hier bereits der Wandel am Arbeitsmarkt bemerkbar?

Wir spüren schon, dass der Wettbewerb um die besten Köpfe härter wird. Die jungen Talente suchen sich heute genau aus, was und wo sie arbeiten wollen. Einige Unternehmen haben sich schon auf die veränderte Situation eingestellt, vor allem die Konzerne, in denen Personalentwicklung eine hohe Priorität eingeräumt wird. Der Mittelstand dagegen hat hier noch Nachholbedarf. Dort gilt häufig noch das Prinzip "Learning by doing".

Worauf legt der Managernachwuchs besonderen Wert?

Geld spielt nach wie vor eine Rolle. Zweites sehr wichtiges Thema ist die Life-Balance. Der Nachwuchs achtet deutlich mehr darauf als früher, Zeit für sein Privatleben zu haben. Ein Kandidat für eine Führungsposition in einem Handelskonzern etwa formulierte als Einstiegsbedingung, dass er einmal im Jahr vier Wochen am Stück zum Hochseesegeln kann. Sein Wunsch wurde - vor Jahren noch undenkbar - erfüllt. Und er ist ein geschätzter Mitarbeiter. Auch Konstellationen mit Beförderung in der Schwangerschaft und Berufung in eine verantwortungsvolle Position mit drei Kindern sind heute Realität in Unternehmen, die erkannt haben, wie wichtig ein ausgewogenes Privatleben für die Bindung ihrer Mitarbeiter ist.

Geht es dem Nachwuchs nicht auch um Inhalte?

Die jungen Führungskräfte wollen ihre eigenen Ideen und Vorstellungen verwirklichen und legen großen Wert darauf, aktiv mitgestalten zu können - und zwar fest verankert in der Kompetenzregelung. Mit starren Hierarchien und Führung nach "Gutsherrenart" können sie jedoch nichts anfangen. Sie stellen auch vermehrt die Frage nach dem Sinn ihrer Aufgaben, vor allem in großen Konzernen mit intransparenten Strukturen und häufig wechselnden strategischen Entscheidungen. Genau hier hat und hätte der Mittelstand reelle Chancen.

Gibt es die eine junge Elite?

Der Topnachwuchs ist bezüglich seiner Interessen und seiner Entscheidungsmotive heute viel zersplitterter als die früheren Generationen. Er ist letztlich so heterogen wie die heutige Welt. Darauf müssen die Unternehmen Antworten finden.


© 2011 capital.de

Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
Aktualisierte Fassung 2012
PartnerangebotImmobilien suchen in ...