Analyse: Was Ihnen wichtig ist
Erscheinen die Kosten der Karriere zu hoch, hilft es sehr, einmal die eigenen Prioritäten zu überdenken.
Wertekanon. Anerkennung, eine erfüllte Beziehung, Gesundheit,
Macht, Unabhängigkeit, Wohlstand: "Der Mensch ist erst dann erfolgreich und dauerhaft leistungsfähig, wenn er im Einklang mit seinen Werten handelt", sagt Veränderungscoach
Michael Despeghel. Deswegen sollte jeder für sich herausfinden, was ihm im Leben wirklich wichtig ist. Dabei helfen vor allem zwei Verfahren, auch wenn sie auf den ersten Blick befremdlich wirken.
Grabreden. Stellen Sie sich vor, Sie sind auf Ihrer eigenen Beerdigung zu Gast. Viele Menschen sind gekommen, um sich von Ihnen zu verabschieden. Eltern, Partner, Kinder, Freunde, Kollegen, der Chef. Alle treten sie nacheinander ans Pult und halten eine Rede. Was glauben Sie, werden die über Sie erzählen? Über die beruflichen Erfolge, Ihre persönliche Art, die gelebten Werte? Ist es das, was Sie auch gerne hören wollen? Diese Übung hat sich Bestsellerautor Stephen Covey ausgedacht. "Derlei fiktive Vorträge bringen einen nicht nur den eigenen Wünschen und Bedürfnissen näher, sie offenbaren auch die eigenen, oft unbewussten, Antreiber", weiß Andreas Philipp von der Managementberatung Philos und nennt einige: Sei perfekt, streng dich an, mach es allen recht. Diese inneren Ansagen sind zwar ein Garant für den eigenen Erfolg. Aber sie können einen auch nachhaltig daran hindern, tief sitzende Wünsche zu verwirklichen. Die Trauerreden helfen, sich über die Prioritäten klarer zu werden. Wen solch eine Zeremonie irritiert, der versucht sich als Autor und blickt nach vorne.
Lebensdrehbuch. Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihr Leben neu erfinden. Wie sähe es dann aus – heute, morgen, in zehn Jahren? Vermeiden Sie dabei den Konjunktiv wie: Ich hätte, würde, könnte. In Ihrem Lebensdrehbuch sind Sie etwa der Vater, der die Elternzeit nutzt und den Freunde, Verwandte und Kollegen dazu beglückwünschen. Zu berücksichtigen sind alle Lebensbereiche: Arbeit und Leistung, Familie und Kontakt, Körper und Gesundheit, Kultur und persönliche Entwicklung. Zeitmanagementexperte Lothar Seiwert rät, das Bild zu zeichnen, das dabei vor dem inneren Auge entsteht: "Das Malen korrespondiert mit der rechten Gehirnhälfte, dem Unterbewussten, und hat somit oft eine stärkere Wirkung als Worte." Anschließend empfiehlt er, sich darauf zu besinnen, wie viele Rollen Sie im Leben spielen wollen: Manager, Familienvater, Ehemann, Tennisspieler, Vorsitzender im Elternbeirat. Manchmal kommen da 17, 18 Rollen – oder anders gesagt Lebenshüte - zum Vorschein. Nur, spätestens beim achten Hut auf dem Kopf gerät das Werk aus der Balance – wie das Leben auch. Deswegen sein Tipp: Sich auf die sieben wichtigsten Hüte beschränken und alle anderen mit einer gesunden Portion Egoismus über Bord werfen.









