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10.08.2010
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Die Zahl der asiatischen Dollar-Millionäre steigt, auch in Shanghai
Die Zahl der asiatischen Dollar-Millionäre steigt, auch in Shanghai
Foto: Getty

Gehaltsexplosion in Fernost

Banker im Goldrausch

von Ina Linden

Die Gehälter und Boni von Bankern in Asien steigen so stark wie nirgendwo auf der Welt. Wirtschaftsboom und Risikofreude locken westliche Institute. Die meisten der gesuchten Talente sind Asiaten.

Es waren ungewohnte Töne, die kürzlich von Josef Ackermann in einem Zeitungsinterview zu hören waren. Die Deutsche Bank, so ihr Chef, werde in Asien künftig weit mehr Mitarbeiter als bisher direkt von der Universität rekrutieren, anstatt sie teuer bei der Konkurrenz abzuwerben. Nur so könne sein Haus der Gehaltsexplosion in Fernost begegnen, sagte Ackermann dem "Wall Street Journal": "Das ist keine kurzfristige Lösung. Es könnte bis zu fünf Jahre dauern, bis wir die ersten Erfolge sehen - aber daran arbeiten wir. "

Das Vorbild könnte Schule machen. Denn nirgends sonst auf der Welt steigen Gehälter und Boni von Bankern derzeit so stark wie in China, Hongkong oder Singapur. Im Kampf um Talente zahlten die westlichen Geldhäuser inzwischen bis zu 40 Prozent mehr als noch 2009, sagen Personalberater.

Auch der in der Krise in Verruf geratene, erfolgsunabhängige Garantiebonus ist in Asien eine beliebte Lohnzugabe. "In Hongkong und Singapur werden Garantieboni angeboten, die bis zu 115 Prozent höher sind als letztes Jahr", sagt Darvesh Daswani vom Personalberater Huxley Associates in Hongkong.

Warum die internationalen Großbanken in Asien mit Geld regelrecht um sich schmeißen, ist klar: Während anderswo das Geschäft stagniert oder sich nur langsam erholt, locken die Volkswirtschaften in Fernost mit hohen Wachstumsraten. Zudem steigt die Zahl der Dollar-Millionäre unaufhörlich - erstmals verfügen asiatische Millionäre über mehr Geld als Europas Reiche - ein lohnendes Ziel für Vermögensverwalter. Und: Die Bereitschaft, riskante Geschäfte einzugehen, ist traditionell groß in der Region, die von der Krise weitgehend verschont geblieben ist. Das gilt auch für die Fusionsberatung, die Königsdisziplin im Investmentbanking, die den Banken die Tür öffnet für lukrative Aktien- und Anleiheplatzierungen. So wurden im ersten Quartal in Fernost Firmenübernahmen für 106 Mrd. Dollar durchgezogen, ein Plus von rund 80 Prozent. Weltweit stieg das Volumen dagegen um magere sechs Prozent.

Ob Citigroup aus den USA, Barclays und Standard Chartered aus Großbritannien, die Schweizer UBS oder Japans Nomura: Sie alle stocken seit Monaten ihr Personal kräftig auf. Auch die Deutsche Bank mischt mit: Sie will 2011 in der Region 4 Mrd. Euro Ertrag erwirtschaften, doppelt so viel wie 2009.

Vor allem in den Toppositionen wird mehr gezahlt. Wie Tessa Dickman vom Personalberater Orgtel berichtet, verlangen Spitzenbanker in Hongkong und Singapur bis zu 40 Prozent mehr Gehalt als noch ein Jahr zuvor. Daswani von Huxley beobachtet einen Anstieg um 30 Prozent. Banker auf unterer Hierarchieebene, die sich im asiatischen Markt gut auskennen, kassieren bereits 600.000 bis 900.000 Dollar. Wer als Managing Director eine Region oder ganz Asien betreut, kann bis 4 Mio. Dollar einstreichen.

Insgesamt verdienten asiatische Investmentbanker nur noch 15 bis 35 Prozent weniger als ihre Kollegen im Westen. "Tendenziell gibt es die höchsten Vergütungen noch in den USA, dann folgen London und dann schon die großen asiatischen Finanzplätze", sagt Klaus Mittorp, Bankenexperte der Personalberatung Hay Group.

Vor allem Garantieboni treiben die Preise hoch. Viele Banken ködern neue Mitarbeiter mit erfolgsunabhängigen Aufschlägen, die über eine Vertragszeit von zwei Jahren bis zu zweistellige Millionenbeträge ausmachen - Summen, von denen die Kollegen in Europa und den USA inzwischen nur noch träumen können. Harry O'Neill, der für Heidrick & Struggles in Asien Personal an Finanzdienstleister vermittelt, beobachtet in China und Japan einen noch größeren Preiskampf als in Hongkong und Singapur. "Die Märkte sind viel größer und deswegen stärker umkämpft."

Gefunden bei
www.ftd.de

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