27.07.2010
 CAPITAL-SERIE Yes, she can!

25 Frauen und 1 Mann: Karrieretipps von Führungsfrauen, Interview mit Daniela Weber-Rey, eine neue Studie - brauchen wir die auch? Diskutieren Sie mit.


Wird Philips untreu: Anja Krusel
Wird Philips untreu: Anja Krusel
Foto: Microsoft

Führungswechsel

Microsoft Deutschland in Frauenhand

von Martin Scheele, Hamburg

Frauen sind in deutschen Vorständen noch immer unterrepräsentiert. Microsoft Deutschland will mit gutem Beispiel vorangehen und macht die Philips-Managerin Krusel zur neuen Finanzchefin. Damit ist die Hälfte der Führungsebene weiblichen Geschlechts.

Die Führungsspitze von Microsoft Deutschland wird künftig von Frauen dominiert. Mit dem Wechsel der Philips-Managerin Anja Krusel nach Unterschleißheim bei München hat der Ableger des Softwarekonzerns sieben von 13 Geschäftsführerpositionen mit Frauen besetzt. Krusel werde spätestens Anfang 2011 die Verantwortung für Finanzen und Verwaltung übernehmen, teilte Microsoft mit.

Der Anfang Mai in die US-Zentrale gewechselte Ex-Deutschlandchef Achim Berg hatte sich verstärkt der Förderung von Frauen in Toppositionen gewidmet. Sein Motiv: Ein Unternehmen mit einer möglichst bunt gemischten Führungstruppe ist im operativen Geschäft erfolgreicher und innovativer.

Microsoft Deutschland ist damit hierzulande die Firma mit dem höchsten Frauenanteil im oberen Management. Frauen in Toppositionen deutscher Firmen sind immer noch Mangelware. Laut einer Studie der Personalberatung Odgers Berndtson waren im März 2010 nur 2,4 Prozent aller Vorstands- und Geschäftsführungsposten der 500 größten deutschen Unternehmen weiblich besetzt. Dagegen ist es in den USA inzwischen selbstverständlich, dass auch große Konzerne von Frauen gelenkt werden, wie die Beispiele Pepsi oder Kraft Foods zeigen.

Der Mutterkonzern Microsoft hinkt der Entwicklung allerdings noch hinterher. In der Zentrale finden sich nur zwei Frauen im 18-köpfigen Managementteam unter Führung von Vorstandschef Steve Ballmer.

Der Softwarekonzern bietet aufgrund seiner internationalen Strukturen gute Entwicklungmöglichkeiten für Führungskräfte. Dem Vernehmen nach ist die langjährige Philips-Finanzmanagerin Krusel vor allem aufgrund besserer Perspektiven zu Microsoft gewechselt, obwohl der niederländische Elektronikkonzern in über 60 Ländern vertreten ist und hierzulande mit zuletzt 3,4 Milliarden Euro Umsatz großes Gewicht hat.

Häufige interne Wechsel sind im Management von Microsoft gewollt. So führt der ehemalige Mittelstandschef der deutschen Tochter, Robert Helgerth, dieses Geschäft mittlerweile in Westeuropa. Er verantwortet damit ein doppelt so großes Budget wie in seiner vorherigen Station. Ex-Deutschlandchef Berg verantwortet heute alle Marketing-, Geschäfts- und Entwicklungsaktivitäten für Windows Phones auf der ganzen Welt. Gemäß dem angelsächsischen Arbeitsrecht sind die Topmanager bei Microsoft aber leichter kündbar. Drei- oder Fünfjahresverträge wie im deutschen Arbeitsrecht gibt es nicht.

Krusels Vorgänger Michael Silbermann soll im Unternehmen verbleiben. Seine neue Rolle ist noch unklar. Er gilt im operativen Finanzgeschäft als nicht so stark wie Krusel. Der Finanzchef von Microsoft Deutschland ist eng vernetzt mit den operativen Einheiten. Typische Aufgaben der Finanzverwaltung wie Lohn- und Gehaltsabrechnung hat Microsoft längst ausgelagert.


Quelle: ftd
© 2010 capital.de

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