Geht es nach den KP-Funktionären in Peking, führt der Westen die Weltwirtschaft nicht mehr lange an. Das Ziel des Staatsrats ist klar: China soll die USA als größte Volkswirtschaft ablösen. Und die Kommunisten wissen schon, wie sie den kapitalistischen Klassenfeind schlagen können: mit seinen eigenen Managern. Künftig sollen internationale Topleute Chinas Staatskonzerne führen.
Am Montag erschien in der englischsprachigen Staatszeitung "China Daily" eine zweiseitige Anzeige: 20 Führungskräfte werden dort gesucht, "Kandidaten aus der Heimat ebenso wie aus dem Ausland". Sie sollen Spitzenpositionen übernehmen, etwa beim Baukonzern China State Construction, bei China Telecom oder beim Autobauer Dongfeng Motor.
Die Talentsuche ist die bislang größte in China - und dürfte noch in die zweite und dritte Runde gehen: "Peking möchte 30 bis 50 Staatsbetriebe mit starker internationaler Wettbewerbsfähigkeit schaffen", hatte Li Rongrong gesagt. Li ist Chef der chinesischen Aufsichtsbehörde Sasac, die 123 Unternehmen überwacht.
Gerade die Staatskonzerne hinken ausländischen Rivalen hinterher wegen des Mangels an Fachwissen und Effizienz. Ziel der Regierung sei es, so Li, ihre Unternehmen weltweit zu "absoluter Dominanz" in Schlüsselindustrien zu treiben.
Die Personalkampagne stellt einen Strategieschwenk dar. Bislang machten chinesische Konzerne vor allem auf sich aufmerksam, weil sie westliche Statisten in Anzug und Krawatte engagierten, die bei öffentlichen Veranstaltungen den Manager mimten - für bis zu 1000 Dollar die Woche. Der Hintergrund: Kontakte in den Westen zählen viel in China. Sie zeugen von der Bedeutsamkeit eines Unternehmens. Nun sollen echte Westmanager ran, die nicht nur repräsentieren, sondern auch arbeiten. Das aber dürfte nicht einfach werden - schuld ist die Regierung selbst.
Zwar fördert Peking die Staatskonzerne. Vom Bau neuer Autobahnen etwa profitieren vor allem Unternehmen aus der Stahl- und Zementindustrie, die in staatlicher Hand sind. Die Privatwirtschaft darbt derweil. Chinesische Medien bezeichnen das als "Guo jin, min tui". Das bedeutet in etwa: "Der Staat wächst, der private Sektor schrumpft."
Trotzdem arbeiten Staatskonzerne wie China Telecom oder Petrochina - nach
Exxon Mobil der zweitgrößte Ölerzeuger weltweit - erfolglos an ihrer Profitabilität. Denn Peking macht die Bemühungen durch Anordnungen zunichte, etwa wenn es Unternehmen zwingt, auch in ärmeren Regionen zu investieren.
Aus der Sicht des Pekinger Wirtschaftsberaters Albert Louie wird auch die zukünftige Managerelite den politischen Entscheidungen Vortritt lassen müssen. "Das Anwerben von neuen Talenten bedeutet nicht, ihnen auch gleichzeitig Autorität zu übertragen", sagt Louie. "Die endgültigen Entscheidungen trifft weiterhin die Regierung."
Quelle: ftd.de
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