27.04.2010
Die Chancen, in der Finanzbranche einen neuen Job zu ergattern, stehen gut.
Die Chancen, in der Finanzbranche einen neuen Job zu ergattern, stehen gut.
Foto: Getty

Arbeitsmarkt

Headhunter nehmen Banker ins Visier

von Sabine Meinert

Die Karrierechancen in der Finanzwirtschaft verbessern sich: Drei Viertel der deutschen Banker und Finanzfachleute haben seit Jahresbeginn einen Anruf von einem Personalvermittler bekommen - ohne sich explizit nach einem neuen Job umgesehen zu haben.

Die Banken verdienen offenbar wieder Geld und beginnen, aktiv fähige Mitarbeiter zu suchen. Denn sie beauftragen seit Jahresbeginn verstärkt Headhunter, geeignete Mitarbeiter zu suchen. Das macht eine Studie des Online-Netzwerkes eFinancialCareers deutlich, die die Daten von mehr als 200 Spezialisten und Führungskräfte der Finanzbranche auswertet.

Auch eine Erhebung der Online-Stellenbörse JobStairs bringt zutage, dass sich die Recruiting-Aktivitäten auf dem gesamten deutschen Arbeitsmarkt derzeit verhalten positiv entwickeln. Die Unternehmen schreiben demnach nicht nur für Absolventen und Young Professionals neue Stellen aus, sondern vermehrt auch für Jobsuchende mit mehrjähriger Berufserfahrung.

Headhunter auf der Jagd

eFinancialCareers zufolge begeben sich Rekrutierungsspezialisten inzwischen offensiv auf Beutezug: 76 Prozent der befragten Finanzfachleute gaben an, dass sie in diesem Jahr von einem Headhunter kontaktiert wurden. Eine Mehrheit der Teilnehmer steht einem Jobwechsel auch offen gegenüber. Denn jeder zweite hält es für schwer bis sehr schwer, derzeit eine Position auf seinem Spezialgebiet zu finden. Befragt wurden Experten von Corporate Finance über Fund Management, Investment Banking bis hin zu Private Equity.

Jeder dritte Umfrageteilnehmer ist zuversichtlich, die Dienste der Headhunter in Kürze für einen Karrieresprung nutzen zu können. Allerdings hat sich laut eFinancialCareers die Motivation für den Jobwechsel - oder ein Verbleib am bisherigen Arbeitsplatz - geändert: Immer mehr Banker finden ein höheres Grundgehalt und bessere Jobtitel inzwischen überzeugender als einen satten Bonus.

Welche Anreize könnten Sie zum Bleiben bewegen? (Auswahl, Mehrfachnennungen möglich)
Finanzierung eines MBA-Programms 21 %
besserer Jobtitel 43 %
bessere nicht-monetäre Vergütung 21 %
höheres Grundgehalt 72 %
höherer Cash-Bonus 2010 40 %
Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten 29 %
Quelle: eFinancialCareers, 2010
 

Neue Vergütungssysteme, wie sie nach dem Beschluss der G20-Staaten zum Teil eingeführt wurden, scheinen die Finanzfachleute in ihrer Wechselwilligkeit dagegen nicht zu beeinflussen. Die Systeme seien transparent genug, um verschiedene Jobangebote vergleichen zu können, meinen die Umfrageteilnehmer.

Home, sweet home

Am lukrativsten finden die meisten Befragten einen Job in Deutschland. Eine überwältigende Mehrheit von 88 Prozent würde - trotz Wechselwilligkeit - gern im Heimatland bleiben. Lediglich die Schweiz finden deutsche Finanzkräfte ebenso attraktiv. Zum Vergleich in Großbritannien ist jeder Dritte derzeit unsicher, ob er weiterhin am heimischen Finanzmarkt tätig sein will.

John Benson, CEO von eFinancialCareers: "Im Vergleich zu Großbritannien scheint in Deutschland ein größerer Sinn für Stabilität zu bestehen. Das könnte ein wichtiges Plus für deutsche Finanzorganisationen zu sein. So können sich deutsche Unternehmen voll und ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, ohne dabei allzu sehr von den Herausforderungen der Personalsicherung abgelenkt zu werden."

International noch mehr Möglichkeiten

Eine Untersuchung der des Personaldienstleisters unter mehr als 3000 Fachleuten in 13 Ländern zeigt, international sind die Chancen noch besser. Jede fünfte Finanzabteilung will sich in den nächsten sechs Monaten vergrößern. Die Gründe dafür lägen vor allem im gestiegenen Arbeitsaufkommen. Nur neun Prozent der Unternehmen im Finanz- und Rechnungswesen rechnen demnach damit, ihre Belegschaft demnächst reduzieren zu müssen.

Die Daten der eFinancialCareers-Umfrage im Finanzsektor wurden im April 2010 erhoben. Die 200 Teilnehmer verfügten über mindestens fünf Jahre Berufserfahrung. Mehr als die Hälfte arbeitet in Front Office Positionen.

Der Personaldienstleister Robert Half erhebt dreimal jährlich Daten von mehr als 3000 Personal- und Finanzmanagern aus 13 Ländern in der Studie "Workplace Survey 2010".

Das Job- und Karriereportal JobStairs befragte für den aktuellen Recruitment-Trend im April seine Mitgliedsfirmen - darunter 50 der größten deutschen Unternehmen - nach ihren Aktivitäten auf der Mitarbeitersuche.


Quelle: ftd.de
© 2010 capital.de

Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
PartnerangebotImmobilien suchen in ...