Wenn Stefan Fischhuber einen Aufsichtsrat sucht, werden die Inder aktiv. In Bangalore, unweit sonnendurchfluteter Bananenplantagen und Reisfelder, fliegen die Hände über die Tastatur. Wo sitzt der beste Kopf für den Industriekonzern, der gerade in London an die Börse geht? Im Visier: ein deutscher Manager für das oberste Kontrollgremium. Minutenschnell hacken sich die indischen Experten durch die Geschäftsberichte internationaler Industriegiganten, stellen Namenslisten der Aufsichtsratsmitglieder zusammen, scannen die Lebensläufe. Wer war bereits in mehreren Aufsichtsräten aktiv? Wer hat sich auch international einen Namen gemacht? Wann, wo und in welcher Branche?
Tief bohren sich die Researcher in das Gewinde des Internets, durchforsten die Webseiten internationaler Konzerne, fahnden nach Konferenzberichten und Vorträgen, nach Medienresonanz und Fachpublikationen. 24 Stunden später liegt das Package aus der indischen Hightech-Metropole auf dem Düsseldorfer Beratertisch: mehr als 100 Seiten Branchenanalyse, Namenslisten, Tätigkeitsprofile. Fischhubers Arbeit kann beginnen.
Schnellere Informationen erhalten
Fischhuber angelt beim Personalberater Heidrick&Struggles im Auftrag seiner Kunden nach Spitzenleuten der internationalen Wirtschaft. Manager mit einem Jahresgehalt von 120.000 Euro an aufwärts hat der Leiter Industrial im Fokus, Top-Leute aus den Branchen Maschinenbau, Chemie, Stahl, Automotive. Die digitale Welt hat seine Arbeit gewaltig verändert. Wo sich die Headhunter einst mühsam durch die Firmendatenbank Hoppenstedt blättern mussten, lassen sich jetzt Rahmendaten, Geschäftsberichte und Mitarbeiterlisten der Unternehmen mit ein paar Klicks stets frisch aktualisiert auf den Monitor holen.
Und wo Fischhuber einst zum Telefon greifen musste, um einen Eindruck von der Firmenkultur eines Unternehmens oder den Arbeitserfolgen eines Kandidaten zu bekommen, assistieren ihm heute 150 fast detektivisch geschulte Experten im ausgelagerten Knowledge Management Center Bangalore (KMC) und 40 Researcher in Deutschland. "Das Internet als Recherche-Tool spielt für uns eine gigantische Rolle", sagt Fischhuber. Durch das Web kommt er schneller an Informationen. Nicht nur über die Kandidaten, auch den Unternehmen kann man wesentlich besser in die Karten schauen. Bereitwillig stellen sie Daten online, die früher oft unter Verschluss standen: Umsätze, Mitarbeiterprofile und detaillierte Organigramme.
Natürlich, das Internet nimmt Fischhuber nicht die Arbeit ab. Nach der Onlinesuche beginnt der eigentliche Job des Headhunters. Dann klingelt er durch bei seinen persönlichen Kontaktpersonen, Experten aus dem Markt, ehemaligen Aufsichtsräten: "Wen empfehlen Sie?" – "Kennen Sie den?" Hat er einen Kandidaten im Visier, recherchiert er in seinem Kontaktnetzwerk nach Kollegen oder ehemaligen Wegbeglei-tern des Bewerbers, die Klartext reden. Eine Arbeit, die nicht auf schnellen Klicks beruht, sondern auf Vertrauen, persönlichen Kontakten, Diskretion.













