28.08.2008
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Karrierehelfer

Personalsuche via Internet: Die Nethunter

Personalberater recherchieren verstärkt im Internet nach hochqualifiziertem Fach- und Führungspersonal. Wer sich im Netz gut präsentiert, hat beste Chancen, auf den Radarschirm der Headhunter zu kommen.



Wenn Stefan Fischhuber einen Aufsichtsrat sucht, werden die Inder aktiv. In Bangalore, unweit sonnendurchfluteter Bananenplantagen und Reisfelder, fliegen die Hände über die Tas­tatur. Wo sitzt der beste Kopf für den Industriekon­zern, der gerade in London an die Börse geht? Im Visier: ein deutscher Manager für das oberste Kontrollgre­mium. Minutenschnell hacken sich die indischen Experten durch die Geschäfts­berichte internationaler Indus­triegigan­ten, stellen Namenslisten der Aufsichtsratsmitglieder zusammen, scannen die Lebensläufe. Wer war bereits in meh­reren Aufsichtsräten aktiv? Wer hat sich auch international einen Namen ­gemacht? Wann, wo und in welcher Branche?

Tief bohren sich die Researcher in das Gewinde des Inter­nets, durchforsten die Webseiten internationaler ­Konzerne, fahnden nach Konferenzberichten und Vorträgen, nach Medienresonanz und Fachpublikationen. 24 Stunden später liegt das Package aus der indischen Hightech-Metro­pole auf dem Düsseldorfer Beratertisch: mehr als 100 Seiten Branchenanalyse, Namenslisten, Tätigkeitsprofile. Fischhubers Arbeit kann beginnen.

Schnellere Informationen erhalten



Fischhuber angelt beim Personalberater Heidrick&Struggles im Auftrag seiner Kunden nach Spitzen­leuten der internationalen Wirtschaft. Mana­ger mit einem Jahresgehalt von 120.000 Euro an aufwärts hat der Leiter Industrial im Fokus, Top-Leute aus den Branchen Maschinenbau, Chemie, Stahl, Automotive. Die digitale Welt hat seine ­Arbeit gewaltig verändert. Wo sich die Headhunter einst mühsam durch die Firmendatenbank Hoppenstedt blättern mussten, lassen sich jetzt Rahmendaten, Geschäfts­berichte und Mitarbeiterlisten der Unternehmen mit ein paar Klicks stets frisch aktualisiert auf den Monitor holen.

Und wo Fischhuber einst zum Telefon greifen musste, um einen Eindruck von der Firmenkultur eines Unternehmens oder den Arbeitserfolgen eines Kandidaten zu bekommen, assistieren ihm heute 150 fast detektivisch geschulte Experten im ausgelagerten Knowledge Manage­ment Center Bangalore (KMC) und 40 Researcher in Deutschland. "Das Internet als Recherche-Tool spielt für uns eine gigantische Rolle", sagt Fischhuber. Durch das Web kommt er schneller an Informationen. Nicht nur über die Kandidaten, auch den Unternehmen kann man wesentlich besser in die Karten schauen. Bereitwillig stellen sie Daten online, die früher oft unter Verschluss standen: Umsätze, Mitarbeiterprofile und detaillierte Organigramme.

Natürlich, das Internet nimmt Fisch­huber nicht die Arbeit ab. Nach der Online­suche beginnt der eigentliche Job des Headhunters. Dann klingelt er durch bei seinen persönlichen Kontaktpersonen, Experten aus dem Markt, ehemaligen Aufsichtsräten: "Wen empfehlen Sie?" – "Kennen Sie den?" Hat er ­einen Kandidaten im Visier, recherchiert er in seinem Kontaktnetzwerk nach Kollegen oder ehemaligen Weg­beglei-tern des Bewer­bers, die Klartext reden. Eine ­Arbeit, die nicht auf schnellen Klicks ­beruht, sondern auf Vertrauen, persönlichen Kontakten, Diskretion.


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