Für Johannes Thönneßen kam der Traum von der Selbstständigkeit auf leisen Sohlen. Eher zufällig entdeckte der Personalentwickler beim Pharmariesen Bayer eine Marktlücke, auf der Jahre später seine Existenz fußen sollte. Stapelweise landeten die Fachzeitschriften auf seinem Schreibtisch, ungelesen verschwanden die meisten in riesigen Ordnern. Thönneßen erkannte: Es braucht jemanden, der die Artikel bewertet und leicht zugänglich macht. "Management Wissen Online" taufte er die Website, in die er abends und am Wochenende spaßeshalber kleine Rezensionen stellte und via Newsletter an Freunde und Kollegen schickte. Nach drei Jahren hatte er 5000 Leser, einige zahlende Kunden – und neben seinem Vollzeitjob viel Arbeit bis in die Nacht. Als er eines Tages einen verantwortungsvolleren Posten bei Bayer übernehmen sollte, musste sich Thönneßen entscheiden: Seine Leidenschaft aufgeben, das Angebot ablehnen – oder sogar ganz kündigen?
Leicht ist ihm die Entscheidung zur Firmengründung erst gefallen, als Bayer eine Rückkehrgarantie gab. Ein Jahr ruhte sein Vertrag. Dann gab’s wieder ein Jobangebot. Doch der 51-Jährige blieb bei seinem Traum. Seit 2001 ist der Psychologe selbstständig. In seinem kleinen Büro im ersten Stock einer alten Burg am Rhein schreibt er Rezensionen, beauftragt Autoren, ersinnt Kooperationen. Seine Mitarbeiterin pflegt die Datenbanken.
Die Rechnung des Personalmanagers ist aufgegangen: Als leitender Angestellter bekam er ein Gehalt im "oberen fünfstelligen Bereich". Nach der Gründung hatte er zunächst Einbußen von 20 Prozent. Allerdings aus gutem Grund, wie Thönneßen sagt: "Ich habe sehr vorsichtig kalkuliert." Als Gründer einer GmbH kann er sich selbst sein Gehalt zuteilen und setzte es mit Bedacht ein Fünftel niedriger an, um in den ersten Jahren des Firmenaufbaus liquider und damit flexibler zu sein. Das habe sich bewährt. Wenn neue Software anstand, konnte er umstandslos investieren und sein Büro ordentlich ausstatten. Heute verdient Thönneßen genauso viel wie vor seinem Umstieg in die Selbstständigkeit.










