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09.11.2010
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Der Hörsaal als Karrierekick - das erhoffen sich viele Executive MBAs
Der Hörsaal als Karrierekick - das erhoffen sich viele Executive MBAs
Foto: dpa

Executive MBA

Der Chef zahlt die Studiengebühren

von Oranus Mahmoodi

In der Wirtschaftskrise haben die Unternehmen ihre Etats für Weiterbildungen zusammengestrichen. Viele Personaler bremsen Mitarbeiter daher aus, die einen EMBA anstreben. Wer sich an seinen Vorgesetzten wendet, hat häufig bessere Karten.

Die Chefin in den USA hat schließlich durchgesetzt, dass Tanja Mertin nur die Hälfte ihres EMBA-Studiums aus eigener Tasche zahlen musste. "Die deutsche Personalabteilung sponsert so etwas nicht - man ist in Deutschland generell der Meinung, dass ein Doktortitel mehr bringt als ein MBA", sagt Mertin, Global Capability Director bei Accenture.

Die 40-Jährige, die seit mehr als zehn Jahren für das Beratungsunternehmen arbeitet, liebäugelte zwischenzeitlich sogar mit einer Promotion - das war ihr dann aber alles zu akademisch. Sie sei einfach kein Typ, der im stillen Kämmerlein sitzt und über ein Problem brütet, was womöglich die Welt da draußen gar nicht interessiert. Mertin wollte lieber für die Praxis lernen, sich mit anderen Managern austauschen, ihr Wissen verbreitern und vor allem ihre Karriere vorantreiben.

Den EMBA als Karrierekick hatte Mertin, die auf Lehramt studiert hatte und dann in die freie Wirtschaft wechselte, schon seit über zehn Jahren im Hinterkopf. Als sie mit ihrem zweiten Kind schwanger wurde, schrieb sie sich an der Technischen Universität (TU) München ein. Mertin nutzte die Elternzeit zur Weiterbildung. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die sie an Fallbeispielen aus dem Unternehmen gewonnen hat, konnte sie bei Accenture praktisch umsetzen. Vor Kurzem hat Mertin nun ihre Masterthesis abgegeben und wartet nur noch auf das Zeugnis. Bei Accenture steht sie in den Startlöchern für weitere Karriereschritte und ist kurz davor, teilhabende Partnerin zu werden.

Immer mehr EMBA-Studenten zahlen selbst

Viele mittelständische Firmen in Deutschland sehen dagegen keinen Mehrwert im MBA-Abschluss. Selbst bei etlichen Personalabteilungen von Großunternehmen ist der Abschluss noch nicht ins Blickfeld gerückt. "Die Zahl der Bewerber, die ihren EMBA komplett selbst bezahlen, steigt an", sagt Ralf Bürkle, Sprecher der Mannheim Business School. Die Wirtschaftskrise hat die Weiterbildungsbudgets schrumpfen lassen; die Unternehmen sparen lieber. Dennoch haben viele der sogenannten High Potentials die Krise genutzt, um sich weiterzubilden. Oder man macht es wie Mertin von Accenture - und nutzt die Elternzeit zum Lernen für den Aufstieg.

Als Eintrittskarte in das Topmanagement bezeichnet auch Marcel Rößner den EMBA. Seit zwölf Jahren leitet der 40-Jährige als General Manager für den Luxuskonzern Richemont die Geschäfte der Uhrenmarke Panerai in Zentraleuropa. Nach zahlreichen Jahren erfolgreicher Karriere entschied er sich vor vier Jahren für ein EMBA-Studium an der TU München.

"Inspiriert wurde ich von dem bekannten Marketingprofessor Heribert Meffert", sagt Rößner. Statt bei seinem Arbeitgeber in der Personalabteilung vorstellig zu werden - er wäre gar nicht auf die Idee gekommen - ging er direkt zu seinem Vorstand. "Ich war beim ersten Gespräch nicht sicher, ob er meinen EMBA-Wunsch gutheißen würde, aber er hat mich sofort unterstützt und mir auch so signalisiert, dass er Interesse an meiner Arbeitskraft hat", erzählt Rößner.


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