Nachdem die staatlichen Hochschulen - wie fast alle staatlichen Bildungseinrichtungen - sich jahrelang mit Händen und Füssen gegen jede Art der Beurteilung ihrer Qualität gewehrt haben, nun die Feststellung, dass nur die hochschuleigenen Akkreditierer sauber arbeiten. Schöner Nebenerwerb für Professoren, die 10 Jahre verspätet endlich auf den Zug springen.
Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
In dem Studiengang Business Administration der privaten Steinbeis-Hochschule Berlin können Fachkräfte ohne Abitur berufsbegleitend in nur drei Jahren einen akademischen Abschluss erwerben. Das Studium, das insgesamt 15.700 Euro kostet, schließt mit einem Bachelor ab. Es dauert genauso lange wie ein Bachelorstudium an einer staatlichen Uni in Vollzeit. Die Akkreditierungsagentur Fibaa hat dem Fach ihren Stempel aufgedrückt. Damit ist der Studiengang akkreditiert und anerkannt.
Auch an der Ruhr-Uni Bochum, die ansonsten früh und konsequent ihre Studiengänge auf das neue Bologna-System ausgerichtet hat, scheint die Umstellung im Fach Chemie weniger gut gelungen: Hier wurde das Diplomfach einfach in Module zerlegt, jede Vorlesung mit Übung schließt mit einer Prüfung ab, letztlich kommen fast 50 Prüfungen in drei Jahren zusammen. Die Akkreditierungsagentur Asiin segnete den Studiengang trotzdem ab.
"Das ist absurd", sagt der Wirtschaftsprofessor Rainer Künzel, ehemaliger Präsident der Universität Osnabrück. Künzel, der selbst als akademischer Direktor für die Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur (Zeva) arbeitet, findet: "Das System hat versagt." Er hat über 1500 Verfahren betreut und dabei auch erlebt, dass negativ bewertete Studiengänge von anderen Agenturen einfach durchgewinkt wurden.
Nicht zuletzt die heftigen Studentenproteste im vergangenen Herbst haben deutlich gemacht, dass viele Studiengänge trotz Akkreditierung unstudierbar sind: zu kleinteilig, zu prüfungsbeladen, zu speziell. Vor allem in der Anfangszeit sind viele Studiengänge zertifiziert worden, die nicht einmal den Mindeststandards entsprachen. Auch heute noch werden gut 70 Prozent der Studiengänge nur unter Auflagen akkreditiert.
Denn anders als etwa in den USA, wo Akkreditierungsagenturen mit besonders strengen Höchststandards Renommee für eine Hochschule versprechen, gibt es in Deutschland keinen Wettbewerb um Reputation. Es geht eher darum, massenhaft Fächer auf Minimalniveau zu zementieren. Der Thüringer Rechnungshof hatte 2008 kritisiert, dass die Akkreditierung zu bürokratisch und zu teuer sei und dabei "weder zu vergleichbaren noch zu zuverlässigen Ergebnissen der Qualitätssicherung" führe. Selbst der Akkreditierungsrat, der das System überwacht, kann nicht belegen, dass zertifizierte Studiengänge besser sind als nicht zertifizierte.
"Die Agenturen haben bei der Überprüfung von Studiengängen versagt."
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) zählt zu den schärfsten Kritikern des Systems. Er hat seine rund 25.000 Mitglieder aufgefordert, nicht mehr als Gutachter für die Verfahren zu arbeiten. "Die Agenturen haben bei der Überprüfung von Studiengängen versagt", sagt Präsident Bernhard Kempen. Sie hätten hoch spezialisierte Studiengänge anerkannt, obwohl die einen Wechsel der Studenten von einer Uni zur anderen praktisch unmöglich machen würden. Die Akkreditierung sei ein "ineffizientes Gütesiegel ohne Aussagekraft", so Kempen.
Doch sie ist ein lukratives Geschäft, nährt eine ganze Branche, auch wenn die Agenturen nicht gewinnorientiert arbeiten dürfen. Walter Krämer, Wirtschaftsforscher an der TU Dortmund, hat ausgerechnet, dass die Hochschulen für Akkreditierungen jährlich gut 90 Millionen Euro ausgeben. Mittlerweile zehn Agenturen konkurrieren miteinander, darunter auch Nischenanbieter wie die Akast, die ausschließlich theologische Studiengänge im Auftrag der Kirchen akkreditiert. Der Akkreditierungsrat erhält für jede Zulassung 15.000 Euro; diese muss alle fünf Jahre erneuert werden. In keinem anderen europäischen Land ist das Akkreditierungswesen so hierarchisch, bürokratisch und komplex wie in Deutschland.
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