Haben Sie meine Videos auf Youtube gesehen?" fragt Alessandro Benetton, Vize-Verwaltungsratschef der italienischen Bekleidungsdynastie. Die Videos zeigen den 47-Jährigen beim Wakesurfen oder wie er gerade beim Kitesurfen einen Salto vollführt.
Ein Grund, warum Benetton mithilfe von Extremsportarten seine Grenzen austestet, könnte Familienbande sein: Seine Frau Deborah Compagnoni ist dreifache Olympiasiegerin und eine der erfolgreichsten Skiläuferinnen Italiens. Doch der zweitgeborene Sohn des Firmengründers Luciano Benetton deutet an, dass es noch einen anderen Grund gibt.
Wie andere Sprösslinge, die die Last der Dynastie auf ihren Schultern tragen, empfindet Benetton ständig den Drang, sich selbst beweisen zu müssen. Die Begeisterung für Extremsportarten bezeichnet er daher als "Spaß am Leben". "Ich bin zu dem Schluss gekommen, verspürt man dieses Bedürfnis nach Dynamik, dann geht es nicht darum, es an- oder abzuschalten. Man muss es kanalisieren, sonst frisst es einen auf."
Alessandro Benettons Büro befindet sich in Ponzano Veneto, rund 50 Kilometer nördlich von Venedig. Dort nahm das Unternehmen Benetton seinen Anfang, und dort ist es heute der größte Arbeitgeber. Es finanziert Schulen, Kultur und - wenig überraschend - spektakuläre Sporteinrichtungen.
Alessandro Benetton ist offen, spricht leise und ruhig, wirkt entspannt. Nachdem er sich selbst als Unternehmer einen Namen gemacht hatte, wurde der zweitälteste von vier Brüdern zum logischen Kandidaten für die Übernahme des Familienunternehmens, zu dem die Marken Benetton, Sisley und Playlife gehören. Nach dem Studium an der Harvard Business School und einem Jahr Arbeit als Analyst bei Goldman Sachs, gründete Alessandro Benetton 1992 die Private-Equity-Firma 21 Investimenti. Diese verwaltet inzwischen Vermögen im Wert von 1 Mrd. Euro. Danach leitete er ein Jahrzehnt lang Benettons Formel-1-Team. Während dieser Zeit gewann das Team eine Konstrukteurswertung und mit Michael Schumacher am Steuer zwei Weltmeisterschaften.
"Ich war bereits Unternehmer, es war in meinem Nervensystem. Ich hatte in der Private-Equity-Welt gearbeitet und mit zehn Jahren Klimaanlagen im Benetton-Werk gesäubert. Ich war in Harvard, wo man Benetton als Fallstudie untersuchte. Ich hatte alle Seiten des Geschäfts kennengelernt."










