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19.12.2011
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Christian Hiß setzt sich für nachhaltige Landwirtschaft ein.
Christian Hiß setzt sich für nachhaltige Landwirtschaft ein.
Foto: FTD

Social Entrepreneur

Früchte des Zorns

von Karin Prummer

Weil Banken seiner Idee einer nachhaltigen, regionalen Landwirtschaft keine Chance gaben, gründete Biobauer Christian Hiß eine Bürger-AG und sammelte Millionen ein. Jetzt will er in andere Bundesländer expandieren. Dafür wurde er zum Social Entrepreneur 2011 gekürt.

Am Anfang war der Zorn. Noch immer keimt er auf, wenn Christian Hiß davon erzählt, wie alles begann. Auch wenn es Jahre her ist. Dabei kann ihn eigentlich nichts so leicht aus der Ruhe bringen. Aber jetzt braucht er eine Lucky Strike. Er nimmt eine Hand vom Lenkrad, geht ein wenig vom Gas und qualmt aus dem geöffneten Autofenster. Als die Zigarette aus ist, schiebt er sich noch einen Bio-Traubenzucker zwischen die Zähne und atmet durch. Also los.

"Es war der Horror", sagt er. Wie sie ihn ausgelacht haben, als er 2000 einen Kredit brauchte von den Banken, um seinen Biobauernhof bei Freiburg auszubauen. Er wollte etwas dem Trend entgegensetzen, den er mit großer Sorge beobachtete: dem großen Hofsterben. 20.000, allein in drei Jahren. Er sah, wie Lebensmittel billiger und billiger werden sollten, nur der Handel richtig Geld verdiente, nicht aber die Produzenten. Wie einige Großbetriebe auf Hochleistungspflanzen und Monokulturen setzten, die den Böden schaden. Wie Arbeitsplätze verschwanden aus den Dörfern und mit ihnen auch die Menschen. Er wollte zeigen, dass es anders geht.

Herr Hiß, sagten die Bankberater, Sie Sozialromantiker! Sie Weltverbesserer! Die Zeit der kleinen Höfe ist eben vorbei, Landwirtschaft ist eine knallharte Industrie, die Kleinen sind dem Markt nicht gewachsen. Er bekam kein Geld.

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Heute ist er geschäftsführender Vorstand einer Aktiengesellschaft mit 2 Mio. Euro Grundkapital, fast 500 Aktionären, Beteiligungen an 16 Unternehmen im Raum Freiburg. Er gründet bereits Ableger in anderen Bundesländern. Bioromantiker trifft Kapitalismus. Die Idee, die er umsetzt, ist exakt die gleiche, mit der er bei den Banken scheiterte: nachhaltige Landwirtschaft für Menschen in der Region.

Sogar einen Preis hat er jetzt dafür bekommen. In Kooperation mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group und der Financial Times Deutschland kürte ihn die Schwab-Stiftung für seine Regionalwert AG zum Social Entrepreneur 2011. Weil er ein großes Problem anpacke, das in der gesellschaftlichen Diskussion noch nicht angekommen sei, urteilte die Jury. Sogar die Kanzlerin hat nach der Preisverleihung seine Hand gedrückt und er seine Firmenbroschüre in ihre.

Nicht die Welt ist in diesen elf Jahren besser geworden. Sondern Christian Hiß. "Ich habe nicht gesagt, Scheißkapitalismus, und habe dann aufgegeben, sondern gelernt, mit seinen Instrumenten zu arbeiten. Jetzt kann mich niemand mehr als Sozialromantiker abtun." Der 50-Jährige will nichts weniger als einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft. Und was er sich ausgedacht hat, könnte ein Modell für viele deutsche Regionen sein.


Was die Leser sagen

Markus Müller
02.01.2012 | 18:22
Solche Menschen sind die Zukunft!

Wenn man mal von einer lebenswerten Zukunft träumen darf,dann von einer,die ohne Banken auskommt,in der die Menschen direkt ihr Geld dort anlegen wo es für sie Sinn macht und ihr Girokonto bei sich von zuhause führen,online ohne Bank.

(Kommentare 1-1 von 1)

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