Wann ist es soweit, dass man sich als gefallener Held wieder blicken lassen kann? Sind acht Monate genug Zeit der Reue und Zurückhaltung für einen, der sich früher nie zurückhalten konnte und nur so strotzte vor Selbstvertrauen und Selbstgerechtigkeit? Und wo macht man das? Große Bühne, kleine Bühne? Zu Hause oder im Ausland? Und als was macht man das? Als Baron oder Ökonom? Als Denker oder Lenker?
Jede Antwort auf diese Frage sagt natürlich etwas aus über sein Comeback, das wusste Karl-Theodor zu Guttenberg, ehemaliger Verteidigungsminister der Deutschen, ehemaliger Superstar der Regierung Merkel und immer noch bekanntester Schummler der Republik.
Karl-Theodor zu Guttenberg wählte Halifax aus, im Osten Kanadas, ein hochkarätig besetztes Forum zu Sicherheitsfragen, und er kam als Baron und Ökonom, als Denker und Lenker zurück. Oder mit den Worten der Veranstalter gesagt: als "distinguished statesman", als angesehener Staatsmann. So wurde er hier vorgestellt, so wurde er in der Kurz-Biografie der Forum-Broschüre angepriesen. So sieht sich Guttenberg vermutlich ja immer noch selbst.
Guttenberg mit neuem Look
In Halifax trägt er einen eleganten, dunklen Anzug, blaue Krawatte dazu, so weit der Alte, aber er trägt keine Brille mehr, er hat kein Gel mehr im Haar, eine neue Frisur, aber dafür hat er einiges an Gewicht zugelegt, dickere Backen hat er, so sieht es zumindest aus der Entfernung aus, weil die Pressefrau vom Halifax Forum nicht erlaubt, näher an ihn heran zu treten. Guttenberg sieht nun so aus wie Lothar Matthäus, nur spricht er viel besser Englisch.
Guttenberg sitzt in einem weißen Sessel. Neben ihm zwei andere Männer auf der Bühne, Alan Mendoza von der Henry Jackson Society, einer Denkfrabrik in London, und der Menschenrechtler James Hoge, Vorsitzender von Human Rights. Sie sollen über die politischen Risiken durch die wirtschaftlichen Turbulenzen in der Welt diskutieren. Guttenberg wirkt ernst und ein wenig angespannt, bevor seine Diskussionsrunde losgeht. Er wird sich schnell entspannen und einen souveränen Auftritt hinlegen. Das ist man ja von ihm gewohnt. Aber nicht, dass er seine ehemaligen Kollegen so kritisiert. Guttenberg gibt in Halifax bei seinem Comeback nämlich den Vordenker und Kritiker und nicht nur den Politiker. Er fordert immer wieder von seinen ehemaligen Kollegen Visionen für die Europäische Union ein und keine kurzfristigen Lösungen.
Guttenberg spricht in Halifax wie einer, der sich vom Handeln der Politiker distanziert - und nicht mehr als einer, der noch mittendrin ist und sich zurückhalten muss. So kann man sich profilieren, als Kritiker sowieso, aber auch als geeignete Alternative zu den Ministern im Amt - ganz gleich, für welches Fach. Wirtschaft, Verteidigung, Außenpolitik. Oder auch als einer, der die ganz große Übersicht hat: Kanzler. Hauptsache, man denkt immer zuerst an den Bürger.











