Financial Times Deutschland: Kunden, Lieferanten, Konkurrenten - alle zweifeln am Erfolg des x-ten Rettungsversuchs für Schlecker. Wann müssen Sie aufgeben?
Meike Schlecker: Ab 2012 verdienen wir wieder Geld! Im laufenden Jahr ist der Verlust schon signifikant geringer als im Vorjahr ...
Lars Schlecker: ... April und Mai waren spitzenmäßig.
FTD: Ostern fiel in diesem Jahr in den April, der deswegen für alle Händler erfreulich war, und der Mai hatte ungewöhnlich viele Verkaufstage.
Meike Schlecker: Nein, es ist ein klarer Trend. Die Erträge sind durchgehend besser als im Vorjahr, auch in den ersten drei Monaten. Die Umsätze sind wegen der Filialschließungen niedriger als im Vorjahr, aber höher als geplant. Unser neues Konzept wirkt.
FTD: Welchen Teil des Konzepts meinen Sie? Die entrümpelten und umgebauten Geschäfte? Oder den neuen, menschlichen Umgang mit den Mitarbeitern? Oder die Werbeoffensive?
Meike Schlecker: In den 60 Läden, die wir schon modernisiert haben, verkaufen wir deutlich mehr. Selbst wenn man Sondereffekte aus den Eröffnungswochen rausrechnet, haben wir dort Umsatzanstiege von 18 bis 33 Prozent.
FTD: Die Stichprobe ist winzig und Ihr grundsätzliches Problem bleibt bestehen: es gibt keinen Grund mehr, zu Schlecker zu gehen, weil sie nichts besser können als DM oder Rossmann.
Meike Schlecker: Die Nähe zum Kunden ist und bleibt unser Alleinstellungsmerkmal.
FTD: Große Drogerien, Discounter und Supermärkte sind anders als in den 70er und 80er Jahren flächendeckend präsent. Nah am Kunden sind alle.
Meike Schlecker: Aber wir sind noch näher. Selbst nach der Restrukturierung werden wir doppelt so viele Läden haben wie alle anderen Drogerieketten zusammen - und die Stärke wollen wir mehr nutzen. Wir schauen, wer in der Nähe ist: wohnen dort viele Ältere oder viele Familien mit kleinen Kindern? Ist es ein Kurgebiet? Gibt es eine Apotheke oder können wir mit unserem Vitalsana-Sortiment eine Lücke füllen? Wir werden die Sortimente viel stärker an die Umgebung anpassen.
FTD: Das wird aufwändig und teuer.
Lars Schlecker: Wir schöpfen aus zwei hauseigenen Informationsquellen: Unsere Datensätze über die Verkaufszahlen einzelner Produkte in einzelnen Filialen und unseren Verkaufsstellenverantwortlichen vor Ort. Die kennen 80 Prozent ihrer Kunden.
FTD: Sie verlangen komplizierte Milieustudien von Leuten, denen Ihre Schlecker-Geschäftsführer nicht mal das simple Ankleben des neuen Logos im Schaufenster zutrauen. Ihre Bezirksleiter wurden gerade eben wieder angewiesen, den Filialleitern dabei zu assistieren, damit bloß kein Fehler passiert.
Lars Schlecker: Wir sind nicht die Freunde von kompletter Kontrolle. Aber in mehr als zehn Jahren im Unternehmen haben wir gelernt: manchmal geht es einfach nicht anders.
Meike Schlecker: Wir wollen halt, dass die Läden gut aussehen.











