• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Fonds

Worauf Sie bei Mischfonds achten sollten

, Christian Kirchner

Wer sich nicht zwischen Aktien, Anleihen oder Immobilien entscheiden kann, dem bieten Berater gern Multi-Asset-Fonds an. Das Prinzip der Mischfonds ist bewährt – doch häufig zahlen Kunden für mäßige Leistungen überzogene Gebühren.

Woraus Sie bei Mischfonds achten sollten © photocase

Es ist noch früh am Abend, noch ist nicht allzu viel Wein geflossen, als Björn Drescher beim Publikum Wohlgefühl erzeugt: Knapp 2000 Mrd. Euro verwalteten die Investmentfonds in Deutschland inzwischen – ein Rekord, referiert der Veranstalter zum Auftakt des jährlich stattfindenden "Petersberger Treffens". Die rund 150 Vertreter der Geldanlagebranche im Speisesaal des Steigenberger Hotels hoch über dem Rhein in Königswinter nicken zufrieden.

Doch bevor es ans Dinner geht, so verspricht es das Programm, soll "Tacheles" geredet werden. Und so stichelt Drescher die Manager nach der gefühligen Einleitung mit zwei provokanten Feststellungen. Erstens: Die neu eingeworbenen Milliarden stammen vor allem von Profianlegern – mit denen man kaum Marge macht. Privatanleger haben gerade einmal 15 Mrd. Euro in Fonds eingezahlt. Das entspricht lediglich zwei Prozent der insgesamt verwalteten Gelder dieser Anlegergruppe. Ein mageres Ergebnis angesichts der Tatsache, dass man ganz andere Raten gewöhnt ist: Seit Beginn der 90er-Jahre wuchs das verwaltete Vermögen um im Schnitt 13 Prozent pro Jahr. 
Zweitens: Von den neuen Anlagen profitieren in der Branche nur wenige. Drescher wirft eine Folie mit den Porträts dreier Fondsverwalter an die Wand: Luca Pesarini, Edouard Carmignac, Bert Flossbach. "Diese Herren", ruft Drescher in den Saal, "diese Herren hier haben fast den gesamten Neumittelzufluss abgeschöpft." Der erhoffte Effekt tritt sofort ein: Die Fondsmanager, Anlageberater, Vermögensverwalter an den Tischen tuscheln, schütteln die Köpfe, rufen dazwischen. Und alle wissen genau: Der Absatz von Investmentfonds bei Privatanlegern ist für die Masse der Anbieter zum Erliegen gekommen.

Kein Wunder, dass Experten skeptisch sind. "Der Trend zu verwalteten Lösungen aus einer Hand ist angesichts der Vielzahl neuer Produkte mit Vorsicht zu genießen", resümiert Morningstar-Analystin Barbara Claus. Die Ratingagentur Feri führt derzeit über 1500 Multi-Asset-Fonds in ihrer Datenbank, Tendenz steigend. Renten- und Mischfonds – in diese Kategorien fallen beim Branchenverband BVI die angeblichen Alleskönner – sind neben Immobilienfonds die einzigen Sparten, in denen es in Deutschland bei Privatanlegern im vergangenen Jahr noch Nettozuflüsse gab. Grundsätzlich können die Analysten der Investmentidee durchaus Positives abgewinnen. "Der Ansatz ist im Kern sinnvoll", sagt Feri-Experte Andreas Köchling. "Wenn ein Anleger sein Depot nicht selbst zusammenstellen will und dies auch seinem Bankberater nicht zutraut, ist sein Geld in der Hand einer Fondsgesellschaft gut aufgehoben." Bei den Leistungen der Manager zeige sich in der Praxis jedoch "eine gigantische Spannbreite". Köchling rät daher Privatinvestoren, die mit dem Gedanken spielen, einen Multi-Asset-Fonds zu kaufen: "Hinsetzen, nachdenken und definieren: Was will ich? Der Anlagebedarf definiert das Produkt, nicht umgekehrt."

Wo die Chancen eines Mix aus vielen verschiedenen Anlageklassen locken, drohen auch Risiken (siehe Grafik unten). Ein Aktiencrash kann die Rendite ebenso in die Tiefe reißen wie das Schuldendrama in Südeuropa oder das Platzen der Immobilienblase in den Vereinigten Staaten. Ein Fondsmanager verteilt im ersten Schritt das Vermögen auf unterschiedliche Anlageklassen und entscheidet sich im zweiten Schritt für einzelne Wertpapiere der jeweiligen Klasse. Tappt er bei einem der Schritte daneben, stimmt die Rendite nicht mehr.

Edouard Carmignac und sein Mischfonds Patrimoine sind ein Beispiel für ein Modell, das langfristig funktioniert, aber auch für Performancerisiken, die Wetten auf eine bestimmte Kursentwicklung nun einmal bergen. Der Franzose nutzt die Freiheit, sich in allen möglichen Anlageklassen zu bedienen, so weit wie möglich aus. Auf Immobilienaktien aus Hongkong und deutsche Unternehmensbonds setzt er ebenso wie auf Bankanleihen aus Bahrain oder US-Standardwerte. Wenn er den Börsen nicht traut, reduziert er den Aktienbestand dramatisch.

2008 tat Carmignac dies rechtzeitig genug, um das Jahr mit einer schwarzen Null zu beenden, während die Börsen weltweit um knapp 40 Prozent einbrachen. So wurde er zum Liebling vor allem deutscher Anleger. Das Fondsvolumen hat sich seither versechsfacht auf rund 24 Mrd. Euro. Vor gut zwei Jahren hat Monsieur Carmingnac jedoch die Fortüne verlassen. Seit Mitte 2010 läuft der Fonds seinem Vergleichsindex um mehr als zehn Prozentpunkte hinterher.

Der Beliebtheit des Produkts tut dies keinen Abbruch. Im Gegenteil. Fast jede Investmentgesellschaft, die noch keinen Mischfonds im Angebot führte, hat mittlerweile nachgezogen. Vor allem risikoscheue Kunden fühlen sich mit dem Produkt ausgesprochen wohl. Ein bisschen Rendite, aber nicht zu wenig. Ein bisschen Risiko, aber nicht zu viel. Den Fondsanbietern kommt diese Interessenlage zupass. Sie haben es zumeist mit Leuten zu tun, die schon für eine überschaubare Wertsteigerung bereit sind, Gebühren zu zahlen. Multi-Asset-Produkte sind für die Branche ausgesprochen lukrativ. Die zumeist üppigen Gebühren kompensieren erodierende Erlöse in anderen Fondsgruppen. Zumeist müssen sich die Manager an einem Vergleichsindex messen lassen, der sich aus mehreren Einzelindizes der verschiedenen Anlagekategorien zusammensetzt. Je besser der Fonds relativ zum Index abschneidet, desto höher die Vergütung für die Manager. Diese Performancegebühr wird auf die jährlich erhobene Managementabgabe aufgeschlagen.

Bei der Wahl des Index sind die Fondsgesellschaften völlig frei, was manche Anbieter zu ihren Gunsten nutzen. So bemaß sich die Performancegebühr des Carmignac-Fonds Patrimoine jahrelang am Abschneiden gegenüber einem Aktienkursindex – nicht an einem Performanceindex, der zusätzlich zur Kursentwicklung von Wertpapieren Dividendeneinnahmen berücksichtigt. Je niedriger die zu überspringende Latte liegt, desto leichter fällt es den Fondsmanagern drüber zu springen – und dafür kräftig abzukassieren. Erst in diesem Monat stellte Carmignac auf einen fairen Vergleich mit einem Performanceindex um.

Immer mehr Gesellschaften gehen sogar dazu über, ganz auf einen Vergleichsmaßstab zu verzichten. Das erspart ihnen lästige Debatten über das notorisch schwache Abschneiden. Langfristig scheitern vier von fünf Managern daran, ihren Index zu schlagen. Bei einigen Anbietern kassiert der Fondsmanager bereits dann einen Bonus, wenn sein Produkt absolut an Wert gewinnt. Das gilt für den Multiple Opportunities von Flossbach von Storch ebenso wie für Pesarinis Ethna-Aktiv E. Dieser Fonds verwaltet 3,3 Mrd. Euro, die in Aktien, Staatsanleihen, Unternehmensbonds bis hin zu Ramschpapieren stecken. Zwar weist die Gesellschaft einen Vergleichsindex aus. Die zusätzlich zu den 1,5 Prozent Managementkosten erhobene Performancegebühr wird jedoch unabhängig von der relativen Entwicklung zu diesem Maßstab errechnet. Sie beträgt pro Jahr ein Fünftel der über fünf Prozent hinausgehenden Wertsteigerung. In guten Börsenjahren ein hoher Verzicht für Anleger.

Kreativ ist auch Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS, die ebenfalls auf der Multi-Asset-Welle reitet. Bei dem Mitte 2011 aufgelegten Concept Kaldemorgen, der von Firmenpromi Klaus Kaldemorgen verwaltet wird, geht es darum, "eine Gesamtrendite über Anlagen in verschiedenen Märkten und Instrumenten je nach Konjunkturzyklus und Einschätzung des Fondsmanagements" zu erwirtschaften. Kaldemorgen hat also völlig freie Hand. Einen Vergleichsindex? Gibt es nicht. Das Urteil, ob die binnen Jahresfrist erwirtschafteten zehn Prozent Rendite eine gute Leistung darstellen oder nicht, weil der DAX 25 Prozent zugelegt hat, bleibt dem Investor überlassen. Für die Fondsgesellschaft ist das Produkt in jedem Fall lukrativ. Denn zusätzlich zu den üppigen 1,5 Prozent Managementgebühr kassiert sie 15 Prozent aller Erträge, die oberhalb des aktuellen Geldmarktzinses der Euro-Zone, Eonia, liegen. Und der beträgt derzeit gerade einmal 0,06 Prozent. "Es gibt bei vielen Gesellschaften erheblichen Nachholbedarf, die Gebühren anlegerfreundlich zu gestalten", sagt Morningstar-Analystin Claus. Feri-Experte Köchling fordert, eine Performancegebühr müsse sich stets an der Leistung zu einem passenden und transparenten Vergleichsindex orientieren – nicht aber an willkürlichen Renditezielen.

Fair kalkulierte Angebote sind rar

Dass es auch anders geht, zeigt ein kaum bekanntes DWS-Produkt des ebenso wenig bekannten Fondsmanagers Henning Potstada: Dessen Dachfonds Multi Opportunities II erwirtschaftete in den vergangenen zehn Jahren nach allen Gebühren durchschnittlich je 8,4 Prozent Rendite. Anleger mussten in keinem Zeitraum mehr als zwölf Prozent Verlust verkraften. Trotz der starken Leistung begnügt sich DWS bei den Gebühren mit 0,9 Prozent pro Jahr. Auf eine Performancegebühr verzichtet Potstada.

Ähnlich fair ist das Vergütungsmodell beim Weltfonds Arero konzipiert, den der Mannheimer Finanzprofessor Martin Weber entwickelt hat. Dieser Multi-Asset-Indexfonds investiert stur 60 Prozent des Vermögens in globale Aktien, 25 Prozent in globale Anleihen und 15 Prozent in Rohstoffe – und zwar jeweils über Indizes. Diese Gewichtung wird jährlich wiederhergestellt. Die Verwaltungsgebühr beträgt 0,5 Prozent, Performancegebühren gibt es nicht. Seit 2009 erzielte der Fonds eine Durchschnittsrendite von fünf Prozent pro Jahr und ließ damit nach Berechnungen von Morningstar in jedem Jahr das Gros der Wettbewerber hinter sich.

Aktiv vertrieben wird der Fonds bei Privatanlegern allenfalls von Honorarberatern, denn beim Kauf über eine Börse fällt weder ein Ausgabeaufschlag an, noch zahlt der Anbieter dem Verkäufer eine jährliche Bestandsvergütung. Für die meisten Besucher des Petersberger Treffens sind solche Modelle nicht erstrebenswert. Die Diskussion um Gebührenmodelle und Vergleichsindizes ist ihnen lästig. Warum sollte man auf Einnahmen verzichten, solange die Vertriebsmaschine so gut läuft? Der Chef eines großen britischen Fondshauses bringt es in seinem Vortrag auf den Punkt. "Der einzige Vergleichsindex, der sich gehört, ist die schwarze Null!" Applaus im Saal.

Das ist die 2. Inhaltszeile der Tabelle "Welche Multi-Asset-Produkte auf lange Sicht überzeugt haben
Mischfonds aus Aktien/Anleihen an sicheren Zinspapieren            
Carmignac Patrimoine A
Acatis - Gané Value Event Fonds UI A
Kapital Plus A
FR0010135103
DE000A0X7541
DE0008476250
13,0
35,3
37,1
6,2
7,5
5,2
1,65
1,91
1,15
ja
ja
nein
558,69
181,15
53,88
Das ist die 3. Inhaltszeile der Tabelle "Welche Multi-Asset-Produkte auf lange Sicht überzeugt haben
Multi-Asset-Fonds mit Anlagen über alle Klassen hinweg            
BGF Global Allocation Fund A
Multi Opportunities II
Legg Mason Multi-Manager Balanced
LU0171283459
LU0148742835
LU0196845985
21,8
17,0
21,8
7,5
6,5
7,4
1,77
0,90
2,10
nein
nein
nein
33,28
181,54
120,96
Offensive Multi-Asset-/Mischfonds für möglichst hohe Renditen            
1) in Prozent; 2) letzte laufende Kosten; 3) in Euro
Quelle: Fondsweb.de, Feri Stand 16.1.2012 (Das ist Fußzeile!!)
           
Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen
FvS Multiple Opportunities
DE000A0M8HD2
LU0323578574
73,4
44,3
6,6
8,3
1,51
1,25
ja
ja
87,57
178,81

Keine Tricks!

Im riesigen Reich der Mischfonds verlieren Anleger schnell den Überblick. Drei einfache Regeln, die bei der Auswahl sinnvoller Produkte helfen.
Regel 1
Greifen Sie zum Original! Das Muster wiederholt sich verlässlich: Fahren Gesellschaften mit einer Fondsinnovation Erfolge an den Märkten und im Vertrieb ein, lanciert die ganze Branche schnell ähnliche Produkte. Kaufen Sie keine Fonds, die erprobte Konzepte schlicht kopieren – es sei denn, der verantwortliche Manager hat woanders schon nachweislich erfolgreich gearbeitet. Die Gefahr ist groß, an eine Gesellschaft zu geraten, die auf einer Marketingwelle mitschwimmen will, ohne die entsprechende Kompetenz zu haben. Das gilt für Multi-Asset-Fonds ebenso wie für jede andere Produktgruppe.
Regel 2
Verlangen Sie einen Vergleichsindex! Die Fondsbranche hat ein Problem: Es hat sich herumgesprochen, dass vier von fünf Managern daran scheitern, nach Gebühren ihren Vergleichsindex zu schlagen. Die Reaktion der Anbieter: Sie nennen bei neuen Fonds häufig keinen Vergleichsindex mehr und geben allenfalls weiche Zielvorgaben für Rendite und Volatilität. Die Begründung vermag kaum zu überzeugen: Die Orientierung an einem Vergleichsindex sei ein zu starres Konzept, es gelte vielmehr, Opportunitäten zu nutzen. Akzeptieren Sie solche blumigen Sprüche nicht, und setzen Sie nur auf Produkte, die einen klar definierten Vergleichsindex haben, der sich bei Multi-Asset-Fonds meist aus mehreren Indizes zusammensetzt. Opportunitäten zu nutzen ist auch möglich, wenn die Managementleistung transparent und messbar ist. Eine mögliche Performancegebühr sollte sich zudem immer an der Leistung im Vergleich zum Vergleichsindex orientieren, nie an der absoluten Wertentwicklung.
Regel 3
Setzen Sie auf Erfahrung! Kaufen Sie im Zweifel lieber ein über viele Jahre erfolgreiches Multi-Asset-Produkt. Die Alternative: Bitten Sie Ihren Berater, jeweils überzeugende Fonds für Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilien zu nennen. Die Gebühren sind bei einer solchen Kombilösung meist günstiger als beim Paket in Form eines Multi-Asset-Fonds. Dessen Kosten orientieren sich nämlich eher an denen teurer Aktienprodukte als an denen günstiger Anleihefonds.

Artikel zum Thema
Autor
  • Kolumne
Verglichen, verhandelt, verzockt

Strom- und Handyanbieter stellten Banken weit in den Schatten – zum Leidwesen gerade sozial schwacher Verbraucher. Von Christian KirchnerMEHR

  • Interview
"Die meisten verbrennen mit Kunst Geld"

Thomas Kellein, Kunstberater der Berenberg Bank, über Kunst als Investment und die Mär der hohen Sachwertrenditen.MEHR