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„Wir nähern uns dem Einstiegszeitpunkt“

, Julia Groth

Anleger sollten den China-Crash nicht überbewerten, sagt Fondsmanager Thomas Gerhardt.

Thomas Gerhardt, Leiter des Emerging-Markets-Teams beim Fondsanbieter Edmond de Rothschild
Thomas Gerhardt

Thomas Gerhardt ist Leiter des Emerging-Markets-Teams beim Fondsanbieter Edmond de Rothschild


Capital: Der Welthandel schwächelt. Sollten Anleger sich jetzt auf Unternehmen konzentrieren, die eher vom Binnenkonsum als vom Export leben?

Gerhardt: Schwellenländer-Investoren arbeiten schon seit etwa fünf Jahren mit der Erkenntnis, dass große Emerging Markets wie China immer stärker auf den Konsum als auf den Export setzen. Die Staaten haben erkannt, dass sie den lokalen Konsum stärken müssen, um langfristig unabhängiger zu werden. Das heißt aber nicht, dass die Globalisierung endet. Der Welthandel wächst lediglich nicht mehr so stark wie bisher.

Viele Anleger investieren indirekt in Schwellenländer, nämlich in Aktien von Unternehmen aus entwickelten Märkten, die in Emerging Markets aktiv sind. Ist das unter diesen Vorzeichen noch ratsam?

Die Mischung macht‘s. Schwellenländer-Investoren brauchen in ihrem Portfolio sowohl Unternehmen aus entwickelten Ländern, die sich stark in Schwellenländern engagieren, als auch direkte Investments in Emerging Markets. Unternehmen aus entwickelten Märkten mit starkem Geschäft in Schwellenländern stammen vor allem aus der Technologie-, Automobil- und Luxusgüterbranche. Dazu gehören zum Beispiel Siemens, Hermès und Nestlé. Mit diesen Unternehmen deckt man aber nicht alle Wachstumsindustrien in Emerging Markets ab.

Welche denn nicht?

Zum Beispiel das Thema Infrastruktur. Das kann man nicht abdecken, indem man in westlichen Ländern investiert, denn in Baugesellschaften und Betreiber von Flughäfen oder Mautautobahnen in Schwellenländern kann man nur vor Ort investieren. Auch die lokale Konsumbranche in Emerging Markets sollte man nicht unterschätzen.

"Chinas Wirtschaft kollabiert nicht"

Sind Schwellenländer-Investments bald vielleicht grundsätzlich zu riskant? Die erneuten Kursstürze in China Anfang des Jahres haben Investoren jedenfalls in Aufregung versetzt.

Ich bin immer überrascht, wenn ich sehe, wie stark sich ausländische Anleger auf den Markt für chinesische A-Aktien, die an den Börsen in Schanghai und Shenzhen gehandelt werden, fokussieren. Er spiegelt nicht die Wirtschaftsentwicklung wider. Die chinesische Wirtschaft ist in den vergangenen 15 Jahren pro Jahr um rund zehn Prozent gewachsen. Der Aktienmarkt hat nicht mitgezogen, er hinkte der wirtschaftlichen Entwicklung massiv hinterher.

Gibt es also überhaupt keinen Grund zur Sorge?

Man muss die Entwicklung am Aktienmarkt getrennt von der Wirtschaftsentwicklung betrachten. Das Wirtschaftswachstum in China schwächt sich ab, wir müssen uns von den hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre verabschieden. Chinas Wirtschaft kollabiert aber nicht. An Chinas lokalen Aktienmärkten kommen andere Faktoren zum Tragen: Es gibt einen Regulator, der einen Schlingerkurs fährt, heute Regeln aufstellt und sie zwei Wochen später wieder ändert. Das regulatorische Umfeld in China ist für Anleger unberechenbar geworden. Und es gibt eine Gruppe lokaler Investoren, der es an Börsenerfahrung mangelt. Das Investitionsverhalten einiger chinesischer Anleger ähnelt dem Verhalten von Besuchern eines Spielkasinos. Das lässt die Kurse stark schwanken.

Emerging-Markets-Anleger sollten also nicht zu genau auf den chinesischen Aktienmarkt schauen. Worauf denn dann?

Wir hatten in den vergangenen fünf Jahren ein eher schwieriges Umfeld für Schwellenländer-Anlagen. Meiner Meinung nach sind wir jetzt am Scheidepunkt angelangt. Einerseits sieht momentan kein Investor irgendetwas Positives in Schwellenländern, sodass die Erwartungen an Emerging-Markets-Aktien sehr niedrig sind. Ich kann nicht versprechen, dass die Stimmung morgen dreht. Andererseits glaube ich aber, dass die Realität nicht so schlimm ist wie die Erwartungen, die eingepreist sind. Wir nähern uns deshalb Schritt für Schritt einem günstigen Einstiegszeitpunkt.


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