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Wie Anleger vom Ölpreisverfall profitieren

, Nadine Oberhuber

Der niedrige Ölpreis erschreckt einige Anleger am Aktienmarkt. Aber es gibt Papiere, die vom Preisverfall profitieren. Von Nadine Oberhuber

Ölpumpe
Ölpumpe im Einsatz: Auf dem Weltmarkt herrscht ein Überangebot

Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über GeldanlagethemenNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Sinkende Kurse sind für Anleger selten ein Grund zur Freude. Da machte der Ölpreis keine Ausnahme. Seit Anfang 2012 ist der Ölpreis um gut 70 Prozent abgeschmiert auf 37 Dollar je Barrel. Das erschreckte viele Börsianer und führte dazu, dass Aktienanleger zuletzt verhalten reagierten. Die große Jahresendrally, auf die viele gehofft hatten, fiel weitgehend aus. Das billige Öl bot Anlass zur Sorge. Aber warum eigentlich? Schließlich heißt es doch oft: Das preiswerte Öl wirke wie eine Konjunkturspritze und beflügele ganze Volkswirtschaften eher.

Im Grunde tut es das ja auch. Zumindest hierzulande ist das so. Öl ist einer der meistverwendeten Rohstoffe überhaupt auf der Welt. Und etliche Unternehmen können sich durch die billigen Ölpreise günstiger mit Rohwaren und Energie eindecken. Zudem haben auch die Verbraucher mehr Geld in der Tasche, weil die Rechnung beim Tanken nicht mehr so üppig ausfällt. Was den Börsianer aber Angst macht: Die sinkenden Preise von Brent und WTI Öl sind ein Zeichen dafür, dass einer der Hauptabnehmer der Welt weniger Energie konsumiert – nämlich China. Auf die Volksrepublik sind bereits seit geraumer Zeit alle Finanzmarktaugen gerichtet, weil mit ihrem Wirtschaftswachstum inzwischen ein Großteil des Wachstums in der Welt steht und fällt. Verbraucht China weniger Energie, heißt das nichts anderes als: Seine Industrie produziert weniger, das Wachstum schwächt sich also tatsächlich ab.

Zudem heißt der Preisverfall am Ölmarkt aber auch, dass hiesige Unternehmen und westliche Ölförderländer weniger verdienen. Mineralölkonzerne sind in vielen Ländern Schwergewichte an den Börsen, wie die amerikanische Exxon Mobil, die britische BP, die niederländisch-britische Shell, Chevron in Brasilien oder Total und Eni in Frankreich beziehungsweise Italien. Diese Konzerne allein steuern mehr als 2 Billionen Dollar zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Und es ist die Frage, wie viel von ihren Umsätzen sie einbüßen, je länger der ruinöse Preiskampf am Ölmarkt andauert, was natürlich auch das Wachstum weltweit entsprechend schwächt.

Ölpreis bei 20 Dollar?

Dazu kommt noch die bange Frage: Werden alle Ölförderunternehmen es überleben, wenn der Preis längerfristig unter 40 Dollar bleibt – wovon die meisten Analysten ausgehen? Gerade in den Vereinigten Staaten sind zuletzt viele Milliarden Dollar an Risikokapital in den Aufbau von Fracking-Betrieben geflossen. Der Schieferölabbau wurde lange mit großen Summen gefördert, weil die Ölgewinnung auf diese Art profitabel war, solange der Ölpreis noch auf Höchstpreisen notierte. Unter 100 Dollar pro Barrel jedoch könnten einige Unternehmen ihre Kosten nicht mehr decken, mahnen Branchenbeobachter und unter 40 Dollar wird es sogar für die herkömmlichen Ölförderer schwer. Selbst die klassischen Ölländer wie Saudi-Arabien, Katar und Irak tun sich bei diesen Preisen schwer.

Dennoch spülen alle wie verrückt Öl auf den Markt. Die US-Frackingkonzerne wollen partout nicht aufgeben. Und die Länder am Golf müssen schließlich auch ihre Staatskassen übers Öl finanzieren. Inzwischen sind auch die Lager so voll, wie sie es zu dieser Jahreszeit seit 1930 nicht mehr waren, sagen Schätzungen. Und eine Trendwende bei Fördermengen und Preisen ist nicht in Sicht, auch wenn der Ölpreis zuletzt wegen der Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien etwas zugelegt hat. Die Investmentgesellschaft Goldman Sachs geht davon aus, dass der Ölpreis 2016 noch die 20 Dollar-Marke sehen wird.

Was heißt das nun alles für Anleger? Sofern sie „bloß“ superkonservative Sparer sind, sollten sie jetzt vor allem eines tun: Ihre eigenen Ölreserven auffüllen, wenn sie noch mit Öl heizen und genießen, dass der Spritpreis günstig ist. Man kann aber auch versuchen, etwas Profit aus dem sinkenden Ölpreis zu schlagen, indem man nämlich auf genau die Branchen setzt, die am meisten davon profitieren.

Chancen für Fluglinien und Chemiekonzerne

Gute Chancen rechnen Wirtschaftsexperten da vor allem den Fluggesellschaften aus. Bei ihnen entfallen schließlich rund 30 bis 40 Prozent der Betriebskosten allein auf Kerosinausgaben. Und wenn sie diesen Grundstoff demnächst noch billiger bekommen, könnte das den Aktien deutlichen Auftrieb verpassen. Etwas gewagter aber dennoch nicht ganz unwahrscheinlich ist auch, dass einige Automobilhersteller einen Schub bekommen könnten. Wenn Fahrer beim Benzin nicht mehr auf den Cent gucken müssen, könnte das vielleicht wieder stärker den Absatz von Autos ankurbeln, die eher zur Sorte der Spritschlucker gehören. Das ist zugegeben ein bisschen unwahrscheinlich, weil sich kaum jemand wegen der Aussicht auf kurzfristig niedrige Tankkosten gleich ein größeres und sauffreudigeres Auto zulegen wird. Zudem ist fraglich, ob diejenigen, die bisher auf geringen Benzinverbrauch achteten auch diejenigen sind, die überhaupt das Fahren von SUVs oder Großkarossen in Betracht ziehen. Eine kleine Möglichkeit der Umsatzsteigerung für Autokonzerne besteht aber immerhin.

Ganz sicher aber wird der niedrige Ölpreis die Chemieindustrie betreffen und zwar positiv. Allein die deutschen Chemiekonzerne verbrauchen pro Jahr 16 Millionen Tonnen Rohöl. Und einige Unternehmensvorstände haben schon angekündigt, dass sie ihre gesunkenen Einkaufskosten über niedrigere Preise an ihre Kunden weitergeben wollen. Das macht ihre Produkte natürlich attraktiver und könnte zu einem Absatz- und Gewinnsprung führen.

Ins Risiko gehen mit Hebelprodukten

Von daher wäre es für spekulativ veranlagte Anleger keine schlechte Idee, auf Aktien der Fluggesellschaften oder der Chemieindustrie zu setzen. Wer noch mehr wagen und wirklich etwas riskieren will, der kann schließlich auch direkt auf den weiter fallenden Ölpreis setzen. Zum Beispiel mit einem Put Optionsschein, mit dem der Anleger dann gewinnt, wenn der Kurs verliert. Oder mit einem Short ETF auf den WTI Kurs. Oder sogar mit einem Mini-Future Short, der sogar gehebelt auf den weiteren Verfall des Ölpreises setzt. Das heißt, dass das Papier die Kursdifferenz des Öls um ein Vielfaches nachvollzieht. Beträgt also der Hebel beispielsweise 4 und der Ölpreis fällt um zehn Prozent, dann stiege der Kurs des Papiers um 40 Prozent. Sänke der Wert des Öls also tatsächlich noch auf 20 Dollar, also um 50 Prozent wären 200 Prozent Gewinn drin.

Umgekehrt ist das Verlustrisiko bei solchen Optionsscheinen und Zertifikaten aber auch besonders groß, wenn sich der Ölpreis nicht entwickelt wie erhofft. Manche verfallen wertlos, bei anderen schrumpft nur die erhoffte Rendite, wieder andere produzieren gar enorme Verluste. Daher sollte man sich vor allem bei Hebelprodukten genau informieren, welche Bedingungen der Anbieter damit verknüpft. Und wenn man sich da nicht sicher ist: Vielleicht doch lieber vorsichtiger sein und darauf setzen, dass stattdessen der Kurs einer Fluglinie abhebt – oder dass man Heizöl auch noch billig nachkaufen kann wenn der Winter vorbei ist.


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