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Was ist an den Märkten los, Herr…?

, Christian Kirchner

An den Finanzmärkten geht es seit Jahresbeginn turbulent zu: Capital hat Anlagestrategen nach ihrer Einschätzung befragt.

Händler an der New York Stock Exchange © Getty Images
Wohin geht die Reise? Unter den Finanzmarktprofis gibt es unterschiedliche Meinungen über die Richtung

Kommt das Wirtschaftswachstum in Europe 2016 endlich in Schwung – und mit ihm die Aktienkurse?

„Nein – schließlich hat schon die (fast) beste aller Welten nur für mageres Wachstum gesorgt“, glaubt Frédéric Leroux, Portfoliomanager der französischen Investmentgesellschaft Carmignac.

„Nein, wir halten umgekehrt den Optimismus für Europa für überzogen. Fragen wir uns doch umgekehrt: wenn selbst der drastische Verfall der Ölpreise, historisch rekordtiefe Zinsen und der schwache Euro lediglich für ein Wachstum von 1,5 Prozent in Europa gereicht haben, wo läge das Wachstum denn bei einem Wegfall einer dieser unterstützenden Faktoren?

Die Lage ist wirtschaftlich eher fragil, und die Kombination aus einem wirtschaftlichen Abschwung und der sinkenden Liquidität ergibt in vielen Märkten eine toxische Kombination, die zur Vorsicht mahnt. Nimmt allerdings die Bewertungen der europäischen Aktien als Maßstab, kann von Pessimismus keine Rede sein, denn selbst auf dem nun reduzierten Niveau sind Aktien nicht wirklich günstig. Wir haben die Aktienquoten in unseren Fonds in die Nähe der Minima abgesenkt.“

Löst der Verfall der Ölpreise eine neue Schwellenländerkrise aus?

"Nein, wir stecken inmitten einer unbegründeten Panik am Rohstoffmarkt, die Preise sind trotz steigender Nachfrage auf dem Niveau der späten 90er Jahre", sagt Jean-Jacques Durand, Fondsmanager des Edmond de Rothschild Emerging Bonds bei Edmond de Rothschild Asset Management.

„Die Betrachtung der Öl- und Rohstoffpreise trägt derzeit Züge einer unbegründeten Panik. Die Wirtschaft in China ist nicht im freien Fall. Vielmehr steigt die Ölnachfrage – auch aus China – weiter. Von einem Nachfrageproblem kann deshalb keine Rede sein. Und dennoch sind die Rohstoffpreise auf das Niveau von 1998 gefallen. Das ist eine extrem niedrige Basis, in die schon pessimistische Annahmen eingeflossen sind.

An den Kapitalmärkten hat diese getrübte Haltung aufgrund der deutlich gesunkenen Liquidität umso stärkere Ausschläge ausgelöst. Fraglos wird es Länder geben, die große Schwierigkeiten haben werden, mit den gesunkenen Rohstoffpreisen umzugehen. Aber neben dem bereits grassierenden Pessimismus gibt es zwei weitere Gründe, die gegen eine Krise in der Breite sprechen: zum einen die heute weitaus höheren Reserven der Schwellenländer, zum anderen die meist flexiblen Wechselkurse. Über gesunkene Wechselkurse steigt die Wettbewerbsfähigkeit vieler Länder wieder automatisch und macht sie attraktiv.

Man sollte sich aber auch davor hüten, voreilige Schlüsse über Länder zu ziehen, die eine sehr hohe Rohstoffabhängigkeit aufweisen. Das gilt etwa für Venezuela, einem Land, das überwiegend vom Ölexport lebt und dessen Wirtschaftssystem häufig als kaputt bezeichnet wird. Das muss aber nicht heißen, dass Venezuela ein schlechter Schuldner ist. Denn während einige südamerikanische Länder in den 80er- und 90er-Jahren quasi vollständig von ausländischen Kapitalgebern abhängig waren und ihre Gläubiger zufriedenstellen mussten, konnten andere Länder – mit einer stärker diversifizierten Wirtschaft und anderen Einnahmequellen – externen Geldgebern im Zuge von Zahlungsausfällen die kalte Schulter zeigen.“

Kann die so genannte Deutschlandrente – also eine kapitalgedeckte, günstige und vom Staat verwaltete Altersvorsorge – den Deutschen mit sanftem Zwang bessere Renditen auf ihre Altersvorsorge bescheren?

"Das Ziel ist richtig, aber der Weg taugt nichts", glaubt Christoph Bruns; er ist Manager des Aktienfonds Loys Global.

Wenn der Staat ein Interesse daran hätte, dass die Menschen höhere Renditen erzielen, könnte er beispielsweise einfach und unbürokratisch die Anlage in einem rentablen, transparenten und liquiden Produkt fördern: der Aktie. Der Staat könnte zumindest die Strafbesteuerung von Aktien aufheben. Schließlich kassiert er zweimal Steuern auf erzielte Gewinne: einmal auf Ebene der Unternehmen und anschließend nochmal auf Ebene der Anleger durch die Besteuerung von Dividenden. 

Außerdem kann von einem Mangel an Anlageprodukten in Deutschland keine Rede sein – Wozu dann ein weiteres Produkt? Zudem bleibt zu konstatieren: der Staat kann es doch auch nicht besser. Wieso sollte jemand besser Geld verwalten können, der seit Ende der 60er-Jahre fast immer mehr ausgegeben als er eingenommen hat – und mit der Einführung der Riester- und der Rürup-Rente zwei fragwürdige Vorsorgemodelle geschaffen hat?“


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