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Was der lahme Welthandel für Anleger bedeutet

, Marlene Hartz

Der Welthandel schwächelt, von früheren Wachstumszahlen ist er weit entfernt. Das hat Folgen für Privatanleger. Von Marlene Hartz

Containerschiff
Der globale Warenaustausch wächst nicht mehr so schnell wie noch vor ein paar Jahren

Ökonomen zeigen sich besorgt: Der Welthandel wächst seit einiger Zeit nicht mehr so stark wie früher. Das Alarmierende daran: Ein Abwärtstrend im Welthandel gilt als Indiz dafür, dass die globale Wirtschaft auf eine Rezession zusteuert. Vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 legte der Welthandel in der Regel um mehr als fünf Prozent pro Jahr zu. Im vergangenen Jahr wuchs er nur noch um ein Prozent.

Hauptgrund für den schwachen Handel ist die schwierige Wirtschaftslage in den Schwellenländern. Russland und Brasilien etwa befinden sich in einer Rezession, auch andere Emerging Markets haben wirtschaftliche Probleme. „All das beeinträchtigt die Wachstumsdynamik der Schwellenländer und begrenzt damit deren Nachfrage nach Exportgütern“, sagt Axel Angermann, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Feri Trust. Die Schwellenländer zeichnen mittlerweile für mehr als die Hälfte der weltweiten Im- und Exporte verantwortlich. Deshalb wirke sich ein Nachfrageeinbruch dort unmittelbar auf den Welthandel aus, erklärt der Ökonom.

Auch die jüngsten Turbulenzen in China belasten den Welthandel. Als China im Jahr 2001 der Welthandelsorganisation WTO beitrat, verschaffte das den globalen Exporten enormen Rückenwind. Seit einigen Jahren setzt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt allerdings weniger stark auf Ausfuhren und will stattdessen den Binnenkonsum ankurbeln. In der Folge wächst die chinesische Wirtschaft langsamer als zuvor. „In Zeiten eines deutlich schwächeren Wachstums in China fällt dort auch die Nachfrage nach Gütern aus dem Ausland geringer aus“, sagt Angermann.

Kleiner Hoffnungsschimmer

Der Handel zwischen den Industrieländern kann die rückläufigen Im- und Exporte in den Emerging Markets nicht kompensieren. Erstens wachsen viele Industrieländer selbst nur moderat. Zweitens wollen immer mehr entwickelte Staaten für sich bleiben: Die Attraktivität supranationaler Einheiten wie der Europäischen Union nehme ab, sagt Karsten Junius, Chefvolkswirt der Bank J. Safra Sarasin. „Das drückt sich gewöhnlich in einer stärkeren ökonomischen Autonomie aus.“ Er beobachtet in mehreren Wirtschaftsräumen eine Hinwendung zum Binnenhandel.

Der schwache Welthandel wirkt sich auch auf die Rahmenbedingungen an den Aktienmärkten aus. „Er ist ein Indikator dafür, dass die Risiken gestiegen sind“, sagt Feri-Ökonom Angermann. Anleger haben die Zeichen offenbar erkannt: Die Volatilität an den Aktienmärkten ist zuletzt gestiegen. Die kommenden Monate werden unruhig bleiben, sagen Marktbeobachter. Vor allem Schwellenländer-Investments sind jetzt riskant. „In den Schwellenländern sind weitere Markteinbrüche möglich“, sagt Angermann. Er sieht derzeit in Europa bessere Chancen für Aktieninvestoren.

Trotz des durchwachsenen Ausblicks besteht für Anleger kein Grund zur Panik. „Ein schwacher Welthandel bedeutet nicht automatisch, dass die Welt in eine Rezession fällt“, sagt Angermann. „Immerhin sehen wir positive, wenn auch schwache Zuwächse im Welthandel, und keinen absoluten Rückgang.“ In den kommenden Monaten könnte sich die Lage sogar etwas verbessern: Bei Feri rechnet man damit, dass der Welthandel im laufenden Jahr wieder um drei Prozent wachsen wird – und damit dreimal so stark wie im vergangenen Jahr.


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