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Was Anleger jetzt wissen müssen

, Daniel Saurenz

Die Aktienmärkte sind 2016 im Crash-Modus. Doch gerade jetzt ergeben sich Einstiegschancen für mutige Anleger. Von Daniel Saurenz

Dax-Kurve an der Frankfurter Börse © dpa
Seit Jahresbeginn geht es mit den Aktienkurs meist nur in eine Richtung: bergab

Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


Erinnern Sie sich noch an das Frühjahr 2015? Es herrschte Partylaune an der Börse, der Tag der Aktie wurde gefeiert, Analysten verkündeten Kursziele von 13.000 Punkten, Anlagestrategen erklärten die Aktie zur alternativlosen Anlageform und Banken riefen die Zinswende in den USA aus, weil angeblich alles rosarot war.

Im Februar 2016 ist angeblich alles dunkelschwarz, Bankanalysten senken ihre erst im Dezember erstellten Kursziele für den Dax und rudern bei Zinsprognosen zurück. Anleger verunsichert so etwas – sie benötigen einen Kompass. Den sollen sie bekommen, denn Hysterie in die eine oder andere Richtung hilft nicht weiter. Die Aktienmärkte sind angeschlagen, doch jetzt sind die Risiken sichtbar.

Vorteile gegenüber Frühjahr 2015

Die Aktienmärkte sind 2016 also im Crash-Modus und der Dax hat mit 3500 Punkten von seinem Höchststand in reinen Punkten fast soviel abgegeben wie zwischen Anfang 2008 und März 2009 – dem Höhepunkt der Finanzkrise. Viele Investoren realisieren gegenwärtig, dass in Zeiten von negativen Zinsen auf Staatsanleihen in Deutschland, Japan oder Frankreich eine neue Assetklasse entstanden ist – nämlich Cash.

Solange private Investoren für Cash keine negativen Zinsen zahlen müssen und in Zeiten von fehlender Inflation Werterhalt selbst durch Geld „parken“ möglich ist, etabliert sich Cash als Anlageklasse. Doch auch Aktien könnten bald wieder gesucht sein, man sollte jetzt mutiger werden und nicht ängstlicher, wie viele verkünden. Absicherung ist dann das Gebot der Stunde, wenn sie günstig ist – jetzt ist sie teuer und kommt zu spät. Dividenden dagegen könnten schon bald wieder eine Rolle spielen.

Die Stunde der Schwarzmaler

Die USA haben mit ihrer Zinswende einen großen Fehler begangen, weil sie zur Unzeit kam. Nun muss Fed-Chefin Janet Yellen zurückrudern, der Markt hat bereits alle Zinserhöhungen 2016 ins Reich der Fabel verwiesen. Wer als Analyst noch immer von Zinswende und Zinsschritten philosophiert, muss nur passende Daten bemühen, um überzeugt zu werden.

Der Ölmarkt trägt seinen Teil zur Unsicherheit bei, Sorgen um Länder wie Norwegen oder Saudi-Arabien kommen auf, dazu schießen aufgrund mancher Finanzierung die Kreditversicherungen für Banken in die Höhe. Schwache US-Wirtschaftsdaten am Rande der Rezession runden das Gesamtbild ab, zu China muss man schon gar nichts mehr sagen.

Doch es gibt auch positive Aspekte, die momentan niemand hören will, die gleichsam vor einem Jahr überbetont wurden. Die Volatilität am Markt ist extrem hoch, die Angst groß. Oftmals waren es gerade diese Zeiten, in denen ein Aktienkauf mittelfristig sehr sinnvoll war, man erinnere sich nur an die Jahre 2011 und vor allem 2009. Sie kaufen den Dax jetzt fast 30 Prozent günstiger als vor einem Jahr, eine Abschwächung der Wirtschaft ist in Kursen bei Daimler, BMW, Siemens oder Bayer eingepreist.

Wir stellen Ihnen hier Anlagepapiere vor, mit denen Sie sinnvoll agieren können. Dazu gehören ETFs, die Sie beispielsweise via Sparplan bei Brokern wie Comdirect umsetzen können, ein Dax-ETF mit WKN LYX0AC wäre eine gute Wahl. Discountzertifikate, Discount-Calls auf den Dax oder Capped-Bonuspapiere sind ebenfalls eine gute Ergänzung, sie profitieren darüber hinaus positiv von der hohen Volatilität. Bei Discountpapieren bietet sich auf den Dax die WKN CC0TE8 mit Cap bei 9000 Zählern eine gute Wahl.

Positives wird ignoriert

Warum aber sollten Anleger gerade jetzt in Aktien, in Sparpläne oder Produkte investieren? Jochen Stanzl vom Broker CMC sieht den Dax beispielsweise charttechnisch bis 8500 Zähler fallen, auch Franz-Georg Wenner von Indexradar tendiert zu dieser Zielmarke. Doch zum einen wird kaum jemand das Tief am Markt exakt treffen, zum nnderen geht es darum, seine Investitionsquote jetzt zu erhöhen.

Absicherungen sind günstig, wenn die Volatilität niedrig ist, wenn keine Angst vorherrscht, wenn die Kurse oben sind. Jetzt werden Risiken abgebildet und Anleger erhalten für die Risiken auch entsprechenden Chancen. Dieses Umfeld tut weh, es ist aber besser als jenes vor einem Jahr. Nur wird momentan die Lage grundsätzlich negativ beurteilt.

So werden in Europa die positiven Aspekte des Ölpreises überdeckt. Seit mehr als einem Jahr wirkt der niedrige Preis wie ein Konjunkturprogramm, der Konsum stützt viele Volkswirtschaften und hilft gerade Konzernen in Deutschland. Des Weiteren ist in China nicht alles so schlecht, die positiven Meldungen werden nur ignoriert. Die jüngsten Autoabsatzzahlen für Januar waren längst nicht so schlecht, wie man glauben könnte.

Natürlich dürfte die chinesische Wirtschaft deutlich schwächer sein, als sie nach den offiziellen Daten aussieht. In den ersten elf Monaten 2015 sanken die chinesischen Importe um 14,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum lag der Stromverbrauch um lediglich 0,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Derartige Zahlen passen überhaupt nicht zu den offiziellen Daten, die ein Wirtschaftswachstum von knapp sieben Prozent ausweisen. Von sieben Prozent geht aber auch niemand mehr aus, das ist in den Kursen längst eingepreist.

Erst die Schmerzen dann das Geld

Völlig ausgeblendet wird die Bewertung am Aktienmarkt. US-Aktien wie Facebook, Starbucks, Amazon, Netflix oder Tesla waren noch vor Wochen heillos überteuert. Sie wurden damals abgefeiert. Margen und Gewinnerwartungen ignorierte der Markt, nur Umsatz war Trumpf.

Nun korrigieren jene Titel und zwar zu Recht. Man muss sie in der Bewertung und Perspektive aber gesondert betrachten. Stockpicker finden schon jetzt auch günstige Perlen, gerade im Dax. In Deutschland sind viele Aktien zu einem sehr niedrigen KGV zu haben, sie wurden auch im Buchwert massiv gestutzt. Linde, Daimler, BASF, Münchner Rück oder Fresenius sind nur einige Beispiele. Berücksichtigt man die Dividendenrendite im Vergleich zu Negativzinsen am Anleihemarkt, so sollte ein Wiederentdeckung dieser Vorzüge eine Frage des Wann und nicht des Ob sein. Defensiv kann man mit Discountzertifikaten wie der WKN VS43BU auf Daimler oder einem Memory-Express wie der SG7DMH schicke defensive Investments tätigen.

Crashs oder Korrekturen am Markt haben einen großen Vorteil: Danach liegen die Risiken klar auf der Hand – man kauft mit ungutem Gefühl, doch das wird mittel- und langfristig meistens belohnt. Anleger sollten sich an einen schon sehr alten Spruch erinnern: Aktiengewinne waren und sind Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld.


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