• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Geldanlage

Warum sich nordische Aktien rentieren

, Julia Groth

Die nordischen Länder leiden unter dem Ölpreisverfall und hausgemachten Problemen. Skandinavien-Aktien können trotzdem einen guten Beitrag zur Portfolio-Diversifizierung leisten. Von Julia Groth

Gebäude der Osloer Börse © Stein Henningsen
Gebäude der Osloer Börse

Diskutieren Anleger darüber, welche Länder Europas Wirtschaftswachstum bremsen, geht der Blick in der Regel gen Süden. Die Mittelmeer-Anrainer gelten als chronisch klamm, chaotisch organisiert, eher kreativ als gekonnt regiert. Mit dieser Meinung taten Investoren Europas Süden allerdings zuletzt Unrecht. In den meisten Mittelmeerländern wächst die Wirtschaft. Die Sorgenkinder Europas findet man jetzt anderswo: im vermeintlich grundsoliden Norden.

Besonders düster sieht es in Finnland aus. Für die finnische Wirtschaft könnte 2015 das vierte Rezessionsjahr in Folge werden. Im dritten Quartal schrumpfte sie um 0,6 Prozent – so stark wie in keinem anderen Land der Eurozone. Vor allem die Rezession beim Nachbarn und Exportpartner Russland macht Finnland zu schaffen. Hinzu kommen hausgemachte Probleme: Der Handyhersteller Nokia, einer der wichtigsten Arbeitgeber und Steuerzahler des Landes, hat den Smartphone-Trend verschlafen und ist in den vergangenen Jahren in der Bedeutungslosigkeit versunken.

Viele Finnen machen den Euro für die Wirtschaftsmisere verantwortlich. Sie verweisen darauf, dass sich die Wirtschaft im Nachbarland Schweden zuletzt deutlich besser entwickelt hat. Als Reaktion auf ein Volksbegehren diskutiert das finnische Parlament im kommenden Jahr über einen möglichen Abschied vom Euro.

Leichte Deflation in Schweden

In Schweden zeigt sich die Wirtschaft dagegen stabil. Das Land leidet allerdings unter der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). In ihrer Sitzung am 3. Dezember könnte die EZB ihre Geldpolitik noch weiter lockern. Für die Schweden wäre das schlecht: Die schwedische Krone würde dann gegenüber dem Euro an Wert gewinnen – ein Wettbewerbsnachteil für schwedische Exporteure. Auch die schwedische Notenbank setzt deshalb auf eine extrem expansive Geldpolitik. Die Währungswächter wollen damit auch die Teuerung ankurbeln. Im laufenden Jahr rutsche Schweden zeitweise in eine leichte Deflation.

Norwegen hat derzeit keine Probleme mit zu niedriger Inflation. Mit 3,1 Prozent liegt die Teuerungsrate sogar über dem offiziellen Ziel der norwegischen Zentralbank. Allerdings seien die Einzelhandelsumsätze zuletzt gefallen, berichtet Hagen-Holger Apel, Volkswirt bei DNB Asset Management. Und nicht nur das: „Die Arbeitslosenquote ist mit 4,6 Prozent auf den höchsten Wert seit 2006 gestiegen“, sagt Apel. Mehrere Volkswirte haben ihre Prognosen für das norwegische Wirtschaftswachstum bereits nach unten korrigiert.

Europas größter Öl-Exporteur kämpft mit den Folgen des Ölpreisverfalls. Der norwegische Öl- und Gasriese Statoil, der bereits im Jahr 2013 auf einen Sparkurs eingeschwenkt ist, kündigte im Sommer weitere massive Stellenstreichungen an, die vor allem den Heimatmarkt Norwegen betreffen werden. Im kommenden Jahr wird die Regierung in Oslo voraussichtlich zum ersten Mal mehr Geld aus dem milliardenschweren Staatsfonds entnehmen, als durch Einnahmen aus dem Öl- und Gas-Geschäft hineinfließt.

Beitrag zur Portfolio-Diversifizierung

Die Folgen des niedrigen Ölpreises sind unangenehm für das nordische Land, können die Wirtschaft aber bislang nicht ernsthaft beschädigen. Sollte sich die Lage verschärfen, wird es indes schwierig. Um die Auswirkungen des Ölpreisverfalls abzufedern, hat Norwegens Zentralbank im laufenden Jahr bereits mehrfach den Leitzins gesenkt, auf rekordtiefe 0,75 Prozent. Sollte Öl dauerhaft billig bleiben, kann sie – im Gegensatz zur schwedischen und dänischen Notenbank – kaum Anleihekäufen als weiteren Stimulus nutzen. Grund: Der norwegische Staat hat sich bislang kaum über Staatsanleihen finanziert. Es gibt deshalb schlicht zu wenige Papiere, als dass die Notenbanker in großem Stil zugreifen könnten.

Wer in nordeuropäische Aktien investiert ist, etwa über Fonds, sollte trotz dieser Probleme daran festhalten. Nordeuropa-Investments können für Anleger aus dem Euroraum nämlich einen guten Beitrag zur Portfolio-Diversifizierung leisten. Das liegt vor allem daran, dass außer Finnland kein nordisches Land der europäischen Währungsunion angehört. Gewinnt der Euro gegenüber der schwedischen, norwegischen oder dänischen Krone an Wert, freuen sich nordische Exporteure, die Waren in die Eurozone liefern, über steigende Gewinne.


Artikel zum Thema
Autor
  • Anleihen
Italien-Krise lässt Rentenmarkt kalt

Die Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen könnten in den kommenden Monaten trotz aller Probleme sinken, die Kurse steigen.MEHR

  • Fonds
Britische Immo-Fonds in Not

Die Probleme bei den britischen Immobilienfonds rufen die Regulierer auf den Plan. Wie groß ist die Ansteckungsgefahr? Von Julia GrothMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.