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Wahljahre sind gute Börsenjahre

, Nadine Oberhuber

Der Wahlkampf um die US-Präsidentschaft ist in vollem Gange. Die Börsen werden darauf reagieren. Wenn Anleger die Muster kennen, können sie mitverdienen. Von Nadine Oberhuber

Donald Trump © Getty Images
Donald Trump ist für Börsianer schwer einzuschätzen

Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 


Die Spannung ist groß in den Vereinigten Staaten. Am sogenannten Super-Tuesday ist eine Vorentscheidung gefallen, welche beiden Bewerber in den kommenden Monaten um das Amt des Präsidenten streiten werden. Alles scheint auf ein Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hinzudeuten – auch wenn die US-Vorwahlkämpfe schon oft für Überraschungen gut waren. Das spannendste Duo wären diese beiden allemal, sowohl menschlich als auch im Hinblick auf die Börsen. Denn tatsächlich wissen viele Finanzmarktbeteiligte nicht, was sie von den beiden Kandidaten halten sollen.

Von Hillary Clinton nehmen zwar alle an, dass sie in bester Tradition Barack Obamas Kurs fortführen würde. In vielen Punkten ist sich die Ex-Außenministerin mit dem Jetzt-Präsidenten einig. Doch Clinton hat die Börsengemeinde auch schon mit einigen ihrer Aussagen geschockt. Seit der Finanzkrise von 2008 setzt sie sich für eine Beschränkung hochriskanter Finanzgeschäfte ein und ebenso für eine Besteuerung des Hochfrequenzhandels. Das löste an der Wallstreet bereits ein Raunen und einige Nervosität aus. Interessanterweise finden sich dennoch viele Investmentbanker unter ihren Parteispendern. Das zeigt, dass diese Klientel die etablierte Hillary Clinton nichtsdestotrotz für eine eher berechenbare Politikerin hält. Aber eine Garantie dafür, dass die Investmentbranche deshalb eher von Reformen verschont bleibt, scheint das nicht zu sein.

Aufsehen erregte Clinton auch mit ihren Äußerungen zu teuren Pharmaprodukten. Vernehmlich kritisierte sie die teuren Mittel der Arzneimittelhersteller, damit verschreckte sie auch die Anleger an der Börse, die daraufhin die Kurse der Pharmafirmen auf Talfahrt schickten. Welche Konsequenzen nun eine mögliche Präsidentschaft Clintons für diverse Bereiche der Industrie und Finanzbranche hätten, werden die Wähler und Börsianer wohl abwarten müssen.

„Weltklassegeschäftsmann“ Trump

Und Donald Trump? Ihn und seinen künftigen Kurs beschreibt ganz sicher ein großes Fragezeichen am besten. Als solches stellt er sich nämlich bisher noch für seine Anhänger und Gegner dar, zumindest was seine wirtschaftspolitischen Ansichten betrifft. Zwar erklärt er sich selbst zum großen Freihandelsvertreter, doch stellt er genauso klar, dass er sich mit den derzeitigen Handelsabkommen der USA nicht wirklich arrangieren kann. Er würde stattdessen lieber den Freihandel einschränken und plädiert für hohe Schutzzölle auf ausländische Waren, insbesondere aus China. Inwiefern das aber tatsächlich der amerikanischen Wirtschaft helfen oder ihr nicht eher schaden würde, bleibt die offene Frage.

Außerdem ist Trump zwar selbst Milliardär (auch wenn die Statistiker über die wahre Höhe seines Vermögens noch streiten) und er hat mit Immobilien in New York und andernorts ein Vermögen gemacht, schlidderte auf dem Weg dahin aber auch dreimal beinahe in die Pleite. Was er heute als persönlichen Erfolg verkauft und als Zeichen dafür, dass er die Insolvenzregeln stets zu seinen Gunsten ausgelegt habe. Das Geld seiner Familie half ihm wieder aus der Misere heraus. All das hindert den selbsterklärten „Weltklassegeschäftsmann“ nun nicht daran, sich vehement für eine stärkere Besteuerung der Reichen einzusetzen. Sein Plan für eine Steuerreform: Die Ärmsten sollen von der Steuer befreit werden, die Superreichen sollen zahlen. De facto würde das jedoch heißen: Die vielen extremen Gutverdiener kurz unter der Reichtumsschwelle profitieren am meisten von der Reform – und Amerika entgingen dadurch insgesamt womöglich Milliarden an Steuerzahlungen, sagen Kritiker. Für ein Land, das zuletzt knapp an der Staatspleite entlangschrammte sind das keine beruhigenden Aussichten.

So manchen Beobachter irritieren Trumps Äußerungen gehörig und sie fragen: Meint er das alles wirklich ernst? Oder ist das bloß Populismus, um die Wahlen zu gewinnen? Trump kritisiert ebenfalls Hedgefonds, also diejenigen, die am Markt das schnelle Geld mit großen Spekulationen machen. Dabei feiert er sich selbst als jemand, der es verstanden habe, mit den Märkten zu spielen, in seinem Buch „How to get rich“. Er verkauft sogar die Rechte an seinem Namen an jeden, der dafür gut bezahlt. Welches Bild sich die Börsen aus all dem basteln sollen, wissen sie offenbar noch nicht.

Börsen folgen in Wahljahren stets einem Zyklus

Macht aber nichts, denn momentan müssen auch Anleger noch kein Urteil über die beiden Kandidaten fällen. Auch nicht darüber, wer von ihnen wohl das Rennen macht, man kann dem Spektakel also noch eine Weile gemütlich zuschauen. Denn so spannend und unberechenbar der Wahlkampf auch ist – eines gilt so gut wie immer am amerikanischen Aktienmarkt: Er folgt in Wahljahren einem ganz bestimmten Zyklus. Und der verheißt für die kommenden Wochen nichts Gutes, daher lautet der beste Rat zunächst einmal: in Ruhe abwarten.

Normalerweise sind US-Wahljahre auch gute Aktienjahre, diese Regel wird oft zitiert und ist deshalb vielen vielleicht schon bekannt. Im Schnitt legt der Dow Jones in Wahljahren – zurückgerechnet bis zum Jahr 1900 – gute 9,5 Prozent zu, haben Statistiker errechnet. Doch wohl die wenigsten wissen, dass die Kurse besonders nach dem heißen Vorwahl-Frühjahr erst einmal noch kräftig nach unten sacken.

Zumindest war es in den 27 Zyklen vergangener Präsidentschaftswahlen oft so, dass ab April bis Ende Mai die Börsen nach anfänglichen Steigerungen noch einmal deutlich nachgaben, weil einerseits die Unsicherheit über den Wahlausgang dann doch traditionell groß war. Und weil andererseits fast jeder Präsident im letzten Jahr seiner Amtszeit auf die Bremse trat und keine großen Reformen mehr verfolgte. Viele betrieben die Politik der „lame duck“, der lahmen Ente, die sich lieber mit letzter Kraft durchs Ziel schleppt, als noch zu Höhenflügen anzusetzen. Und die Börsen taten es ihnen gleich. Genau dieses Einknicken der Kurse stünde nun also demnächst bevor.

Zeit lassen mit dem Einstieg

Nach dieser Schwächephase allerdings setzten die Börsen ebenso zuverlässig von Juni bis September zu einer großen Sommerrallye an und legten einen eindrucksvollen Aufwärtskurs hin. Klassischerweise erfolgte danach noch eine kleinere Korrektur bis Oktober, die aber selten sehr heftig ausfiel. Danach jedenfalls stiegen die Kurse dann nicht nur bis zum Wahltag Anfang November kräftig an, sondern auch noch nach der Wahl kletterten sie weiter bis zum Jahresende. Und dieser Wahlkampf-Zyklus gilt in den Vereinigten Staaten wie gesagt statistisch gesehen ziemlich zuverlässig seit dem Jahr 1900.

Von daher kann man sich noch etwas Zeit lassen mit dem Einstieg, denn wer in den vergangenen Wahlperioden abwartete bis Ende Mai, dann einstieg und für den Rest des Jahres im US-Markt investiert blieb, der nahm das Maximum an Wertentwicklung von über neun Prozent beim Dow Jones mit. Und das ist in den derzeitigen wankelmütigen Zeiten eine geradezu großartige Performance. Wer also daran glaubt, dass auch diese Wahl dem berühmten Muster folgt, der kann auf den Aufschwung des amerikanischen Leitindex setzen. Dazu sollte er sich am besten nach einem Indexfonds (ETF) auf den Dow Jones umsehen, zum Beispiel von Comstage, Ishares oder Lyxor. Die Kosten solcher Fonds liegen bei mageren 0,33 bis 0,51 Prozent pro Jahr, das ließe am Ende tatsächlich eine mögliche Rendite von neun Prozent nach Abzug der Kosten beim Investor verbleiben. Momentan regen die jüngsten Performancedaten zwar wahrlich noch nicht zum Kauf an, aber das sollte sich ja ab Mai ändern.

Oder, und das ist natürlich die gewagtere Variante, man versucht es mit einem Optionsschein. Mit einem Dow Jones Call lässt sich auf die späteren steigenden Kurse des Index setzen. Bei Optionen partizipiert der Anleger nicht eins zu eins an den Veränderungen des Basiswerts, sondern Schwankungen schlagen um ein Vielfaches auf das Papier durch. Das bedeutet einerseits größere Gewinnmöglichkeiten – wenn der Dow tatsächlich wie üblich steigt. Aber auch höhere Verlustmöglichkeiten, falls 2016 doch ein Ausnahmewahljahr wird. Es kann sogar ein Totalverlust dabei entstehen. Ob man nun so viel Spannung in den kommenden Monaten verträgt, zusätzlich zur Frage, wer das Rennen macht, das muss jeder Börsianer selber entscheiden.


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