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Wachstumsschmerzen im Coco-Markt

, Julia Groth

Der Markt für Contingent-Convertible-Bonds, sogenannte Cocos, ist erwachsen geworden. Das Risiko der Papiere bleibt allerdings hoch – das zeigt sich aktuell bei der Deutschen Bank. Von Julia Groth

Händler an der New York Stock Exchange © Getty Images
Händler an der Wall Street

Wenn von einem Produkt die erste Öko-Variante auf den Markt kommt, kann man davon ausgehen, dass es im Mainstream angekommen ist. So gesehen haben jene Investmenthäuser Recht, die erklären, der Markt für sogenannte Contingent-Convertible-Bonds, kurz Coco-Bonds, sei erwachsen geworden: Im vergangenen Monat hat die Umweltbank den ersten grünen Coco-Bond auf den deutschen Markt gebracht. Mit dem Geld, das sie einsammelt, will sie weiteres Wachstum finanzieren.

Coco-Bonds, auf Deutsch auch bedingte Pflichtwandelanleihen genannt, sind Wandelanleihen, die in Aktien des Unternehmens, das sie ausgegeben hat, umgewandelt werden müssen, sobald ein bestimmtes Ereignis eintritt – zum Beispiel: Wenn die Eigenkapitalquote des Unternehmens eine festgelegte Marke unterschreitet. Für Rentenanleger sind sie attraktiv, weil sie in der Regel höhere Zinsen bieten als Staats- oder Unternehmensanleihen. Ursprünglich waren Coco-Bonds vor allem für institutionelle Anleger gedacht. Im Zuge der Zinsmisere am Rentenmarkt sind sie aber auch für Privatanleger interessanter geworden.

In den vergangenen drei Jahren ist der Coco-Markt weltweit kräftig gewachsen. Ende 2015 standen Papiere im Umfang von rund 120 Milliarden Euro aus, emittiert von rund 50 Unternehmen. Der Coco-Markt sei vergleichsweise liquide, weise eine breite Investorenbasis auf und habe sich in unterschiedlichen Marktphasen bewiesen, sagt Maurozio Pedrini, Rentenspezialist bei Swisscanto. Er rechnet damit, dass sich das Wachstum fortsetzen wird.

höhere Risiken

Im laufenden Jahr dürften Coco-Bonds Renditen von drei bis fünf Prozent bringen, sagen die Experten des Schweizer Fondsanbieters. Damit brächten die Papiere weniger ein als im vergangenen Jahr, wären aber noch immer deutlich profitabler als beispielsweise deutsche Staatsanleihen. Sie bergen allerdings auch höhere Risiken: Sinkt das Eigenkapital eines Emittenten so weit, dass er seine Cocos in Aktien umwandelt, ist es um seinen Aktienkurs wahrscheinlich ebenfalls nicht gut bestellt. Schlimmstenfalls können Coco-Bonds sogar wertlos werden.

Für Anleger, die Coco-Bonds der Deutschen Bank gekauft haben, droht das Investment derzeit zum Desaster zu werden. Die Deutsche Bank hatte im Jahr 2014 als erstes Geldinstitut in Deutschland Cocos begeben. Seit das Haus wegen seiner schwierigen Finanzlage die Dividende für Aktionäre gestrichen hat, breitet sich Angst aus, dass auch Coco-Inhaber bald leer ausgehen könnten. Die Deutsche Bank versicherte zwar jüngst, ihre Schulden auf jeden Fall zu bezahlen. Die gesunkenen Kurse der Cocos zeigen aber: Anleger sind davon nicht überzeugt.

Wer sich von den vergleichsweise hohen Zinsen der CoCcos locken lässt, sollte wegen des hohen Risikos keine Einzeltitel kaufen. Diese stehen meist ohnehin nur institutionellen Investoren offen. Als Portfolio-Beimischung bieten sich aber Fonds an, die in Coco-Bonds investieren. Bislang gibt es allerdings nur wenige derart spezialisierte Produkte. Alternativ können Anleger nach Rentenfonds suchen, die neben anderen Papieren auch Cocos kaufen: Immer mehr Rentenfondsmanager mischen ihren Portfolios riskantere Papiere bei, die höhere Renditen versprechen als traditionelle Anleihen.


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