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Vorsicht vor dem Digitalgeld

, Julia Groth

Die Bundesbank rät Anlegern vor einem Investment in die Internetwährung Bitcoin ab. Deren Kurs ist zuletzt stark gestiegen. Die Vergangenheit zeigt allerdings, dass der Aufwärtstrend rasch wieder enden kann.

© Getty Images
Bislang ist Bitcoin im Zahlungsverkehr nicht weit verbreitet

Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele warnt Anleger vor der Digitalwährung Bitcoin. Sie sei ein Spekulationsobjekt und kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren, sagte er im Interview mit der Zeitung „Welt am Sonntag“. Das zeigten die starken Kursschwankungen. Tatsächlich ist der Bitcoin-Kurs hochvolatil. Im März rutsche er auf unter tausend US-Dollar. Seit Anfang Mai steigt er nun – und zwar rasant: Vergangene Woche kletterte er erstmals auf über 1700 Dollar. Damit ist ein Bitcoin teurer als eine Feinunze Gold.

Die Internet-Währung ist seit dem Jahr 2009 im Umlauf. Sie basiert auf einer dezentralen, verschlüsselten Datenbank, der sogenannten Blockchain, in der alle Transaktionen verzeichnet werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Devisen wird Bitcoin nicht von Staaten oder Notenbanken kontrolliert, auch die Zahlungswege sind vergleichsweise undurchsichtig. Kritiker monieren deshalb, dass die Währung Kriminellen als Zahlungsmittel dienen könne. Insgesamt ist Bitcoin im Zahlungsverkehr bislang nicht weit verbreitet. Die phasenweise starken Wertzuwächse locken aber Spekulanten an.

Aufsichtsbehörden sehen diese Entwicklung kritisch. So folgte der Kurssturz im März auf eine Entscheidung der US-Börsenaufsicht SEC. Diese hatte dem weltweit ersten börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf Bitcoin eine Absage erteilt. Die US-amerikanischen Internetunternehmer und Wagniskapitalgeber Cameron und Tyler Winklevoss wollten die Digitalwährung per Indexfonds einer breiten Anlegerschicht zugänglich machen. Die SEC sah durch die Struktur der Währung die Kontroll- und Regulierungsanforderungen an einen ETF nicht erfüllt.

"Die virtuellen Münzen taugen nicht als Investitionsobjekt"

Ganz vom Tisch ist der Bitcoin-ETF damit noch nicht. Die US-Börsenaufsicht erklärte Anfang Mai, den Antrag noch einmal zu prüfen. Bis zum 15. Mai will sie eine abschließende Stellungnahme abgeben. Diese Neuigkeit dürfte zum jüngsten Preisanstieg beigetragen haben. Ebenso wie eine Nachricht aus Japan: Dort ist Bitcoin seit dem ersten April als offizielles Zahlungsmittel zugelassen. Medienberichten zufolge wird die Digitalwährung seitdem deutlich häufiger genutzt.

Möglich, dass Bitcoin im Laufe der Jahre erwachsen wird und sich als Anlageobjekt qualifiziert. Noch ist es aber nicht so weit, sagen Vermögensprofis. „Die virtuellen Münzen taugen weder als Währung noch als Investitionsobjekt“, sagt Marc-Oliver Lux von der Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner. Schon herkömmliche Währungsspekulationen mit Euro oder US-Dollar sind riskant, weil die Wechselkurse phasenweise stark schwanken und sich Änderungen kaum vorhersagen lassen. Für Bitcoin gilt das erst recht. „Dass der Bitcoin-Preis wie ein Jo-Jo auf und ab springt, ist nichts Neues“, sagt Lux. Die heftigen Kursschwankungen lassen Bitcoin höchstens für wagemutige Spekulanten interessant erscheinen. „Für die Zitterpartie der Internetwährung interessieren sich nur Fans“, sagt der Vermögensverwalter.


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