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Und die Fed bewegt sich doch

, Nadine Oberhuber

Die US-Zentralbank hat sich endlich durchgerungen: Die Zinsen steigen wieder, zumindest in Amerika. Worauf sich Anleger nun einstellen müssen. Von Nadine Oberhuber

Fed-Chefin Janet Yellen bei der Verkündung der Zinserhöhung am 16. Dezember © Federal Reserve
Fed-Chefin Janet Yellen bei der Verkündung der Zinserhöhung am 16. Dezember

Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über GeldanlagethemenNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Es ist zumindest ein Anfang, wenn auch nur ein sehr kleiner. Auf 0,25 bis 0,5 Prozent hat die US-Zentralbank Fed die Leitzinsen in den USA erhöht. Endlich. Damit hätte sich nun nach jahrelangem Warten immerhin eine Frage geklärt, nämlich ob die Zinswende nun tatsächlich kommt oder nicht. Sie ist da. Zumindest in Amerika wird es mit den Zinsen wieder aufwärts gehen, wenn auch noch nicht in Europa. Hier hat sich die Europäische Zentralbank gerade erst darauf verständigt, ihren Kurs der expansiven Geldpolitik noch eine Weile fortzuführen und weiter Anleihen zu kaufen. Das wird die Zinsen noch niedrig halten, bis 2018 vermutlich noch. Was manche zu der Aussage verleitet, die Fed-Entscheidung betreffe bis dahin die Märkte in Europa nicht. Doch das stimmt nicht, natürlich tut sie das und zwar auf vielfache Weise.

Direkt nach der Entscheidung blieben die Märkte weltweit zunächst ruhiger als es mancher kritische Beobachter angenommen hatte. Allenfalls hierzulande ließ sich der Deutsche Aktienindex Dax gegen Ende der Woche zu so etwas wie einem kleinen Luftsprung hinreißen. Vorwiegend war es Erleichterung, die an den Börsen zu spüren war. Denn im Grunde war es die immer wieder und wieder aufgeschobene Zinsentscheidung, die zuvor lange für große Unsicherheit gesorgt hatte. Ein großes Beben an den Märkten hatte die Fed schon 2013 ausgelöst, als sie sich von der Strategie der Anleihenkäufe verabschiedete (Tapering). Damals zogen viele Investoren hektisch große Summen aus Risiko- und Schwellenländern ab. Im Grunde nahm sie damit schon einiges vorweg, wodurch das große Beben dieser Tage ausgeblieben ist.

Ein Rest Unsicherheit bleibt

Seit 2013 gab es ein großes Auf und Ab an den Börsen. Das geschah, wenn ein Satz von Ex-Notenbankchef Ben Bernanke oder seiner Nachfolgerin Janet Yellen die Hoffung nährte, es könne zu einer Zinsanhebung kommen, beflügelte das die Kurse. Doch jedes Mal, wenn auf die Ankündigungen dann doch keine Taten folgten und dazu noch andere Unwägbarkeiten kamen wie zuletzt die Sorgen um die Wirtschaftsschwäche Chinas, dann erdete das die Kurse auch wieder. So gesehen ist die erfolgte Leitzinsanhebung nun ein kleiner Befreiungsschlag, weil klar ist, in welche Richtung es künftig gehen soll. Es geht mit den Zinsen aufwärts. Vorerst.

Ein Rest Unsicherheit aber bleibt. Schließlich hat Notenbankchefin Yellen angekündigt, dass sie zwar vorhabe, noch weitere Anhebungen im Laufe des Jahres 2016 folgen zu lassen. Doch sie hat genauso zu verstehen gegeben, sie werde die Reaktionen der amerikanischen Wirtschaft auf die Zinsanhebung genau beobachten. Was im Umkehrschluss nichts anderes heißt als: Entwickeln sich die Konjunktur, die Arbeitslosigkeit und die Löhne in Amerika nicht wie erhofft, ist ebenso denkbar, dass die Fed von ihrem Kurs wieder abweicht und zu niedrigeren Zinssätzen zurückkehrt. Zu welchem der Szenarios es kommt – weitermachen oder umkehren – ist derzeit bei Investmentprofis hoch umstritten.

Viele glauben daran, dass die Vereinigten Staaten schon 2016 wieder mehr als ein Prozent Zinsen sehen werden. Langfristig sollen 3,5 Prozent wieder das neue Normalnull sein. Etwa genauso viele sagen aber: Schon die Ein-Prozent-Marke ist zu ambitioniert, dafür sei die Wirtschaft in den USA noch nicht stark genug. Große Skeptiker warnen sogar: Die Fed wolle sich mit der Zinsanhebung lediglich munitionieren, da Amerika demnächst wohl wieder in die Rezession rutschen werde. Die sei eigentlich überfällig. Tatsächlich dauert der jetzige Aufschwung ungewöhnlich lang und länger als viele vor ihm. Wie weit er also noch anhalten wird, ist mittlerweile die bange Frage. Und nur, wenn man jetzt die Leitzinsen anhebt, kann man sie im Falle eines Falles wieder senken, um der Wirtschaft im Abschwung wenigstens einen kleinen Sturzpuffer zu verschaffen.

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Kredite könnten bald teurer werden

Es ist auch nicht klar, wie die Anleihenmärkte auf das neue Zinsniveau reagieren. Theoretisch müssten ihre Zinsen wieder steigen, zumindest die von kurzlaufenden und neuen Anleihen. Sie waren bisher die klassischen Gewinner von Zinsanhebungen. Besonders kurzlaufende Unternehmensanleihen halten Anlegeexperten daher für eine gute Wahl. Langlaufende Anleihen dagegen legten zwar in früheren Zinserhöhungszyklen oft leicht zu, können aber ebenso gut in Mitleidenschaft gezogen werden. Denn wenn die Zinsen steigen, heißt das auch, dass die Kurse sinken, die sich stets spiegelbildlich zu den Zinsen verhalten. In der Vergangenheit war es so, dass Zinsanstiege Kursverluste oft ausglichen. Diesmal aber könnten sie dafür zu klein sein, es müsste schon deutlicher auf die Ein-Prozent-Verzinsung zulaufen, damit Anleihenbesitzer langfristig ihre Freude an Janet Yellens neuem Kurs haben.

Für alle, die Zinsen nicht auf der Habenseite verbuchen, sondern auf der Sollseite, also für Kreditnehmer und Immobilienkäufer, verheißt die Anhebung ebenfalls nichts Gutes. Auch wenn die EZB noch Zeit braucht, bis sie die Zinsen für den Euroraum ebenfalls anhebt: Die Banken und Kreditfinanzierer werden die Zinswende jenseits des Atlantik als Signal werten und in ihre Produkte einpreisen. Haus- und Verbraucherkredite könnten also bereits bald spürbar teurer werden.

Vorsicht bei zinssensiblen Papieren

Und wie reagieren nun die Aktien? Das ist die spannendste Frage. Eine Warnung vorweg: Es wird auch weiter starke Schwankungen geben. Zumindest bei früheren Leitzinssenkungen war es so, dass die Aktienmärkte stark unter Druck gerieten und nach unten sackten. Denn höhere Zinsen bei den Anleihen bedeuteten klassischerweise stets niedrigere Aktienkurse. Diese negative Korrelation galt als gesichert. Doch mittlerweile sind sich Ökonomen nicht mehr so einig, ob die Korrelation so noch gilt. Statt sich gegenläufig zu entwickeln, verhielten sich beide Anlageklassen in den vergangenen Jahren zunehmend gleichartig.

Das ist in diesem Fall eine gute Nachricht. Genau wie die Beobachtung, dass Aktien nach Zinserhöhungen nur kurzfristig absackten, sich aber im Verlauf der folgenden sechs bis zwölf Monate oft deutlich steigerten. Und am Ende auf einem erheblich höheren Level notierten als zuvor. Von besonders zinssensiblen Papieren wie Versorger- und Bankaktien sowie von börsennotierten Immobilien-AGs in Form von REITs, sollten Anleger derzeit lieber die Finger lassen. Für andere Branchen dagegen gilt: Wer langfristig anlegen will und ein paar weitere Turbulenzen nicht scheut, der kann nach Yellens Entscheidung noch ebenso gut in Aktien investieren wie bisher. Denn nach der Zinserhöhung ist vor der Zinserhöhung – und die Aussicht auf die nächste wird den Markt gewiss bald wieder bewegen.


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