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Überraschungssieger Yen

, Nadine Oberhuber

Der Yen ist derzeit der große Gewinner. Viele verunsicherte Investoren preschen in die japanische Währung und treiben deren Kurs in die Höhe. Ist das gerechtfertigt? Von Nadine Oberhuber

Geldscheine © Capital
Viele Währungen schwächeln, der Yen wird stärker

Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 


Ausgerechnet Japan! So möchte man beim Blick auf die Kurstafeln ausrufen. Lange Zeit waren wir aus dem Land des Lächelns eher traurige Nachrichten gewohnt, deshalb hatten viele es auch nicht mehr auf der Liste, wenn es um die aussichtsreichsten Kandidaten an den Börsen ging. Augenblicklich aber ist zumindest Japans Währung der große Gewinner in den weltweiten Finanzmarktturbulenzen. Der Yen ist derzeit die stärkste Währung, noch vor Euro, Dollar und all den anderen Konkurrenten. Und er legte unter den meistgehandelten Devisen der Welt am kräftigsten zu. Die Anleger seien auf der Suche nach stabilen Investments, sagten Marktbeobachter dazu, und dabei hätten sie den Yen als sicheren Hafen ausgemacht. Doch wieso ausgerechnet Japan, das seit Jahren mit seinem Mix aus Rezession, Deflation und Konsumzurückhaltung von sich Reden macht – und nun nicht unbedingt als stabiler Hort der Weltwirtschaft auffiel?

JPY/USD (Japanischer Yen / US-Dollar) Währung

JPY/USD (Japanischer Yen / US-Dollar) Währung Chart
Kursanbieter: FXCM

An dieser Stelle muss man zuerst einmal davor warnen, das gute alte Japan zu unterschätzen. Schließlich lassen sich manchmal gerade dann die besten Ergebnisse erzielen, wenn die wenigsten damit rechnen. Bei den Aktienkursen hat Japan es im vergangenen Jahr zum Beispiel so gehalten. Aber wer hat schon gemerkt, dass der Nikkei Index mit knapp 20 Prozent Plus einer der stärksten Indizes des Jahres war? Zumindest bis Herbst war er das. Was der Nikkei damit bewies? Der Markt ist stark, die japanische Wirtschaft war zuletzt zurück auf der Erfolgsspur. Das Wachstum zog wieder leicht an und vor allem der private Sektor investierte wieder mehr, viel mehr als viele erwartet hatten. Das beflügelte die Gesamtwirtschaft der immerhin drittgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Der Yen drückt die Aktienkurse

Das waren positive Zeichen, an denen auch die umstrittene Politik von Ministerpräsident Shinzo Abe wenig ändern konnte, die zum zwischenzeitlichen Einbruch im Herbst führte. Abe müht sich seit 2012, die Wirtschaft mit seiner „Abenomics“-Strategie anzukurbeln. Sie besteht aus schuldenfinanzierten Konjunkturpaketen, obwohl die Schuldenlast des Staatshaushalts ohnehin schon riesig ist und sogar das Defizit Griechenlands übersteigt. Dazu kommt noch die expansive Geldpolitik der Notenbank. Letztere beflügelte die Börsen immerhin. Doch als im Herbst klar wurde, dass China langsamer wächst, trieb es Japan in einen Miniabschwung und ließ die Börsen kurzzeitig in den Keller rauschen. Der Index knickte von 20.000 auf 17.000 Punkte weg und machte die Zugewinne zunichte, die er seit Jahresbeginn eingefahren hatte. Doch bis Jahresende erholte er sich im Eiltempo wieder und schwang sich erneut bis zur 20.000-Punkte-Marke auf. So schnell schaffte das sonst kaum ein Index.

Inzwischen ist die Börsenparty schon wieder vorbei. Seit Dezember hat der Nikkei den steilen Sinkflug angetreten, so wie fast alle anderen Weltindizes auch angesichts der Turbulenzen in China und des dahinsickernden Ölpreises. Außerdem liegt es eben auch an jenem starken Yen, dass der Nikkei nun verliert. Denn so schön es ist, dass die Währung des Landes derzeit so gesucht ist – es drückt die Aktienkurse. Vor allem Exportunternehmen leiden unter einer starken Landeswährung, weil ihre Produkte dann im Ausland teurer werden und sich schlechter verkaufen lassen. So gesehen ist der steigende Yen für japanische Firmen kaum ein Grund zur Freude. Analysten aber halten die Aussichten dennoch für gut.

Die Wirtschaft werde wohl ihren Erholungskurs fortsetzen. Zwar macht der Arbeitsmarkt einigen Beobachtern Sorgen, die Arbeitslosigkeit ist zuletzt leicht gestiegen. Auch die Konsumlaune im Inland ist noch zu schwach ausgeprägt. Die Inflationsrate liegt – ebenso wie hierzulande – bei mageren 0,3 Prozent. Was aber für japanische Verhältnisse geradezu ein Grund zum Jubeln ist. Denn endlich übersteigt die Quote nach vielen Deflationsjahren wieder die Nulllinie und es gibt überhaupt wieder eine Inflation. Also eine moderate Geldentwertung, die das lange Horten unattraktiver macht und das Geldausgeben nun etwas ankurbelt. So gesehen scheint die Lage in Japan zumindest stabil.

Der steigende Yen-Kurs ist hausgemacht

Was aber macht den Yen nun zu dieser äußerst sicheren Währung in den Augen vieler Marktakteure? Es ist vor allem die Schwäche seiner Konkurrenten. In Europa sind die Spannungen und Risiken groß. Die nicht bewältigte Schuldenkrise vieler Staaten und der drohende Austritt der Briten sorgen hierzulande für Spannungen. China, das erst seit kurzer Zeit neuer Global Player im Bunde der Weltwährungen ist, bereitet ebenfalls große Sorgen. Die USA melden neuerdings schwache Konjunkturdaten und heizen damit die Diskussion an, ob die Notenbank Fed ihre straffere Politik fortsetzen kann, oder nicht doch wieder zur lockeren Geldpolitik zurückkehren wird. Der Dollar jedenfalls sinkt derzeit.

Und wenn nun die Risiken im Ausland größer werden, was passiert dann? Dann handeln vor allem die japanischen Investoren und Großbanken, so wie jetzt. Die haben nämlich in Erwartung eines eher schwächer werdenden Yen viele Wertpapiere im Ausland gekauft etwa amerikanische Staatsanleihen. Würde der Wert des Yen weiter sinken, so das Kalkül, dann stiegen die Werte dieser Assets automatisch durch den Währungseffekt. Nun aber holen viele ihr Geld lieber wieder heim, bevor sie im Ausland viel Geld verlieren – und tauschen die ausländischen Vermögenswerte zurück in Yen. Das treibt den Kurs. Im Prinzip ist der steigende Yen-Kurs also hausgemacht. Und er wird weitere Investoren beflügeln, aufzuspringen und ebenfalls zu partizipieren.

Natürlich könnte man auch als Anleger versuchen, von der steigenden Währung Japans zu profitieren – oder besser die Finger von solchen Devisenspielchen lassen. Das scheint in diesem Fall die bessere Alternative zu sein. Devisenspekulationen zählen gemeinhin zu den riskantesten Trades am Markt überhaupt. Dazu kommt: Fundamental ist der Anstieg des Yen im Grunde nicht gerechtfertigt, mahnen Analysten. Er ist der allgemeinen Angst geschuldet. Und Angst war noch nie ein guter Berater.


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