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Tesla - Miliardenwette gegen Pleiteprognose

, Daniel Saurenz

Am E-Autobauer Tesla scheiden sich die Geister. Ist er eine Goldgrube für Anleger oder ein Milliardengrab. Von Daniel Saurenz

Tesla-Schriftzug © Getty Images
Tesla: gute Zahlen nur auf den ersten Blick

An Börsenstammtischen wird die Diskussion um die Aktie von Tesla beinahe so engagiert geführt wie jene über Pyrotechnik im Fußballstadion. Es gibt kaum Zwischentöne, entweder man ist dagegen oder dafür. Das Lager der Tesla-Fans bietet Fantasie, Pioniergeist und nicht zuletzt Elon Musk himself als Argumente auf. Die Zweifler – unter denen Großinvestor George Soros gar null Dollar als Kursziel ausruft – verweisen auf die absurd hohe Bewertung, unerfüllte Renditeversprechen und ganz frisch sogar Finanzierungsprobleme beim Elektroautopionier. Milliardenwette oder Pleiteprognose – was hält stand?

Diese Frage stellt sich umso mehr, da nun ehemalige Manager des Autokonzerns eine eigene Fabrik auf die Beine stellen. In Schweden will man Europas erste sogenannte „Giga-Fabrik“ bauen. Er wolle damit verhindern, dass der Kontinent zu abhängig von Batterieherstellern in Asien wird, sagte Peter Carlsson, früher einmal Head of Supply bei Tesla, der „Financial Times“.

Für 4 Mrd. US-Dollar soll die Batteriefabrik in Nordeuropa gebaut werden. Für die Produktion will die Firma in der Region abgebaute Metalle und Wasserkraft verwendet werden, wird Carlsson zitiert, der inzwischen das Start-Up Northvolt gegründet hat und auch als CEO leitet.

Tesla-Zahlen mit Geschmäckle

Schauen wir auf die Fakten bei Tesla. Auf den ersten Blick waren sie gut, wie so oft. Aber nur auf den ersten. Denn es lag zum großen Teil daran, dass in den Resultaten die Zahlen der Tochter Solar City seit deren Kauf am 21. November 2016 enthalten waren. Die Ergebnisse des Autogeschäfts waren dagegen ernüchternd.

So lag die Autoproduktion im vierten Quartal mit insgesamt 24.882 Fahrzeugen der Typen Model S und Model X um ein Prozent unter dem Niveau des Vorquartals, während bei den Auslieferungen mit 22.252 Fahrzeugen sogar ein Rückgang um zehn Prozent zu Buche stand.

Rückschlagspotenziale – Short-Möglichkeiten

Die Analysten von Goldman Sachs haben die Aktie runtergerechnet und das Ziel auf 185 Dollar gesenkt, was einem Rückschlagpotenzial von 30 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs entspricht. Wer mitziehen will und auch langfristig schwarz sieht, schaut sich die passenden Hebelinstrumente VN7QK7 mit Hebel 4 und CY162Y mit Hebel 7 an. „Optionsscheine sind dagegen aufgrund der hohen Volatilität bei Tesla ziemlich teuer“, gibt Sebastian Bleser von der Hypovereinsbank zu bedenken.

Tesla Aktie

Tesla Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Zurück zu den Fakten: Elon Musk geht wie immer in die Vollen: So sollen im ersten Halbjahr dieses Jahres 47.000 bis 50.000 Fahrzeuge ausgeliefert werden, was einem Anstieg zwischen 61 bis 71 Prozent entsprechend würde. Bemerkenswerter Weise gab der Firmenlenker diesmal aber keine Absatzprognose für das Gesamtjahr, nachdem er für 2016 ursprünglich 80.000 bis 90.000 Fahrzeuge in Aussicht gestellt hatte, mit rund 75.000 dann aber deutlich hinter seiner Prognose zurückgeblieben war.

Hoffnungsträger Model 3

Musk gab sich allerdings einmal mehr zuversichtlich, dass die Produktion des Model 3 wie geplant zur Jahresmitte beginnen und die Produktion in den nächsten Monaten hochgefahren werde auf mehr als 5000 Fahrzeuge pro Woche im vierten Quartal.

Woran es allerdings keinen Zweifel gibt sind die enormen Investitionen, die der massive Ausbau der Kapazitäten erfordern wird. Musk peilt Investitionen von 2 bis 2,5 Mrd. Dollar für das erste Halbjahr 2017 an, zumal nicht nur der Aufbau der Produktion des Model 3 eine Menge Geld verschlingt, sondern auch der Aufbau der sogenannten Gigafactory in Reno (Bundesstaat Nevada). Bis 2018 soll die Gigafactory, die erst zu einem Drittel fertiggestellt ist, die weltweite Produktion an Lithium-Ionen-Batterien verdoppeln.

Angesichts dieser Perspektiven dürfte Tesla in den nächsten Quartalen noch mehr Cash verbrennen als zuletzt ohnehin schon, dabei lag der Cash-Verbrauch im vierten Quartal beim Rekord von 1 Mrd. Dollar, davon entfielen 448 Mio. Dollar auf das operative Geschäft, während 522 Mio. Dollar in Investitionen flossen. Musk hat daher die Kreditlinien bei Banken um 500 Mio. Dollar auf 1,8 Mrd. Dollar erhöht. Davon waren zuletzt 1,36 Mrd. Dollar ausgeschöpft.

Damoklesschwert Kapitalerhöhung?

Vor dem Hintergrund könnte der Tesla-CEO schon sehr bald einmal mehr eine kräftige Kapitalerhöhung durchziehen. „Wie nahe sollen wir an die Kante rangehen? Laut unserem Finanzplan muss das Kapital wegen des Model 3 nicht erhöht werden, aber wir kommen sehr nahe an die Kante ran“, sagte Musk. Damit müssten die Investoren einmal mehr Musk’s hochfliegende Ambitionen bezahlen, nachdem er bereits im Mai 2016 1,5 Mrd. Dollar per Kapitalerhöhung eingesammelt hatte.

Bleibt die Frage, ob die Tesla-Aktie all das langfristig durchhalten kann. Ein Blick auf den Börsenwert zeigt, wie extrem hoch das Unternehmen bewertet ist, zumal laut den Schätzungen der Analysten der Verlust im Jahr 2017 bei mehr als 500 Mio. Dollar liegen und 2018 auf rund 300 Mio. sinken wird. Gleichzeitig wird der Konzern weiterhin Mrd. von Dollar Cash verbrennen.

Die meisten Investoren lassen sich von derartigen Aussichten bislang allerdings kaum beeindrucken, obwohl die Zahl der leerverkauften Aktien zuletzt mit 34,35 Mio. auf einem sehr hohen Niveau lag. Das sind 28 Prozent des Free Float, also der umlaufenden Aktien. Bei leerverkauften Aktien veräußern Investoren, sogenannte Short Seller, die geliehenen Papiere in der Erwartung, sie später günstiger zurückkaufen zu können und so einen Gewinn zu machen.

Gerade von den Short Sellern dürfte es daher abhängen, ob sich die Korrektur bei der Aktie ausweitet. Manchmal werden jedoch auch diese auf dem falschen Fuß erwischt und müssen „eindecken“. Dann ergibt sich eine sogenannte Short-Coverage-Rally wie im Frühjahr 2016. Tesla ist immer für eine Überraschung gut und eben eine Wette – in beide Richtungen. 


Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben



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