• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Anleihen

Das Rentendilemma

, Julia Groth

Die Zinsen steigen, die Anleihekurse geraten unter Druck. Rentenanleger können mit kurzlaufenden Bonds überwintern – oder riskante Papiere beimischen. Von Julia Groth

Finanzchart © Getty Images
Die Anleihenkurse geraten unter Druck

Seit der Präsidentschaftswahl in den USA haben die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen deutlich angezogen: um 0,75 Prozent auf mittlerweile 2,5 Prozent. Rentenanleger betrachten diese Entwicklung mit Sorge. Steigt die Rendite einer Anleihe, heißt das nämlich im Umkehrschluss, dass ihr Kurs fällt. In den kommenden Monaten könnten die Anleihemärkte in den USA und auch in Europa noch stärker unter Druck geraten.

Grund für die Turbulenzen ist die Aussicht auf weiter steigende Zinsen. Der neue US-Präsident will mit einem Investitionsprogramm und Steuersenkungen die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten ankurbeln. Verbesserte Konjunkturdaten könnten die US-Notenbank Fed dazu zwingen, den Leitzins schneller und kräftiger anzuheben als gedacht. Auch die steigende Inflation in den USA setzt die Fed unter Zugzwang. „Sie dürfte den Leitzins im Jahresverlauf zwei- bis dreimal anheben“, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank.

In Europa ist die Zinswende dagegen noch entfernt. Doch könnten auch hier im laufenden Jahr die Anleihekurse unter Druck geraten, warnt Schickentanz. Erstens kann sich der europäische Anleihemarkt nicht komplett von seinem US-Pendant abkoppeln. Zweitens steigt im Euro-Raum die Inflation. Das macht Anleihen mit niedrigem Kupon unattraktiv.

Anleihen in US-Dollar sind interessant

Wer Anleihen nicht bis zur Fälligkeit hält, braucht jetzt eine neue Strategie. Besonders simpel ist es, zu kurz- statt langlaufenden Anleihen zu greifen. Deren Kurse reagieren weniger sensibel auf Zinsänderungen. Nachteil der Kurzläufer: Sie bieten deutlich niedrigere Kupons als Anleihen mit zehn oder mehr Jahren Laufzeit. Angesichts der höheren Inflation lässt sich mit den Papieren unterm Strich kein Geld verdienen.

Wollen Rentenanleger den Zinsanstieg nicht nur aussitzen, sondern weiterhin Rendite erzielen, können sie ihrem Portfolio Anleihen mit höherem Risiko und entsprechend höheren Kupons beimischen. Das ist allerdings nicht so einfach. Beispiel Hochzinsanleihen: Die Risikoaufschläge für Anleihen mit mäßiger Bonität sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, das Risiko-Rendite-Profil hat sich verschlechtert. Bei Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie, einer zeitweise beliebten Alternative zu Festverzinslichen aus den soliden Kernländern der Eurozone, sieht es ähnlich aus.

Viele Anlagestrategen raten Investoren zu Anleihen, die in einer anderen Währung notiert sind als der heimischen. Für Euro-Anleger sind vor allem Anleihen in US-Dollar interessant. Der Greenback wertet gegenüber anderen Währungen seit Monaten auf. Europäische Anleger können Kursverluste durch Währungsgewinne wettmachen. Diese Strategie ist allerdings riskant. Sollte der US-Dollar gegenüber dem Euro wieder nachhaltig abwerten, wäre Schluss mit Währungsgewinnen. Eine solche Entwicklung ist zwar vorerst nicht in Sicht. Die US-Regierung will aber, dass der Dollar schwächer wird – und ist, wie sich in den vergangenen Wochen zeigte, wenig zimperlich, wenn es darum geht, ihren Willen durchzusetzen.

Risiko müssen Anleger selbst bestimmen

Staatsanleihen aus Schwellenländern kommen ebenfalls als Beimischung in Frage. Auch sie sind ein vergleichsweise riskantes Investment. Die Papiere bieten deutlich höhere Zinsen als Staatsanleihen aus Industriestaaten. Viele Emerging Markets haben aber hohe Dollarschulden. Der starke Greenback macht ihnen zu schaffen. Steigt die US-Währung weiter im Wert, wird es für die Schuldner schwieriger, ihre Verbindlichkeiten zu bedienen.

Für Anleiheinvestoren gibt es in Phasen steigender Zinsen keinen Königsweg. Eine Strategie, die auf Kurzläufer als Kerninvestment und hoch verzinste Bonds als Beimischung setzt, scheint für die kommenden Monate am aussichtsreichsten. Wie hoch das Risiko sein soll, das Anleger für ein bisschen mehr Rendite eingehen, müssen sie selbst entscheiden.

Newsletter: „Capital- Die Woche“

Jeden Freitag lassen wir in unserem Newsletter „Capital – Die Woche“ für Sie die letzten sieben Tage aus Capital-Sicht Revue passieren. Sie finden in unserem Newsletter ausgewählte Kolumnen, Geldanlagetipps und Artikel von unserer Webseite, die wir für Sie zusammenstellen. „Capital – Die Woche“ können Sie hier bestellen:


Artikel zum Thema