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Auf der Suche nach dem Ertrag

, Nadine Oberhuber

Fragt man die Sparer, was sie für die lukrativste Anlageform halten, kommen spannende Antworten dabei heraus. Die meisten liegen völlig daneben. Den wahren Renditebringer kennt nur jeder Fünfte. Von Nadine Oberhuber

Wohneigentum, Gold und Tagesgeld stehen bei den Deutschen bei der Geldanlage hoch im Kurs © Getty Images
Wohneigentum, Gold und Tagesgeld stehen bei den Deutschen bei der Geldanlage hoch im Kurs

Wir müssen reden, über Geld und zwar schnell. Denn es gibt noch eine Reihe von Missverständnissen, die mal geklärt werden müssen. Zumindest lässt sich das folgern, wenn man sich die Ergebnisse einer repräsentativen GfK-Umfrage ansieht, in der Bundesbürger nach den attraktivsten Anlageformen gefragt wurden – und ebenso nach denjenigen Geldanlagen, die sie wirklich besitzen. Nun ist nicht ganz überraschend, dass die Antworten auf diese beiden Fragen an einigen Stellen weit auseinanderklaffen. Beim Wohneigentum zum Beispiel, das halten immer noch die allermeisten Deutschen für eine gute – wenn nicht gar die optimale – Form der Geldanlage. Dreiviertel sagen das.

Doch weniger als die Hälfte aller Bundesbürger hat tatsächlich Wohneigentum. Das liegt an vielerlei: Zuerst einmal daran, dass man sehr viel Geld mitbringen und gespart haben muss, um überhaupt einen Kredit für ein Haus oder eine Wohnung zu bekommen. Mit der neuesten Kreditrichtlinie sogar noch ein wenig mehr. Aber auch an der immer unsteteren Welt, die jederzeit volle Flexibilität erwartet und zwar bis ans Lebensende und in der es kein Wunder ist, dass es auch immer länger dauert, bis sich Käufer überhaupt zur Investition in eigene vier Wände hinreißen lassen.

Aber klammern wir mal das Wohneigentum aus, erschreckend sind ganz andere Zahlen: Raten Sie mal, was knapp hinter dem Wohneigentum liegt, wenn man nach den lukrativsten Anlagen fragt? Es ist Gold. Na klar ist dessen Kurs in den letzten Jahren sehr stark gestiegen, das haben viele Medien berichtet und noch mehr Anleger mitbekommen. Aber er ist auch innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 30 Prozent eingesackt, von Herbst 2011 bis Anfang 2016 sogar um satte 44 Prozent abgestürzt. Das haben anscheinend nicht ganz so viele Sparer realisiert. Man kann daher nur froh sein, dass Gold zwar eines der meistgelobten aber auch der am wenigsten gekauften Investmentprodukte ist. Lediglich sechs Prozent der Bundesbürger geben an, dass sie auch welches im Depot haben.

Aktien schlagen Gold

Denn in erster Linie ist Gold eines der wankelmütigsten Vehikel, in das man sein Geld stecken kann. Und es ist – wenn man es physisch kauft, also in Form von Barren – sogar ein garantierter Negativzinsbringer, seine Aufbewahrung im Schließfach verursacht Kosten. Und selbst wenn man die Kosten herausrechnet und die reine Wertsteigerung des Goldkurses nimmt, dann schaffte man mit Gold seit 1975 zwar eine Rendite von vier Prozent jährlich – wenn man die Nerven behielt, es tatsächlich so lange im Tresor zu lassen. Schließlich schwankte es dabei um 16 Prozent permanent. Das ist schlimmer als das Auf und Ab an den Weltaktienbörsen, die schwanken nämlich nur um 15,4 Prozent. Klingt Gold jetzt immer noch nach einer attraktiven Geldanlage? Gut, in Zeiten von Niedrigzinsen sind vier Prozent ordentlich. Aber dagegen steht diese Zahl: Wenn man es ebenfalls seit 1975 zurückberechnet, brachte ein breit gestreutes Investment in weltweite Aktien eine Rendite von 8,8 Prozent. Ganz einfach zu kaufen mit einem ETF, also einem Indexfonds auf den MSCI World.

Aber Aktien und Fonds kommen bei den allermeisten Deutschen nicht so gut an, das wissen wir seit Langem. Nur 15 Prozent der Befragten haben laut der Umfrage Fonds im Depot. Spannend sind dabei auch diese Zahlen: Nur unwesentlich mehr Menschen, also nur jeder Fünfte, hält Fonds überhaupt für eine lukrative Form der Anlage. Genauso viele Sparer sagen – selbst heute noch! – dass Tagesgeld aber eine ebenfalls gute Anlage sei.

Vielleicht haben die Antwortenden lange nicht mehr auf die Vergleichstabellen mit den Tagesgeldzinsen geschaut, geschweige denn auf die eigenen Kontoauszüge. Dort steht nämlich bei fast allen Anbietern inzwischen eine Null vor dem Komma: 0,3 oder 0,5 einige Banken zahlen sogar nur noch 0,05 Prozent Zinsen im Jahr. Und das gilt inzwischen auch für alle großen und bekannten Internetbanken, die sich bisher mit ihren Konditionen regelrecht übertrumpften. Den Top-Zins von 1,0 Prozent bieten zurzeit nicht einmal mehr eine handvoll Banken – und das auch nur für Neukunden und maximal für ein paar Monate. Anders ausgedrückt: Im Schnitt kamen bei 10.000 angelegten Euro auf dem Tagesgeldkonto im gesamten Jahr 2016 am Ende 10.027 Euro heraus. Also ganze 27 Euro Ertrag, rechnen Vergleichsdienste vor. Nur das Sparbuch schaffte noch weniger, es warf 5 Euro ab. Ein Betrag, den man nicht einmal mehr Gewinn nennen möchte. Wer so weiterspart, hat nach 30 Jahren aus 10.000 Euro ungefähr 10.940 Euro gemacht, wenn man von 0,3 Prozent Zinsen ausgeht. Aus monatlich eingezahlten 100 Euro aufs Tagesgeldkonto (also 36.000 Euro Einzahlung) werden dann in 30 Jahren 37.671 Euro. So sieht also nach Meinung jedes Fünften eine lukrative Geldanlage aus.

Bausparen bringt wenig

Noch viel mehr Sparer, nämlich 32 Prozent, halten den Bausparvertrag für eine gewinnbringende Sache. Dazu sollte man sich einmal die Zinsen ansehen, die so ein Vertrag heute bringt und gerät ins Staunen: Zwischen 0,1 und 1,35 Prozent schreiben Bausparkassen derzeit Langfristsparern gut, damit die über Jahre oder sogar mehr als ein Jahrzehnt bei ihnen Geld horten. Was das an jährlichen Zinserträgen bedeutet, kann man oben beim Tagesgeld nachlesen. Zudem werden beim Bausparen Abschlussgebühren in meist dreistelliger Höhe fällig und Kontoführungsgebühren, die man erst einmal zahlt, um hier mitmachen zu dürfen. Ob da bei 0,1 Prozent Verzinsung überhaupt noch was unterm Strich übrig bleibt, kann man sich ausrechnen.

Nun argumentieren Bausparkassen und ihre Anhänger gerne, dass es ja nicht allein aufs Sparen ankäme, sondern dass der Clou beim Bausparen sei, dass man sich damit billige Darlehenszinsen sichere, mit denen man später einen Kredit fürs Wohneigentum aufnehmen könne. Tatsächlich machen Bauspardarlehen stets nur einen kleinen Teil eines Wohnungskredites aus, denn man muss erst einmal eine gehörige Summe ansparen, um überhaupt einen Kredit ausgereicht zu bekommen. Zu viel darf es aber auch wieder nicht sein, denn spart man zu großzügig, geht ein Teil des Darlehensanspruchs verloren. Oder die Bausparkasse kündigt gleich den Vertrag, das haben etliche Kassen jüngst bei ihren Kunden praktiziert, deren Verträge sich zu besonders guten Konditionen verzinsten, weswegen solche Kunden lieber weitersparten, als derzeit Darlehen abzurufen.

Meist sind es beim Bausparen nicht allzu üppige fünfstellige Beträge, um die es dabei geht. Den Großteil des späteren Kredits machen sie also ohnehin nicht aus. Zudem garantieren die Verträge derzeit Darlehenskonditionen von 2,75 bis 3,75 Prozent Sollzinsen, sagen Vergleiche. Man sichert sich also keineswegs das billige Zinsniveau von heute (außer in der Ansparphase), denn aktuelle Baukredite liegen bei weit unter zwei Prozent, eher bei 1,3 Prozent für zehn Jahre und 1,8 Prozent für 15 Jahre. Sondern man zahlt schon heute einen hohen Preis – in Form der verpassten Rendite und der garantiert doppelt so hohen Bauzinsen – allein dafür, dass man darauf wettet, dass die Kreditzinsen künftig wirklich bis auf diese Höhe steigen werden. Wie lukrativ klingt das jetzt?

Lebensversicherung lohnen sich nicht mehr

Gut, was bringt also sonst Rendite? Ganz klar, sagen knapp 30 Prozent, die private Rentenversicherung ist ein Renditebringer. Hier dürfte wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken sein. Vielleicht kamen diese Antworten besonders von älteren Sparern, das verrät die Umfrage leider nicht. Alte Policen nämlich erfuhren in der Tat noch eine ganz angemessene Verzinsung im Vergleich zu heute, sie waren die Begünstigten der vergangenen Hochzinsphase: Zuletzt lagen die Ablaufrenditen bei 30-jährigen kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen noch über vier Prozent, so viel Ertrag ließ sich also damit erzielen. Früher. Denn die alten Verträge waren diejenigen, die noch viele gute Zinsjahre mitbekommen haben. Für heutige Verträge aber gilt das sicherlich nicht mehr. Inzwischen liegt der Garantiezins bei 0,9 Prozent und auch die laufende Jahresverzinsung wird kontinuierlich zusammengestutzt.

Nun kann man sagen: Immerhin werfen Versicherungen mehr ab als das Tagesgeldkonto. Wer in den vergangenen 20 Jahren in eine Versicherung 100 Euro im Monat eingezahlt hat, der bekommt heute rund 37.000 Euro von der Versicherung ausgezahlt, also 13.000 Euro mehr als er aufgewendet hat. Nach 30 Jahren stehen nach heutigem Marktdurchschnitt der Versicherer rund 78.000 Euro auf dem Kundenkonto. Aber: Wer vor 20 Jahren 2000 Euro aufs Tagesgeldkonto gelegt hat und seitdem ebenfalls 100 Euro im Monat spart, der hat bis heute ungefähr dieselbe Summe angesammelt. In der Vergangenheit lagen die Tagesgeldzinsen nämlich weitaus höher als heute, es ist noch nicht lange her, da betrugen sie noch fünf Prozent.

Nun klingt es nicht unlukrativ, wenn Versicherungskunden für 36.000 Euro, die sie über die vergangenen 30 Jahre eingezahlt haben, heute im Schnitt 78.000 Euro ausgezahlt bekommen. Man sollte aber unbedingt daran denken, dass diese Summe eine reine Vergangenheitsbetrachtung ist, die wir beim derzeitigen Zins so nie wieder erreichen. Geht es mit dem Zinsschwund bei den Versicherungspolicen so weiter wie bisher, sind es künftig vielleicht nur noch 65.000 oder 60.000 Euro, etwa in der Größenordnung könnte es liegen.

Breit gestreute Aktienfonds bringen verlässlich Rendite

Immer noch viel Geld, denken Sie? Dann halten Sie einmal diese Zahl dagegen: 115.200 Euro. Das ist in etwa doppelt so hoch und es ist der durchschnittliche Ertrag, den ein Investment abwirft, das nicht einmal jeder Siebte hierzulande hat und das nur jeder Fünfte für eine lukrative Anlage hält. Es ist das Endergebnis eines Sparplans, den ein Fondssparer vor 30 Jahren abgeschlossen hat und in den er ebenfalls 100 Euro monatlich gesteckt hat. Denn im Schnitt haben breit gestreute Aktienfonds etwa auf den Deutschen Aktienindex Dax laut Auswertungen des Fondsverbands BVI in diesem Zeitraum 6,9 Prozent Rendite abgeworfen, jedes Jahr.

Nun werden Sie sagen: Pah, das ist ja ebenfalls nur eine Vergangenheitsbetrachtung. Stimmt, wie sich die Börsen in den kommenden 30 Jahren entwickeln, weiß natürlich kein Mensch, aber – und genau das ist der Unterschied zu den Versicherungen und Zinsprodukten – Fonds haben diese Wertentwicklung nicht nur hingelegt, weil die vergangenen 30 Jahre zufällig gute Börsenjahre waren, im Gegenteil: Die Märkte haben sogar zwei große Crashs in der Zeit erlebt und sich trotzdem davon wieder erholt. Man kann die Renditen von Fonds noch sehr viel langfristiger zurückrechnen, auf 40 oder 50 Jahre, wenn man den Dow Jones als Referenzindex nimmt sogar auf über 100 Jahre und stets kommt dasselbe heraus: Breite Aktienfondspakete, die man sich zum Beispiel mit einem Indexfonds auf einen der großen Indizes ins Depot packen kann, liefern einen Ertrag von sechs bis acht Prozent – vorausgesetzt, man spart über lange Zeiträume, also mindestens 15 Jahre. Vielleicht sollte man das jenen 80 Prozent der Befragten einfach noch einmal sagen.


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 


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