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Smarter in Anleihen investieren

, Julia Groth

Alternativ gewichtete Anleihe-ETFs fristen ein Nischendasein, sind aber für Anleger interessant. Der Fokus auf Fundamentaldaten statt Marktkapitalisierung kann das Risiko senken. Von Julia Groth

Zusammensetzung eines Fonds auf einem Bildschirm © Getty Images
Qualität statt Marktkapitalisierung: Alternativ gewichtete Renten-ETFs sind im Kommen

Um die Kreditwürdigkeit mehrerer europäischer Staaten steht es derzeit nicht zum Besten. Die Ratingagentur Moody’s bestätigte Ende Februar zwar die Note „Baa2“ für Spanien, eine Bewertung im mittleren Bonitätsbereich. Zugleich korrigierten die Moody’s-Analysten aber den Ausblick für Spaniens Bonität nach unten: von „positiv“ zu „stabil“. Frankreich traf es Ende vergangenen Jahres noch härter. Im September stufte Moody’s das Land von „Aa1“ auf „Aa2“ herab.

Wer per börsengehandeltem Indexfonds (ETF) breit in europäische Anleihen investiert, geht heute ein höheres Risiko ein als noch vor einem Jahr. In den gängigen Rentenindizes sind Frankreich und Spanien Schwergewichte. Auch ohne Bonitätsprobleme ist die Zusammensetzung klassischer, nach Marktkapitalisierung gewichteter Rentenindizes problematisch: Wer die meisten Anleihen ausgegeben hat, hat das größte Gewicht – also ausgerechnet jenes Land oder Unternehmen, das absolut betrachtet am höchsten verschuldet ist.

Einige ETF-Anbieter wollen Abhilfe schaffen und haben in den vergangenen Monaten Indexfonds auf den Markt gebracht, die die Marktkapitalisierung hintenanstellen und andere Kriterien höher gewichten. Zum Beispiel DB X-Trackers: Die Deutsche-Bank-Tochter hat Ende vergangenen Jahres einen qualitätsgewichteten Renten-ETF aufgelegt. In jenem Index, auf dem der „iBoxx Eurozone Souvereins Quality Weighted UCITS ETF“ basiert, sind Länder mit guten Fundamentaldaten besonders hoch gewichtet. Bruttoinlandsprodukt, Inflationsrate, Arbeitslosenquote, Staatsverschuldung, eventuelle frühere Zahlungsausfälle und die globale Wettbewerbsfähigkeit werden dazu bewertet.

Interesse an alternativ gewichteten Anleihe-ETFs wächst

Deutschland hat ein besonders hohes Gewicht, Frankreich, Italien und Spanien sind etwas weniger stark vertreten als in herkömmlichen Marktbarometern. „Ziel ist, durch einen Fokus auf Emittenten hoher Qualität langfristig eine ähnliche Rendite zu erzielen wie mit breiten Rentenindizes. Und das bei geringerem Risiko“, erklärt Roger Bootz, ETF-Experte bei DB X-Trackers.

Bereits früher im Jahr 2015 hatte der britische Indexfondsanbieter ETF Securities vorgelegt und gemeinsam mit dem Investmenthaus Lombard Odier drei Smart-Beta-Renten-ETFs auf den Markt gebracht, auf globale und europäische Unternehmensanleihen sowie auf globale Staatsanleihen. Auch bei diesen Produkten stehen statt der Marktkapitalisierung die Fundamentaldaten eines Landes oder Unternehmens im Fokus. Ähnliche ETFs gibt es von Invesco Powershares. Diese sind bisher aber nur an der New Yorker Börse gelistet und für deutsche Privatanleger schwer erhältlich.

Smart-Beta-Renten-ETFs fristen ein Nischendasein. Das wird nicht ewig so bleiben, ist Bootz von DB X-Trackers überzeugt. „Alternative, nach Qualität gewichtete Indizes werden im Rentenbereich von Investoren immer stärker nachgefragt“, sagt er. Auch unabhängige Marktexperten betrachten alternativ gewichtete Anleihe-ETFs mit wachsendem Interesse. Bei Hochzinsanleihen gibt es seit einigen Monaten gelegentlich Liquiditätsengpässe, das stellt High-Yield-ETFs vor Probleme. Alternativ gewichtete Hochzinsindizes könnten Abhilfe schaffen, sagt Detlef Glow, leitender Analyst bei Thomson Reuters Lipper. Anbietern rät er, darauf zu achten, dass die Fonds nicht so komplex sind, dass Anleger sie nicht mehr verstehen.


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