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Rendite mit Long‑Short‑Strategien

, Julia Groth

Long-Short-Aktienfonds könnten in den kommenden Monaten interessant werden. Grund: Die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern am Aktienmarkt wird breiter. Von Julia Groth

Händler an der New Yorker Börse © Getty Images
Händler an der New Yorker Börse

Angesichts niedriger Zinsen und schwankender Aktienmärkte suchen Anleger verstärkt nach alternativen Renditequellen. Am Ende der Suche stehen immer häufiger sogenannte alternative UCITS, auch „liquid alternatives“ genannt: Das sind Hedgefonds-Strategien im Mantel von Fonds, die nach der europäischen Wertpapierrichtlinie UCITS reguliert sind. Im Gegensatz zu Hedgefonds dürfen UCITS-konforme Produkte an Privatanleger verkauft werden.

Das Segment der „liquid alternatives“ wächst. Dem Hamburger Analysehaus Absolut Research zufolge verwalteten die Fonds auf dem deutschen Markt Ende Oktober rund 316 Mrd. Euro. Damit lag das verwaltete Vermögen in den Produkten um 30 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Das Vertrauen der Anleger in alternative UCITS sei gerechtfertigt, sagt Absolut-Research-Geschäftsführer Michael Busack: „Das zeigen die Fonds regelmäßig in Krisenzeiten.“ Vergleiche man etwa die Wertentwicklung europäischer Aktienindizes mit sogenannten Long-Short-Strategien, sehe man, dass Long-Short-Ansätze in kritischen Marktphasen geringere Verluste verzeichneten.

Mit Long-Short-Strategien setzen Fondsmanager gleichzeitig auf steigende und auf fallende Kurse. Das funktioniert so: Die Manager kaufen auf der einen Seite Aktien unterbewerteter Unternehmen, gehen also long, wie es im Fachjargon heißt. Andererseits tätigen sie Leerverkäufe bei Aktien, die sie zu teuer finden, gehen also short und spekulieren damit auf fallende Kurse.

Long-Short-Aktienfonds sind keine Wunderwaffe

Long-Short-Strategien könnten für Aktienanleger in den kommenden Monaten besonders interessant sein. Grund dafür ist das immer unsicherere Umfeld an den Aktienmärkten. In den vergangenen Monaten sind die Aktienkurse auf breiter Front gestiegen. Nun wird sich die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern weiter öffnen, sagen Marktbeobachter – der Fachbegriff für diese Lücke lautet Dispersion. Ein Grund für die zunehmende Dispersion seien die niedrigen Rohstoffpreise, die Rohstoffexporteuren schaden und Importeuren nutzen, sagt Simon Savage, Spezialist für Long-Short-Strategien beim Hedgefonds-Anbieter GLG. Auch die auseinanderdriftende Zinspolitik in Europa und den USA spiele eine Rolle. „Es gibt kein Unternehmen auf der Welt, das von diesen Faktoren nicht betroffen ist“, sagt Savage.

Long-Short-Strategien gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen. Hält ein Manager deutlich mehr Long- als Short-Positionen, entwickelt sich sein Fonds ähnlich wie ein herkömmlicher Aktienfonds. Dieser Ansatz verspricht vor allem dann Erfolg, wenn die Aktienmärkte insgesamt steigen, dürfte also in den kommenden Monaten nicht sonderlich gut funktionieren. Das gleiche gilt unter umgekehrten Vorzeichen für Fonds, die besonders viele Short-Positionen halten. Hedgefonds-Experten raten deshalb zu sogenannten marktneutralen Long-Short-Fonds. Bei ihnen gleichen sich Long- und Short-Positionen aus, die Fondsmanager nehmen idealerweise das Beste aus beiden Welten – steigenden und fallenden Märkten – mit.

Long-Short-Aktienfonds sind allerdings keine Wunderwaffe. In den vergangenen sechs Jahren konnten sie ein breit diversifiziertes Portfolio nicht schlagen, zeigt eine Studie des Fondsanbieters Lyxor. Anleger, die ihr Portfolio mit alternativen UCITS krisenfest machen wollen, sollten deshalb mehrere Strategien kombinieren – und auf keinen Fall zu viel erwarten.


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