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Post liefert Shareholder Value

, Christoph Bruns

Die Deutsche Post macht es vor: Ihre Strategie ist anders als bei vielen anderen Konzernen auf die Aktionäre ausgerichtet. Von Christoph Bruns

Christoph Bruns
Christoph Bruns

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Teilhaber der Fondsgesellschaft Loys AG.


In der vergangenen Woche hat die Deutsche Post ihre Anteilseigner und den Aktienmarkt mit ihren Jahreszahlen und einer Sonderankündigung angenehm überrascht. Nach den schwachen Zahlen zum dritten Quartal ist der Bonner Konzern im Jahresabschlussviertel auf den soliden Pfad der letzten Jahre zurückgekehrt. Die eigentliche Überraschung lag jedoch in der Ankündigung eines Aktienrückkaufprogrammes in Höhe von 1 Mrd. Euro. Damit hebt sich die Deutsche Post sehr wohltuend von der üblichen Praxis ab, derartige Kapitalmarktmaßnahmen nur sehr dosiert einzusetzen.

Im Gegensatz zu ihren amerikanischen Pendants, wo Aktienrückkäufe an der Tagesordnung sind, zieren sich deutsche Unternehmen bei dieser Praxis. Es ist bemerkenswert, dass mit der Deutschen Post ein ehemaliges Staatsunternehmen, welches sich per Saldo seit seiner Privatisierung sehr erfreulich entwickelt hat, auf diesem Feld zur Avantgarde gehört. Damit demonstriert der „gelbe Riese“ ein klares Bekenntnis zur Eigentümerorientierung, die auch anderen Unternehmen gut zu Gesicht stünde.

Deutsche Post Aktie

Deutsche Post Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Vergleicht man etwa die Deutsche Bank mit der Post, die ja ebenfalls die Bezeichnung „Deutsche“ im Unternehmensnamen trägt, dann wird deutlich, um wieviel besser es bei den Rheinländern um den Shareholder Value bestellt ist. Während nämlich international agierende Banken im Allgemeinen eher für die leitenden Angestellten geführt werden und keineswegs für die Aktionäre, kann man bei der Post seit Jahren eine stärkere - wenngleich behutsame - Hinwendung zu den Aktionären feststellen. Die regelmäßigen und in der Vergangenheit stetig erhöhten Ausschüttungen bestätigen das vorteilhafte Bild, welches die Post abgibt.

Lob für die strategische Ausrichtung

Gleichfalls kontrastiert diese Entwicklung sehr positiv mit der Sturm- und Drangzeit der Deutschen Telekom, die bekanntlich zum Ende der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts von einer unheilvollen Shareholder Value Obsession befallen war. Das waren wilde Jahre, die nicht zuletzt von egomanischen Welt-AG Fantasien bei Daimler Chrysler charakterisiert waren, wo man zu Wasser, zu Lande und in der Luft mit AEG, Fokker, Dornier und Chrysler das gesamte Universum erobern wollte. Glücklicherweise sind die Stuttgarter inzwischen besser geerdet, sodass ihre Aktionäre heute wieder optimistischer auf die Marke mit dem Stern blicken können. Nicht anders sieht es bei der Deutschen Telekom aus, die ihrerseits die Rückkehr zur Rationalität geschafft hat und sich in ruhigerem Fahrwasser befindet. Freilich dürften die während der damaligen Kursexzesse erreichten Höchstkurse der T-Aktie von 102 Euro für lange Zeit unerreicht bleiben.

Man muss der Deutschen Post ein großes Lob für ihre strategische Ausrichtung zollen, die sehr maßgeblich von ihrem ersten Chef seit dem Börsengang, Klaus Zumwinkel, geprägt wurde. Besonders die klare Fokussierung auf Logistik hat dem Unternehmen und seinen Eigentümern Freude beschert. Die erreichte Position auf den Weltmärkten, vor allem im Express Geschäft, ist formidabel. Im Nachhinein erscheint obendrein auch der Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank als hellsichtiger und lukrativer Schachzug, während der aktuelle Besitzer wenig Freude an dieser Bank hat und sie deshalb wieder verkaufen möchte.

Gebremst wurde der letztwöchige Kursverlauf der Post nur durch die Ankündigung von Amazon, in einigen deutschen Großstädten selbst ein Logistiknetz für die Paketauslieferung aufzubauen. Umso beachtlicher war es, dass der Vorstand der Post seine Prognose für das Jahr 2016 bekräftigte – in Kenntnis des neuen potentiellen Wettbewerbers. Ob Amazon sein margenschwaches Stammgeschäft durch den Einstieg in die kapitalintensive Logistik verbessern kann, steht derweil auf einem ganz anderen Blatt.

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