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Minenaktien in der Talsohle

, Julia Groth

Die Aktienkurse von Minengesellschaften fallen und fallen. Bald könnte der Boden erreicht sein, meinen Experten. Manche prophezeien schon ein Comeback. Von Julia Groth

Eisenerzförderung
Eisenerzförderung: Minenbetreiber durchleben schwere Zeiten

Für Samarco sind harte Zeiten angebrochen. Brasiliens Regierung fordert von dem Bergbauunternehmen, das je zur Hälfte dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale und dem britisch-australischen Bergbauriesen BHP Billiton gehört, Schadenersatz in Milliardenhöhe. Anfang November waren bei einem Samarco-Bergwerk nördlich von Rio de Janeiro die Dämme eines Beckens gebrochen, in dem Eisenerz-Abfälle lagerten. Eine Schlammlawine überrollte ein Dorf, tötete mindestens 13 Menschen, Millionen Tonnen mutmaßlich giftigen Schlamms ergossen sich in den Rio Doce.

Die Umweltkatastrophe in Brasilien markiert für Minengesellschaften den Tiefpunkt eines miserablen Jahres. Vielen Unternehmen, die sich auf den Goldabbau konzentrieren, macht der niedrige Goldpreis zunehmend zu schaffen. Eine Feinunze des Edelmetalls kostet derzeit rund 1060 US-Dollar. Damit Goldminenbetreiber ihre Kosten decken können, muss der Preis mindestens 100 US-Dollar höher liegen.

Die schwierige Lage spiegelt sich in den Kursen von Minenaktien wider. Der Branchenindex S&P Metals and Mining ist im laufenden Jahr um rund die Hälfte gefallen. Minenaktien-Investoren sind herbe Verluste gewohnt: Die Kurse vieler Papiere sind bereits seit Mitte 2011 auf Talfahrt. Bald könnte nach Einschätzung von Marktbeobachtern der Boden erreicht sein. Die Lage könnte dann drehen. „Minenunternehmen sind mittlerweile deutlich besser aufgestellt als noch vor einigen Monaten, ohne dass sich diese Entwicklung bisher in den Aktienkurse niedergeschlagen hätte“, sagt Martin Siegel, Fondsmanager der auf Edelmetall-Investments spezialisierten Boutique Stabilitas.

Minenaktien nur als Beimischung

Minenbetreiber haben in den zurückliegenden Monaten ihre Kosten deutlich gesenkt. Daneben kommt ihnen der Ölpreisverfall zugute. Die Energiekosten machen zwischen 30 und 50 Prozent der Gesamtkosten von Minenunternehmen aus. Viele Unternehmen profitieren zudem von günstigen Wechselkursen: Der starke US-Dollar belastet zwar US-amerikanische Minenbetreiber, beschert aber zugleich Gesellschaften mit Sitz in Australien einen Wettbewerbsvorteil.

Sobald das Gros der Anleger diese Entwicklung würdigt, könnten die Kurse von Minenaktien endlich wieder steigen. Privatanleger sollten die Papiere trotz der aktuellen Dumpingpreise aber nur als Beimischung nutzen. Ihre Kurse schwanken nämlich extrem: „Es gibt Phasen, da macht man in sechs Wochen hundert Prozent Gewinn, und Phasen, in denen man am besten überhaupt nicht investiert ist“, sagt Siegel. Darüber hinaus seien Aktien solider Unternehmen nicht leicht zu finden. „Viele Gesellschaften schreiben Investitionskosten nicht ordentlich ab. Minenbetreiber arbeiten oft sehr unsauber“, warnt der Fondsmanager.

Anleger brauchen einen langen Atem

Interessierte Privatanleger sollten besser über Fonds in den Minensektor investieren, statt einzelne Aktien zu kaufen. Deutsche Dazu kommen einige Dutzend Fonds infrage, deren Manager zum Teil sehr unterschiedliche Ansätze verfolgen. Günstiger als aktiv verwaltete Fonds sind börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Auch hier gibt es eine Handvoll Minen-Produkte, unter anderem vom französischen Anbieter Lyxor.

Minenaktien-Anleger brauchen allerdings einen langen Atem. Noch fehlt Minenaktien nämlich der größte Kurstreiber: der Goldpreis. Er macht nach wie vor keine Anstalten zu steigen, dürfte sogar erst einmal weiter fallen, sagen Analysten. Der starke US-Dollar und die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA setzen den Preis des Edelmetalls unter Druck.


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