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Mehr Mischfonds, weniger Überblick

, Julia Groth

Der Trend zu Fonds, die in mehrere Anlageklassen gleichzeitig investieren, hält an. Für Privatanleger wird der Mischfondsmarkt immer unübersichtlicher. Von Julia Groth

Händler an der Frankfurter Börse © Deutsche Börse
Händler an der Börse

Schaut man sich die Trends im Fondsmarkt an, könnte man zu dem Schluss kommen, dass Anleger in naher Zukunft nicht mehr zwischen Aktien-, Renten- und anderen Fonds wählen werden, sondern nur noch zwischen unterschiedlichen Mischfonds. Im vergangenen Jahr wurden in Europa 890 neue Mischfonds aufgelegt, berichtet die Fondsratingagentur Morningstar – das entspricht 37,5 Prozent aller Neuauflagen. Darüber hinaus verzeichnen Produkte, die sowohl in Aktien als auch in Anleihen oder andere Anlageklassen investieren, seit Jahren besonders hohe Mittelzuflüsse.

Grund für den Boom: Anleger sind verunsichert. Die Aktienmärkte schwanken stark und verzeichneten zuletzt Verluste. Mit europäischen Staatsanleihen lässt sich kaum noch Geld verdienen, und in den USA drohen Bond-Anlegern Kursverluste, falls die US-Notenbank den Leitzins weiter anhebt. Mischfonds nehmen Investoren die immer komplexere Asset-Allokation ab. In den kommenden Monaten dürfte es an den Märkten turbulent bleiben. Gut möglich also, dass Mischfonds ihren Siegeszug im Jahr 2016 fortsetzen.

ausgefallenere Anlageklassen und komplexe Strategien

Das schwierige Marktumfeld macht nicht nur Anlegern, sondern auch Investmentgesellschaften zu schaffen. Das spiegelt sich in den Neuauflagen wider. Viele junge Mischfonds haben keine große Ähnlichkeit mehr mit ihren älteren Verwandten. Der bedeutendste Unterschied gegenüber traditionellen Produkten: Fondsmanager dürften heute oft nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Aktien- oder Anleihekurse setzen. Im Fachjargon sagt man: Sie gehen short. „Das ist in einem Umfeld steigender Zinsen ein großer Vorteil“, sagt Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse beim Datenanbieter Thomson Reuters Lipper.

Um sich in der Mischfonds-Flut von der Konkurrenz abzuheben, greifen Investmenthäuser bei der Konzeption neuer Produkte zu immer ausgefalleneren Anlageklassen und komplexeren Strategien. Der Schweizer Fondsanbieter Fisch Asset Management beispielsweise hat im vergangenen Jahr einen Mischfonds aufgelegt, der schwerpunktmäßig in Wandelanleihen investiert. Das sind Anleihen, die zu einem festgelegten Zeitpunkt und Preis in Aktien desjenigen Unternehmens umgewandelt werden können, das sie ausgegeben hat. Ein neuer Fonds der Kölner Gesellschaft Monega dagegen soll in unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus unterschiedliche Ertragsquellen nutzen.

Vorsicht vor innovativen Produkten

Für Mischfondsmanager gilt offenbar die Devise: Je mehr Freiheiten, desto besser. Kapitalmarktprognosen sind schwieriger denn je, deshalb lassen Investmentgesellschaften ihren Managern beim Investieren weitgehend freie Hand. Die Manager zweier neuer Mischfonds des französischen Anbieters Candriam etwa dürfen weltweit in sämtliche Anlageklassen investieren, inklusive alternative Anlagen und Immobilienaktien. „Um langfristig höhere Erträge zu erzielen, muss man ein Portfolio heute flexibel diversifizieren können“, erklärt Stefan Keller, Anlagespezialist bei Candriam.

Sogar Investmentgesellschaften, die sich bisher kaum mit Mischfonds beschäftigt haben, springen allmählich auf den Trend auf. Die Produktflut macht es für Anleger schwierig, passende Fonds zu finden. Marktbeobachter erwarten, dass längst nicht alle neuen Produkte genug Anlegergeld einsammeln werden, um rentabel zu sein. Gut möglich also, dass in einigen Jahren eine Konsolidierungswelle auf die Mischfondswelt zurollt. Anlageexperten raten: Um von dieser Welle nicht erfasst zu werden, sollten Anleger nicht darauf schauen, welcher Mischfonds die innovativste Strategie hat. Stattdessen sollten sie zu Produkten etablierter Anbieter greifen, die bereits heute mindestens 100 Mio. Euro verwalten.


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