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Ströer-Leerverkäufe: Staatsanwälte ermitteln

, von Christian Kirchner

Im April 2016 attackierte der US-Hedgefonds Muddy Waters die Ströer-Aktie. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Ströer-Zentrale in Köln © dpa
Ströer-Zentrale in Köln

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ein Ermittlungsverfahren wegen Marktmanipulation im Falle des Außenwerbekonzerns Ströer eröffnet. Entsprechende Informationen des Wirtschaftsmagazins ‚Capital‘ bestätigte die Staatsanwaltschaft Frankfurt auf Anfrage. Zuvor hatte die Finanzaufsicht Bafin eine entspreche Untersuchung abgeschlossen und an die Ermittlungsbehörden übergeben.

Die Aktie von Ströer war im April vergangenen Jahres Ziel einer öffentlichen Attacke des US-Hedgefonds Muddy Waters. Der auf so genannte Leerverkäufe – Spekulationen auf fallende Kurse – spezialisierte Investor hatte Ströer seinerzeit in einer 60-seitigen Studie vorgeworfen, das Wachstum und die Cashgenerierung zu optimistisch auszuweisen. Binnen Minuten brach der Ströer-Kurs um in der Spitze 33 Prozent ein, das entsprach einem Verlust von knapp 1 Mrd. Euro Börsenwert.

Pikant an der Attacke: Über- oder unterschreitet ein Investor die Schwelle von 0,5 Prozent aller Aktien bei einem Leerverkauf, muss er dies am Folgetag im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichen. Erst mit einer Verspätung von fünf Tagen teilte der US-Hedgefonds seinerzeit mit, dass er am Tag vor seiner öffentlichen Attacke eine Leerverkaufsposition von 0,66 Prozent aller Aktien eingegangen war und diese noch am Tag des Kurssturzes wieder zu drei Vierteln geschlossen hatte. Somit verdiente er Millionen mit seine Vorwürfen. 

Hedgefonds haben sich verzockt

Ein Sprecher von Muddy Waters lehnte eine Stellungnahme ab und verwies darauf, keine Kenntnis von einem Ermittlungsverfahren zu haben. Auch Ströer selbst wollte zum Sachverhalt keine Stellung beziehen. Eine mögliche Erklärung: Laut Wortbeiträgen auf der letztjährigen Hauptversammlung haben Leerverkäufer kaum mit rechtlichen Schwierigkeiten zu rechnen, solange sie den Interessenskonflikt aus gehaltenen Positionen und ihren kritischen Studien transparent veröffentlichen. Weder Staatsanwaltschaft Frankfurt noch die Finanzaufsicht Bafin wollten zudem Auskunft darüber geben, gegen wen sich das Ermittlungsverfahren richtet.

Den Leerverkäufern droht indes nicht nur juristisch Ärger, auch an der Börse haben sich zahlreiche Hedgefonds verzockt: Hintergrund ist, dass die immer stärker steigenden Kurse die Leerverkäufer offenbar zur Deckung ihrer offenen Positionen zwingen – was wiederum weitere Kursanstiege zur Folge hat. So sind etwa beim Zahlungsdienstleister Wirecard trotz eines Kursplus von 50 Prozent seit Jahresbeginn weiter knapp neun Prozent aller handelbaren Aktien mit einem Gesamtwert von gut 600 Millionen Euro leerverkauft. Das geht aus veröffentlichungspflichtigen Angaben im Bundesanzeiger hervor. Ende April waren es allerdings noch knapp zwölf Prozent. Seit Anfang Juni haben die US-Hedgefonds Blue Ridge Capital sowie Steadfast Management ihre seit langem gehaltenen Positionen deutlich reduziert. Jeder Kursanstieg erhöht die Verluste der Leerverkäufer.

Ähnlich ist der Fall bei Aixtron: Dort stieg die Quote aller leerverkauften Aktien sogar auf zuletzt rund 12 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie indes annähernd verdoppelt. Populärstes Ziel der Leerverkäufer ist derzeit der Salz- und Düngemittelhersteller K+S: Bei ihm sind rund 15 Prozent aller Aktien leerverkauft, gefolgt von Heidelberger Druckmaschinen mit gut 12 Prozent. Auch die Aktien dieser beiden Konzerne klettern seit Wochen.


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