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Lange Laufzeit, hohe Zinsen

, Julia Groth

Papiere mit langer Restlaufzeit sind unter den europäischen Staatsanleihen die einzigen, die noch nennenswerte Zinsen bieten. Euro-Langläufer-Fonds, haben zuletzt sogar höhere Renditen erzielt als Dividendenfonds.

Kursverlauf © Getty Images
Nur langlaufende Staatsanleihen bringen noch Rendite

Wer europäische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von wenigen Jahren kauft, zahlt mittlerweile drauf. Schuld daran sind die niedrigen Leitzinsen, die seit der jüngsten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bei null liegen. Wollen Investoren in diesem Umfeld mit Anleihen Geld verdienen, müssen sie zu Papieren mit langen Laufzeiten greifen – am besten mit sehr langen: Für eine zehnjährige deutsche Bundesanleihe gibt es derzeit gerade einmal rund 0,3 Prozent.

Die Nachfrage nach sogenannten Langläufern steigt. Davon profitieren Fonds, die sich auf solche Papiere konzentrieren. Produkte, die Euro-Anleihen mit langer Restlaufzeit kaufen, erzielten in den vergangenen drei Jahren im Schnitt ein jährliches Plus von rund zehn Prozent. Damit schlugen sie sich sogar besser als Fonds, die in dividendenstarke Aktien aus Europa investieren: Diese erzielten im selben Zeitraum ein durchschnittliches Plus von 8,5 Prozent pro Jahr.

Langläufer reagieren stark auf Zinsänderungen

Der Fonds „Parvest Bond Euro Long Term“ des französischen Anbieters Parvest schnitt in den vergangenen drei Jahren unter den Euro-Langläufer-Fonds am besten ab. Er erzielte ein Plus von rund zwölf Prozent jährlich. Auch im laufenden Jahr hat er sich bislang mit plus fünf Prozent gut entwickelt. Im Portfolio finden sich neben deutschen und französischen Staatsanleihen viele Titel aus Südeuropa, vor allem aus Spanien und Italien. Anleihen aus diesen Ländern bieten höhere Zinsen als Papiere kerneuropäischer Staaten und waren zuletzt besonders gefragt. Die Fondsmanager gehen bei der Titelauswahl bis fast ans äußerste Ende der Laufzeitenkurve: Rund ein Drittel der Anleihen im Portfolio hat eine Laufzeit von 20 bis 30 Jahren.

Die Manager des Fonds „DWS Vorsorge Rentenfonds 15Y“, aufgelegt von Deutsche Asset Management, wagen sich nicht ganz so weit vor. Nur rund sechs Prozent der Anleihen im Fonds haben eine Laufzeit von 20 bis 30 Jahren, etwa die Hälfte läuft in zehn bis 15 Jahren aus. Die Fondsmanager dürfen neben klassischen Staatsanleihen auch komplexere Papiere wie Wandelanleihen und Genussscheine kaufen. Mit dieser flexiblen Strategie hat es der Fonds auf Platz sieben der Top Ten geschafft, mit einem Plus von rund neun Prozent pro Jahr über die vergangenen drei Jahre. Seit Jahresbeginn hat er um fast acht Prozent zugelegt, so viel wie kein anderer Euro-Langläufer-Fonds in Deutschland.

Fonds, die in lang laufende Anleihen investieren, können sich jetzt lohnen. Sie bergen allerdings ein Risiko: Sobald die Zinsen steigen, fallen die Anleihekurse – und die Kurse von Langläufern reagieren auf Zinsänderungen besonders stark. Wer in breit diversifizierte Fonds investiert, statt sich an einzelne Anleihen zu binden, kann schauen, wie gut die Manager mit der Situation zurechtkommen, und die Fonds notfalls aus dem Portfolio werfen. Derzeit sind in der Eurozone steigende Zinsen aber ohnehin nicht in Sicht.


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