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„Investoren sind zu entspannt geworden“

, Julia Groth

Die Rentenmärkte sind weniger liquide als vor zwei Jahren. Marktbeobachter warnen vor einem Crash. In den meisten Anleihesegmenten ist die Lage aber nicht so schlimm, sagt Portfoliomanager Alexander Posthoff. Von Julia Groth

Kurse © Getty Images
Staatsanleihen sind ein hart umkämpftes Segment

Alexander Posthoff ist Senior Portfoliomanager des Schweizer Anleihenmanagers BantleonAlexander Posthoff ist Senior Portfoliomanager des Schweizer Anleihenmanagers Bantleon

 


Capital: Herr Posthoff, man hört immer wieder, die Liquidität an den Rentenmärkten sei gesunken. Stimmt das?

Alexander Posthoff: So pauschal kann man das nicht sagen. In einigen Fixed-Income-Segmenten ist die Liquidität tatsächlich spürbar zurückgegangen. Das liegt unter anderem daran, dass die Gegenparteien, mit denen wir Anleihen handeln, seit etwa zwei Jahren weniger Risiken eingehen. Banken müssen heute mehr Eigenkapital für Risikogeschäfte vorhalten. Das führt dazu, dass sie vorsichtiger sind und mit geringeren Volumina handeln. Diese Entwicklung betrifft vor allem Unternehmensanleihen.

Wie sieht es bei Staatsanleihen aus?

Staatsanleihen sind ein hart umkämpftes Segment. Es gibt also viele Anbieter, aber die Gewinnmargen im Handel sind in den vergangenen Jahren gesunken, vor allem bei Papieren aus Kerneuropa. Hinzu kommt, dass durch das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank weniger Staatsanleihen frei verfügbar sind. Diese beiden Faktoren drücken auf die Liquidität, aber nur leicht.

"Anleihen von Rohstoffkonzernen waren schwer handelbar"

Marktbeobachter warnen davor, dass die Anleihemärkte durch den Mangel an Liquidität anfällig für Crashs werden. Wie schlimm ist die Lage?

Das ist abhängig von Marktphase und Rentensegment. Staatsanleihen aus der Eurozone sind ausreichend liquide und problemlos handelbar. Bei Pfandbriefen sehe ich trotz der gesunkenen Liquidität noch keine Probleme, man muss aber differenzieren. Neuemissionen sind in der Regel liquide. Papiere, die länger am Markt sind, vor allem deutsche Pfandbriefe, sind dagegen nur schwer zu bekommen. Bei Unternehmensanleihen, gelegentlich auch bei Schwellenländeranleihen, ist die Lage schwieriger. Wenn Anleger nervös werden und die Titel massenhaft verkaufen wollen, haben sie mitunter Probleme, Käufer zu finden. Es gab zuletzt Phasen, in denen zum Beispiel Anleihen von Rohstoffkonzernen schwer handelbar war, weil die Unsicherheit an den Märkten sehr groß war und entsprechend die Kaufinteressenten fehlten.

Was tun Sie in einem solchen Fall?

Wir umschiffen Liquiditätsklippen, indem wir kleinere Positionen handeln und unser Anleiheportfolio noch breiter als sonst diversifizieren. Wir sind außerdem dazu übergegangen, mit mehr Gegenparteien zu handeln als bisher. Zudem nutzen wir mehrere Handelssysteme oder suchen per Telefon nach Interessenten.

Privatanleger können das nicht. Müssen sie sich jetzt Sorgen machen?

Investoren sind womöglich in den vergangenen Jahren zu entspannt geworden und haben sich daran gewöhnt, dass Anleihen jederzeit handelbar sind. Es gibt aber immer mal wieder Phasen, in denen sehr viele Marktteilnehmer zur selben Zeit verkaufen wollen – in einer solchen Situation ist es schwierig, Abnehmer zu finden. So schlimm wie etwa im Jahr 2008 ist die Lage allerdings nicht: Damals war die Unsicherheit aufgrund des Ausfalls einiger Banken viel größer. Ausfälle hatten wir in der aktuellen Marktphase bisher nicht.


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