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Indien trotzt der Schwellenländer‑Krise

, Julia Groth

Während andere Emerging Markets schwächeln, zeigt sich Indiens Wirtschaft wachstumsstark. Das liegt vor allem am niedrigen Ölpreis. Von Julia Groth

Bombay Stock Exchange
Bombay Stock Exchange in Mumbai: Bei den Kursen ist noch viel Luft nach oben - Foto: Getty Images

Seit den Kursstürzen an Chinas Börsen suchen Schwellenländer-Anleger nach Alternativen zu chinesischen Aktien. Immer mehr Investoren werden westlich von China fündig: Während viele Emerging Markets von den Wachstumsschwierigkeiten in China in Mitleidenschaft gezogen werden, zeigt sich Indien von den Problemen seines mächtigen Nachbarn unbeeindruckt.

Die indische Wirtschaft ist auf einem stabilen Wachstumskurs. Glaubt man den offiziellen Zahlen, wird sie im laufenden Jahr um 7,4 Prozent wachsen, stärker als Chinas Wirtschaft. Ökonomen zweifeln diese Zahlen zwar an und rechnen eher mit 5,5 Prozent Wachstum. Auch mit diesem niedrigeren Wert stünde Indien aber unter den Schwellenländern glänzend da.

Im Gegensatz zu vielen anderen Emerging Markets exportiert das Land kaum Erdöl oder Erdgas, sondern deckt im Gegenteil den Großteil seines Bedarfs über Importe aus dem Ausland. Seit Sommer 2014 hat sich der Ölpreis mehr als halbiert. Der Preisverfall brachte die Ölexporteure unter den Schwellenländern in die Bredouille – und Indien eine gewaltige Kostenersparnis und ein niedrigeres Leistungsbilanzdefizit.

Aktienkurse hinken hinterher

Zweiter Grund für das Wachstum sind die Reformen, an denen Indiens Premierminister Narendra Modi seit Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2014 arbeitet. „Dazu zählen beispielsweise dringend benötigte höhere Ausgaben für die Infrastruktur“, sagt Madhav Bhatkuly, Manager eines Indien-Fonds beim Investmenthaus GAM. „Darüber hinaus gibt es eine Initiative zum Abbau der ausufernden Bürokratie.“ Seit Beginn von Modis Amtszeit stecken Fondsmanager und Analysten große Hoffnungen in die Reformpolitik des neuen Premiers. Diese Hoffnungen scheinen sich nun zu erfüllen. Die strukturellen Veränderungen seien dazu angetan, das Wirtschaftswachstum weiter anzukurbeln, sagt Bhatkuly. Sie müssten allerdings noch schneller und nachdrücklicher umgesetzt werden.

In den vergangenen Monaten sind viele Investoren an der indischen Börse auf Einkaufstour gegangen. So hat zum Beispiel die französische Société Générale indische Aktien übergewichtet. Hauptgrund für das Interesse: Die guten Wirtschaftsdaten spiegeln sich in den Aktienkursen bislang kaum wider. Im Gegenteil: Der Aktienindex MSCI India ist in den vergangenen zwölf Monaten um fast 20 Prozent gefallen. Internationale Anleger hatten sich zuletzt pauschal aus Schwellenländeraktien zurückgezogen und Indien für die Probleme anderer Emerging Markets in Sippenhaft genommen.

In der nächsten Zeit könnten die Kurse wieder steigen, sagen Investmentprofis. Die meisten sehen jetzt im Finanzsektor besonders gute Einstiegschancen. „Das Kreditgeschäft ist bisher kaum erschlossen und dürfte in den kommenden Dekaden stark expandieren“, sagt GAM-Fondsmanager Bhatkuly. Auch Société Générale zählt Aktien aus der Finanzbranche derzeit zu den interessantesten Titeln.

Investmenthäuser sind so überzeugt von Indiens Potenzial, dass einige von ihnen in den vergangenen Monaten neue Indien-Aktienfonds auf den Markt gebracht haben. So gibt es seit kurzem einen Indien-Fonds der Investmentboutique Acatis, deren Manager nach der Value-Strategie investieren, also nach unterbewerteten Substanztiteln suchen. Indien-Fonds eignen sich für Privatanleger, die bereits ein breit diversifiziertes Schwellenländer-Portfolio besitzen und einen Akzent auf einen vielversprechenden Wachstumsmarkt setzen wollen. Trotz der aktuellen Schwäche vieler Emerging Markets gilt: Nur in ein einziges Land zu investieren birgt ein hohes Risiko. Ein Blick in die vergangenen Jahre zeigt, dass es am indischen Aktienmarkt zwar steil nach oben gehen kann – ebenso schnell aber wieder nach unten.


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