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Indexfonds: Mach’s einfach – einfach

, von Christian Kirchner

Die immer größere Komplexität der Indexfonds schreckt viele Anleger ab. Zu Unrecht, denn die Produkte sind und bleiben vorzügliche Instrumente zum Vermögensaufbau. Von Christian Kirchner

Christian Kirchner © Gene Glover
Christian Kirchner

Christian Kirchner ist Frankfurt-Korrespondent von Capital. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über Geldanlagethemen


Warum sind wir Deutschen mehrheitlich so gute und disziplinierte Sparer, aber so schlechte Anleger? Oder anders gefragt: Warum steht der hohen Sparquote ein so wenig dynamischer Vermögensaufbau gegenüber? Recherchen von Capital zu diesem Thema in den vergangen Monaten (Heft 9 und Heft 10/2014) haben ergeben, dass man die üblichen Erklärungsmuster vom finanziell ungebildeten, risikoscheuen, prozyklischen Sparer noch um zwei häufig unterschätzte Faktoren ergänzen muss: Zum einen um die Tatsache, dass der Umgang mit Geld und Vermögensaufbau stark von der familiären und gesellschaftlichen Prägung abhängt. Entsprechend langsam ändern sich auch nur Einstellungen, nachdem etwa der Aktienbesitz über viele Jahrzehnte hinweg stigmatisiert und konservatives Sparbuchsparen gefördert wurde.

Zum anderen ist es auch kein Zufall, dass Menschen mit dem Sparbuch, Bargeld oder Tagesgeldkonten leicht verständliche Anlageformen vorziehen. Denn sie sind von der zunehmenden Komplexität von Finanzanlageprodukten schlicht überfordert. Sie haben Angst, etwas falsch zu machen, und bevor sie falsche Entscheidungen treffen, tun sie eben lieber nichts. Genau hier setzen auch viele Finanz-Start-ups wie Vaamo, Easyfolio und andere an: Sie bieten eine radikale Vereinfachung der Anlageprodukte auf eine einfache Mischung von Aktien und Anleihen in einem attraktiven Gewand.

in der Praxis komplex und abschreckend

Der Teilbereich der Indexfonds (ETFs) ist ein gutes Beispiel für ausufernde Komplexität– und eine Absurdität zugleich. Denn Indexfonds sind nicht weniger als eine Revolution. Für mikroskopisch niedrige Gebühren können Anleger ein global diversifiziertes Wertpapierportfolio kaufen und liegen lassen. Hier reichen ein oder zwei Produkte vollkommen aus. Das ist ein Umstand, von dem Anleger noch vor 15 Jahren nur träumen konnten, da seinerzeit Ausgabeaufschläge, Managementgebühren, Depot- und Transaktionskosten quasi unumgänglich waren. Heute hingegen tobt ein Preiskampf der Anbieter, der die Gebühren für einen gut diversifizierten Aktienindexfonds auf 0,1 Prozentpunkte pro Jahr getrieben hat.

An der Mehrzahl der Anleger läuft diese Entwicklung indes vorbei, und das liegt nicht nur daran, dass Indexfonds im Beratungsalltag kaum eine Rolle spielen. Schließlich kann man mit derart günstigen Produkten die Beratungsleistung nicht refinanzieren. Es liegt auch daran, dass ein an sich einfaches Produkt – dem Index zu folgen – in der Praxis komplex und abschreckend wirkt.

Das beginnt mit den Begrifflichkeiten, denn schon beim Wort Fonds und erst Recht bei Abkürzungen mit drei Buchstaben wie „ETF“ denken viele Menschen intuitiv nicht an ein gutes Anlageprodukt, sondern an eine Rettungseinrichtung für klamme Banken und Euroländer. Vielen potenziellen Anlegern ist darüber hinaus – und das ist ein Kollateralschaden des Zertifikatebooms der Nuller Jahre – nicht klar, dass sie bei Indexfonds stets alle anfallenden Zinsen und Dividenden kassieren und ihr Geld als Sondervermögen auch im Falle einer Anbieterpleite geschützt ist. Weiter geht es mit der Tatsache, dass viele Indexfonds aufgrund Steuern und kleineren Gebühren eben doch nicht verlässlich auf dem gleichen Niveau des Index stehen - und ein Dax-Indexfonds bei 9200 Dax-Punkten eben nicht bei 92,00 Euro, sondern vielleicht 82,56 Euro notiert.

Revolution ohne Privatanleger

So weit die einfachen Verständnishürden. Bei der Frage, ob nun aber ein ausländischer, thesaurierender Swap-Indexfonds einem inländischen, ausschüttenden Full-Replication-Indexfonds vorzuziehen ist, steigen selbst manche fortgeschrittenen Anleger aus. Die Revolution der Geldanlage findet daher weitgehend ohne Privatanleger statt, Indexfonds sind vor allem ein Instrument der Profis. Dabei sind diese Fragen eher Nebensächlichkeiten in Sachen Sicherheit und Besteuerungsgrundlagen verglichen mit den Vorzügen der Produkte in Sachen Kosten, Liquidität und Diversifizierung.

Lassen Sie sich daher nicht irritieren und vor allem nicht abschrecken von einer Beschäftigung mit Indexfonds. Das gilt auch und vor allem angesichts des derzeit laufenden Booms von Misch- und Multi-Asset-Fonds im Vertrieb, die als Wundermittel gegen die Niedrigzinsen angepriesen werden. Laut der Fondsratingagentur Morningstar war in der Vergangenheit eine 50/50 Kombination aus einem Aktien- und einem Anleihenindexfonds dem Gros der Mischfonds überlegen in Sachen Rendite und Risiko.

unschlagbar günstige Kosten

Daher ein konstruktiver Vorschlag zum Schluss: Lassen Sie sich nicht auf unnötige Verkomplizierungen ein. Falls Sie weder Zeit noch Lust haben, sich lange mit Geldanlage auseinanderzusetzen und partout zu keinem Berater wollen, können Sie mit sehr wenig Zeitaufwand schon mit einer einfachen Kombination aus einem Tagesgeldkonto und einem Indexfonds auf einen Aktienindex Ihrer Wahl wie dem Dax, Stoxx 50 oder MSCI World einen fiktiven Mischfonds mit einem guten Rendite-Risikoprofil zu unschlagbar günstigen Kosten bauen. Orientieren Sie sich bei der Indexfondssuche (eine Liste finden Sie zum Beispiel hier) beim Aktienindex ihrer Wahl schlicht an den Gebühren (je niedriger, desto besser) und bei der Anlagequote für den Indexfonds an Ihrer Risikoneigung.

Einen Einbruch des Aktien-Indexfonds um 50 Prozent – das wären ungefähr die Dimensionen des Einbruchs nach der Lehman-Pleite - sollten sie jederzeit verschmerzen können. Ist das der Fall (und lässt sie Ihre Hausbank oder Ihr Onlinebroker die Produkte überhaupt kaufen, was keineswegs selbstverständlich ist), haben Sie Ihre persönliche Wohlfühlquote erreicht und lassen das Geld einfach arbeiten.


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